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Eigengewächs Bjarne Kraushaar dürfte einer der wenigen 46ers-Akteure sein, die im Falle eines Abstiegs auch in der Pro A für die Gießener auflaufen werden.

Gießen 46ers entwickeln Plan B

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(skl/gae). Sportlich ist der weite Abstieg des Gründungsmitglieds der Basketball-Bundesliga kaum noch abzuwenden. Die Gießen 46ers müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen. Welche Entscheidungen kommen auf den Club zu?

Nicht erst seit der Niederlage im Derby gegen Frankfurt sind die 46ers mehr als abstiegsbedroht. Sechs Punkte und verlorene direkte Vergleiche trennen den Club elf Spieltage vor Hauptrundenende vom rettenden Ufer. Für die 46ers ist es nun an der Zeit, sich um den Plan B Gedanken zu machen. Gesellschafter und Aufsichtsrat beraten sich seit Anfang der Woche. Über die Kontrollfunktion hinaus ist es die Aufgabe dieses Kreises, sich nun an die Öffentlichkeit zu wenden und den Plan für die Zukunft zu kommunizieren. Welche Fragen gilt es zu lösen?

?Ist der Ligaverbleib über Umwege realistisch

Offen kokettiert der Club mit der Hoffnung, über eine ausgesetzte Abstiegsregelung in der Liga zu bleiben. Geschäftsführer Michael Koch verweist in diesem Zusammenhang auf Verzerrungen, die sich durch Quarantänen ergeben hätten. Auch andere Akteure der Liga wie Würzburgs Headcoach Denis Wucherer regten eine solche Regelanpassung an. Während die Franken während ihrer Quarantäne-Zeit weiter trainieren durften, war bei den 46ers im November Stillstand angesagt. Es folgten zehn Spiele innerhalb eines Monats.

Derzeit deutet aber nichts darauf hin, dass BBL und die Pro A diese Option erwägen. Dafür lief der Spielbetrieb bislang zu reibungslos. Die zweite Liga hat sich auf einen neuen Modus verständigt, mit dem das Aufstiegsrecht ausgespielt werden soll.

Hinzu kommt, dass der Pool aufstiegswilliger Mannschaften groß ist. Tatsächlich scheinen mit Jena, Rostock, Heidelberg und Bremerhaven gleich mehrere Standorte in der Lage zu sein, in die Bundesliga einzuziehen.

Die Hoffnung, dass am Ende zumindest nur ein Pro A-Team aufsteigt und Gießen so die Liga hält, scheint derzeit unwahrscheinlich. Dafür müssten die Mittelhessen zudem zumindest Vorletzter werden. Die 46ers beantragen dieser Tage sowohl Lizenzen für die Bundesliga als auch für die Pro A und mit Blick auf die Rackelos für die Pro B. Dies ist aber ein Routinevorgang.

?Was kommt bei einem Abstieg auf 46ers und Rackelos zu

2013 galt es den ersten sportlichen Abstieg zu meistern. Größter Unterschied zu heute ist, dass die 46ers jetzt ein Farmteam in der 3. Liga unterhalten. Rechtlich ist es möglich, sowohl in der Pro A als auch in der Pro B an den Start zu gehen. Fraglich ist der finanzielle Spielraum und der sportliche Sinn.

Dies ist doppelt tragisch, leben die Rackelos die beschworene Gießener »Basketball-DNA« derzeit stärker vor als der Stammverein. Seit Gründung erreichten die 46ers II stets die Playoffs, jedes Jahr wurden Spieler aus der eigenen Jugend auf das nächst höhere Level entwickelt. Zurzeit schießt Tim Uhlemann die Pro B nach Punkten fast im Alleingang ab. 2017 hatte er als Rotationsspieler ganz am Ende der Bank diesen Prozess begonnen. Das Farmteam besteht mit zwei Ausnahmen ausschließlich aus Gießener Eigengewächsen. Früchte dieser Bemühungen sind derzeit Alen Pjanic und Bjarne Kraushaar, die es in den Erstligakader geschafft haben. Würden ihre Verträge auch in der Pro A laufen?

Laut Koch sei das Gesamtkonstrukt, an dem auch NBBL und JBBL hängen, zu halten. Nach Informationen dieser Zeitung ist es möglich, dass eine Neuausrichtung in Konstellation mit den Gießen Pointers (Regionalliga) erfolgen könnte. Vielleicht ist das die Möglichkeit, über diesen Weg wieder eine Basketball-DNA zu entwickeln.

?Wer übernimmt die Geschäftsführung

Michael Koch übernahm vor gut einem Jahr das Amt des Geschäftsführers von Heiko Schelberg. In Personalunion ist er auch als Sportdirektor aktiv, weshalb die 46ers-Fans kürzlich in einer öffentlichen Stellungnahme die Kaderzusammenstellung stark kritisierten. Fraglich ist, ob Koch und Zweitgeschäftsführer Stefan Dehler in der Pro A zur Verfügung stehen. Offiziell ist Koch unbefristet eingestellt worden.

?Wer gestaltet als Trainer und die Zukunft

Rolf Scholz übernahm das Traineramt im Dezember vom glücklosen Ingo Freyer. In der öffentlichen Kritik kommt er besser weg als Geschäftsführung und Gesellschafterkreis. Die Fans hatten einen Neustart mit Scholz in der Pro A angeregt. Ob der hauptberufliche Polizist zur Verfügung stehen würde, ist aber unklar. Auch wenn von Vereinsseite noch nicht zu vernehmen ist, dass bereits ein Nachfolger gesucht wird und Scholz Thema bleibt, wird die Frage mittelfristig gelöst werden müssen.

Ein Patrick Unger könnte in Frage kommen. Der ehemalige Damen-Basketballbundestrainer leitet seit Februar 2020 die Basketball-Akademie des Vereins. Eine Mischung aus Stallgeruch und Impulsen von außen könnte beispielsweise Rouven Roessler bringen. Der ehemalige 46er (2006-2008) sieht in Karlsruhe seinem Karriereende entgegen und soll sich nach Informationen dieser Zeitung nach einem neuen Tätigkeitsfeld am Spielfeldrand umsehen. Roessler fungierte als Trainer bereits in der 2. Damenbasketball-Bundesliga.

Doch egal, wer es letztendlich macht: Wichtig ist, möglichst schnell eine positive Zukunftsvision für den Basketballstandort Gießen zu ent- wickeln.

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