Dank größerer offensiver Flexibilität will der FC Gießen in der kommenden Regionalliga-Saison häufiger jubeln - mit vielen neuen Spielern. FOTO: FRIEDRICH
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Dank größerer offensiver Flexibilität will der FC Gießen in der kommenden Regionalliga-Saison häufiger jubeln - mit vielen neuen Spielern. FOTO: FRIEDRICH

Fußball

FC Gießen runderneuert

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Nach der personellen Runderneuerung im Kader will Fußball-Regionalligist FC Gießen den Schwung aus der bisherigen Vorbereitung in die Saison 2020/21 mitnehmen.

Kaum jemand verkörpert den "neuen" FC Gießen so gut wie der 20-jährige Japaner Ryunosuke Takehara. Im weißen Jersey mit roten Streifen flitzte der Neuzugang aus der Verbandsliga in den bisherigen drei Testspielen des Fußball-Regionalligisten über den Platz, begeisterte die Zuschauer im Waldstadion.

"Er ist quasi aus dem Nichts gekommen", sagt FC-Trainer Daniyel Cimen. "Er lässt sein Leben auf dem Platz, gibt in jeder Minute alles." Takehara war in der Region zuvor unbekannt, zu viel darf man nicht erwarten - der Japaner aber verkörpert, das, was viele denken: Zumindest sportlich kann dem FC Gießen der Neuanfang gelingen.

Seit Anfang August bereitet sich das Team in Rödgen und Watzenborn-Steinberg offiziell auf die Saison vor, die am 5. September mit einem Heimspiel gegen den FC Homburg beginnt. Vorher wartet schon an diesem Samstag (14 Uhr) das Halbfinale im Hessenpokal gegen den TSV Steinbach Haiger. Wieviele Zuschauer der FC während der Saison einlassen darf, entscheidet sich in Absprache mit dem Gesundheitsamt nach dieser Partie (siehe Ticketinfos unten).

Das ist neu:Sportlich fast alles. Einer der "Verbliebenen", der 21-jährige Grünberger Sascha Heil, erinnert sich: "Bei einem Testspiel standen nur noch zwei Spieler aus der Vorsaison auf dem Platz. Dass sich die Abläufe da erst finden müssen, ist klar." Die neue Achse könnte fast ausnahmslos von Neuzugängen gebildet werden: Der 29-jährige Marburger Innenverteidiger Hendrik Starostzik blickt auf Profi-Erfahrung zurück, vor ihm stechen drei zentrale Mittelfeldspieler heraus: Der 29-jährige Nikola Trkulja kommt von den Stuttgarter Kickers, der 26-jährige Dren Hodja von Bayern Alzenau. Der 25-jährige Gießener Johannes Hofmann ist eine der wenigen bekannten Korsettstangen. 15 Spieler gingen, 14 kamen: "Bei diesem Umbruch ist fast jeder Tag in der Vorbereitung wichtig", sagt Daniyel Cimen. Herausgestochen ist bisher neben Takehara auch der neue 21-jährige Außenverteidiger Gabriel Weiß. Er kam vom FC Ingolstadt II. Veränderungen gibt es auch auf der Trainerbank: Marco Vollhardt und Marcel Niesner assistieren Cimen künftig. Dieser feiert am 24. September sein dreijähriges Jubiläum im Verein.

Das ist geblieben:Die Zahl der heimischen Spieler hat sich auf fünf reduziert. Neben Hofmann sind vor allem die in der Verteidigung eingesetzten Sascha Heil und Andrej Markovic (22, Gießen) bekannt und geblieben.

Heil, der in Reinhardshain wohnt, sagt: "Der Teamgeist muss sich natürlich noch entwickeln, aber der Ehrgeiz in der Mannschaft ist sehr hoch." Im Tor läuft alles auf ein Duell zwischen den im Verein bekannten Frederic Löhe (31) und Tolga Sahin (23) hinaus. Im Sturm überzeugte der bereits in der Vorsaison für den FC spielende Aykut Öztürk (32), u.a. mit einem Dreierpack gegen Bayern-Regionalligist Aschaffenburg.

Die Stärken:Der FC Gießen scheint auf den ersten Blick flexibler und unberechenbarer in der Offensive geworden zu sein. In der Vorsaison brachten es die zentralen Mittelfeldspieler Hofmann, Nico Rinderknecht, Timo Cecen und Christopher Spang gemeinsam auf zwei Treffer. "Wir hatten zu wenig Torgefahr aus dem Mittelfeld heraus und zu wenig Unterstützung von den Außenbahnen", meint der Trainer. Mit Trkulja, Hodja und den Flügelspielern Takehara und Weiß kann sich das ändern. Zu viel erwartet wird vom FC angesichts des großen Umbruchs nicht, die Mannschaft hat das Potenzial, durch eine gewisse Eigendynamik für Überraschungen zu sorgen.

Die Schwächen:Die Saison wird mit 42 Spieltagen und etlichen englischen Wochen lang - den Beweis, dass der FC Gießen auch auf den Positionen 15, 16 und aufwärts Viertligatauglichkeit aufweisen kann, muss er erst noch erbringen. Wenn das neu zusammengestellte Team harmoniert und Erfolg hat, fällt vieles leichter - bleibt das aus, kann dieser Kader auch kompliziert werden. Die linke Flügelseite hinkt der rechten noch hinterher. Ob der verspätete (offizielle) Einstieg ins Training durch die Kurzarbeit bis August in Sachen Fitness in der Saison zum Problem wird, muss beobachtet werden.

Der weitere Fahrplan bis zum Start:An diesem Samstag steht das reizvolle Halbfinale im Hessenpokal (14 Uhr) gegen den TSV Steinbach Haiger an. Trainer Cimen musste den Spagat zwischen zügiger Spritzigkeit und Grundlagenausdauer für die Mammut-Saison schaffen: "Der Hauptfokus liegt darauf, dass wir fit werden für die lange Saison." Im Pokal ist der FC nur noch zwei Siege vom Einzug in den DFB-Pokal und damit verbundenen Einnahmen in Höhe von über 150 000 Euro entfernt. Nach dem Pokalspiel steht am Folge-Wochenende ein Test gegen West-Regionalligist Wuppertaler SV an, die letzte Härteprobe vor dem Saisonstart folgt Ende August gegen West-Regionalligist Bergisch Gladbach.

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