Redebedarf mit den Schiedsrichtern hat Gießens Jonathan Stark (r./l. Trainer Rolf Scholz) nach der 90:92-Niederlage der 46ers gegen Göttingen. FOTO: VOGLER
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Redebedarf mit den Schiedsrichtern hat Gießens Jonathan Stark (r./l. Trainer Rolf Scholz) nach der 90:92-Niederlage der 46ers gegen Göttingen. FOTO: VOGLER

Gießen 46ers hadern

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(kus). Jonathan Stark war sauer. Der Spielmacher der Gießen 46ers stürmte nach der 90:92 (42:50)-Niederlage seines Teams gegen die BG Göttingen auf Schiedsrichter Radeesh Kattur zu und hatte Rede- bedarf. Sein Trainer Rolf Scholz zog den grimmig und verzweifelt dreinschauenden Stark zurück. Gleich zwei Szenen in den letzten beiden Sekunden einer hart umkämpften Partie der Basketball-Bundesliga hatten den Spielmacher derart in Rage gebracht.

Alle Diskussionen brachten aber natürlich nichts mehr - die Niederlage der 46ers nach zuvor zwei Siegen war amtlich. Und sie war nicht unverdient, weil die Gießener am Samstagabend gegen Göttingen nicht das Niveau aus den beiden vorangegangenen Partien erreichten. Die Verteidigung war nicht ganz so konsequent wie zuletzt, die Trefferquote aus der Distanz mit nur 28 Prozent schwach, zudem ließen die 46ers zu viele Göttinger Rebounds zu.

"Es lag an Kleinigkeiten. Ich glaube, dass wir kein generelles Problem mehr haben wie noch am Anfang der Saison", stellte 46ers-Center Johannes Richter (15 Punkte/7 Rebounds) treffend fest, der neben Stark bester Gießener war. Auch Scholz, dem die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand, sagte: "Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Der positive Aspekt ist, dass wir nicht aufgegeben haben." Dem Kampfgeist seiner Truppe war es überhaupt erst zu verdanken, dass die 46ers trotz eines zwischenzeitlichen 14-Punkte-Rückstands (63:77) in der Schlussphase noch eine Siegchance hatten. Und genau deshalb ärgerten Stark zwei Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns so sehr - zurecht. Es war der letzte Angriff der Gießener, die zu diesem Zeitpunkt mit 89:92 zurücklagen. Brandon Bowmann brachte den Ball nach vorne, passte zu Stark, der zwei Sekunden vor der Schlusssirene zum Dreier ansetzte. Foul. Pfiff. Aber die Schiedsrichter zeigten nur zwei Freiwürfe an. Sie hatten die Aktion - für viele unverständlich - vor der Wurfbewegung gesehen. Sie hätten aber genauso auf ein unsportliches Foul gegen Deishuan Brooker entscheiden können, der von der Göttinger Bank lautstark zu diesem taktischen Vergehen aufgefordert worden war. "Das hat, denke ich, jeder in der Halle gehört", sagte Scholz, der sich eine Strafe der Ligaleitung ersparen und deshalb die Situation nicht weiter bewerten wollte. So waren es bei noch 1,2 Sekunden Restspielzeit auf der Uhr nur zwei Freiwürfe für Stark. Den ersten versenkte er, den zweiten setzte er absichtlich auf den Ring, sprintete aber zu früh zum Rebound - und bekam die Aktion abgepfiffen. Einwurf Göttingen. Stark war ganz eng an Göttingens Aufbauspieler Jorge Gutierrez dran, der sich mit einem rustikalen Schubser genau vor den Augen von Schiedsrichter Kattur seines aufdringlichen Gegenspielers entledigte - die Pfeife blieb aber stumm.

Aber 46ers-Sportdirektor Michael Koch wollte die Niederlage nicht an den letzten Sekunden festmachen. "Ich glaube, dass die Göttinger von Anfang an viel Selbstvertrauen hatten, weil sie so gut getroffen haben, und wir haben durch die vielen Fehlversuche ein bisschen gehadert", sagte Koch. Dass die Veilchen trotz der zuvor sechs Niederlagen in Folge selbstbewusst auftraten, hatte auch mit ihrem Topscorer Luke Nelson zu tun, der nach seinem Muskelbündelriss völlig überraschend sein Comeback gab. Er erzielte im ersten Viertel elf Punkte und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die BG von Beginn an führte und allein im ersten Viertel, das mit 28:24 an die Gäste ging, sechs Dreier bei sieben Versuchen versenkte

Gießen, beste Werfer: Stark (23 Punkte, 7 Assists), Hamilton (16), Richter (15, 7 Rebounds, 3 Assists), Bowman (12).

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