Der 20-jährige heimische Innenverteidiger Samuel Sesay (l.) lief unter anderem im Benefizspiel gegen Eintracht Frankfurt für den FC Gießen auf. FOTO: FRIEDRICH
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Der 20-jährige heimische Innenverteidiger Samuel Sesay (l.) lief unter anderem im Benefizspiel gegen Eintracht Frankfurt für den FC Gießen auf. FOTO: FRIEDRICH

FC Gießen

FC Gießen entfernt sich wieder vom Profitum

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Der FC Gießen wird in der kommenden Saison wieder am frühen Abend trainieren - das hat Einfluss auf die Kaderplanung des Fußball-Regionalligisten.

Der FC Gießen wird sich in der kommenden Saison vom Profitum entfernen und seine Trainingszeiten wieder auf den frühen Abend verschieben. "Wir haben in den letzten Tagen und Wochen mit allen Spielern gesprochen und ihnen die Grundvoraussetzungen für die wann auch immer beginnende nächste Saison erklärt", sagt Daniyel Cimen, Trainer des finanziell eingeschränkten heimischen Fußball-Regionalligisten.

"In dieser Saison konnte man als Spieler des FC Gießen durch die Trainingszeiten am Nachmittag eigentlich nur einen Minijob ausüben. In Zukunft wird man einen Teil- oder Vollzeitjob ausüben können", sagt Cimen. "Wir werden schauen, wann der letzte Spieler Feierabend hat und den Trainingsbeginn daran anpassen - ich gehe nicht davon aus, dass das vor 17 Uhr der Fall sein wird."

Diese aufgrund der ungewissen Zukunft nachvollziehbare Entscheidung hat Einfluss auf die Kaderplanung. "Es gibt Spieler, die sagen: Das kommt für mich nicht infrage." Die Kapitel der erst im Spätherbst bzw. Winter verpflichteten Samir Benamar und Kevin Pezzoni dürften in Gießen jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit beendet sein.

Andere Gründe hat der aus der Region stammende 20-jährige Innenverteidiger Samuel Sesay. Er verlässt den FC Gießen. "Er hat mir in einem Telefonat mitgeteilt, dass er nicht mehr bei uns spielen wird", sagt Cimen. "Das ist schade, denn ich habe in ihm das Potenzial eines Regionalligaspielers gesehen. Das letzte Jahr war speziell - dass Dinge haften bleiben und Spieler daraus Konsequenzen ziehen, ist nachvollziehbar."

Dem Vernehmen nach zieht es Sesay zum heimischen Hessenligisten FSV Fernwald. Der FC verliert damit nach dem Abgang des Gießeners Nico Rinderknecht eine weitere Identifikationsfigur mit Entwicklungspotenzial - die Familie Sesay ist im Waldstadion durch den Kaffee- und Kuchenverkauf weithin bekannt.

Sollte der Saisonabbruch ohne Absteiger in der Regionalliga Südwest in den kommenden Tagen endgültig abgesegnet werden, verlängern sich durch den Klassenerhalt der Rot-Weißen die Verträge von elf Spielern: Frederic Löhe, Nils Ellenfeld, Sascha Heil, Jure Colak, Christopher Spang, Johannes Hofmann, Tim Korzuschek, Marco Koch, Jann Bangert, Jake Hirst und Dimitrios Ferfelis.

Darüberhinaus gestaltet sich die Personalplanung diffizil. So stehen zwar viele potenzielle Neuzugänge auf der FC-Liste, so auch der 19-jährige Offensivspieler Dennis Owusu, der als gebürtiger Gießener derzeit beim SV Darmstadt 98 aktiv ist. Aber: "Wir können im Moment keine Verträge anbieten", räumt Cimen ein, "wir müssen im Verein erst andere Dinge regeln."

Gleichzeitig sieht der FC-Trainer, dessen Kontrakt sich durch den Klassenerhalt ebenfalls verlängern würde, keinen zeitlichen Druck und zudem viele Konkurrenten in ähnlich schwieriger Situation. "Viele Vereine müssen erst einmal abwarten, wie die Sponsoren auf die Krise reagieren." Der Ex-Profi ist sich jedenfalls sicher: "Es wird im Sommer einen sehr, sehr großen Spielermarkt geben."

Der FC Gießen muss in schwierigen Zeiten verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen

Auf elf Akteure kann der FC bei Klassenerhalt vertraglich fixiert also bauen, einige derzeit noch angestellte Spieler könnten bei finanzieller Einigkeit zum Bleiben überredet werden. Dazu zählen die Außenverteidiger Andrej Markovic und Ricardo Antonaci und Offensivspieler Cem Kara. Weitere zu besetzende Positionen dürften sich kurzfristig ergeben.

Die Vereinsführung um den kommissarischen Geschäftsführer Markus Haupt ist bemüht, unter schwierigen Bedingungen einen annähernd regionalligatauglichen Etat auf die Beine zu stellen, der im Gegensatz zur jüngeren Vergangenheit dann auch hieb- und stichfest ist.

Ein langer Weg liegt also vor dem Regionalligisten, der um die Rückgewinnung von verloren gegangenem Vertrauen werben muss. Vom grundsätzlichen Potenzial des Projekts und der Lust auf Fußball in Gießen ist Daniyel Cimen jedenfalls weiter überzeugt: "Das motiviert mich persönlich ehrlich gesagt auch."

Spieler und Trainerteam, die auf 100 Prozent Kurzarbeit gesetzt sind, betätigen sich derweil weiterhin als Helfer im Agaplesios Evangelisches Krankenhaus in Gießen. Patienten im Eingangsbereich gezielt lenken, Bögen ausfüllen lassen, Patienten zum MRT/Röntgen begleiten - nach wie vor hilft der FC-Tross im Schichtdienst aus und soll dafür nach Beendigung der Tätigkeit vom Evangelischen Krankenhaus eine Spende erhalten. FOTO: SNO

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