Getrennt laufen - gemeinsam ankommen

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(pm). In Zeiten geschlossener Schwimmbäder, Fitness-Studios und Sportplätze sieht man sie momentan immer mehr - Läuferinnen und Läufer, die in Wald und Flur eifrig ihre Runden drehen. Dass man aktuell oberhalb von Ockstadt auf der Strecke um die ehemalige Raketenstation sehr viele und auch sehr schnelle Läufer sieht, hat allerdings einen besonderen Grund. Um seinen Schützlingen einen Ansporn zu weiterem leistungsorientierten Training auch in Zeiten der coronabedingten Einschränkungen zu bieten, hat Elmar Kraus, Lauftrainer beim Triathlon Wetterau und ASC Marathon Friedberg, sich etwas einfallen lassen:

Die Läufer dürfen unter Einhaltung geltender Abstands- und Versammlungsregeln einzeln oder maximal zu zweit auf der Radrunde des Ockstädter Cross-Triathlons rund um das alte Raketengelände laufen und dabei ihre Zeit selbst festhalten.

Zu einem späteren Zeitpunkt (dann, wenn gemeinsames Sporttreiben wieder erlaubt ist), soll das große Finale stattfinden. Dann werden dann die Teilnehmer in umgekehrter Reihenfolge und gemäß der getrennt ermittelten Zeitabstände auf die Strecke geschickt. Im Idealfall kommen dann alle gemeinsam ins Ziel, getreu dem Motto der Aktion: "Getrennt laufen - gemeinsam (irgendwann) ankommen".

Mit Motivationshilfe

Als kleine Motivationsstütze für die Zwischenzeit gibt es zweimal wöchentlich per E-Mail eine tabellarische Übersicht, in der die Zeiten (und die Reihenfolge) aufgelistet sind. Besonders motivierend auch für Einsteiger und Ältere: Es gibt eine Umrechnungs-Funktion, die Alter und Geschlecht berücksichtigt und so eine faire Platzierung ermöglicht. Die Idee hat beim Lauftreff Butzbach bereits einen ersten Nachahmer gefunden - dort stehen sogar zwei Strecken von jeweils drei Kilometern zur Auswahl.

Beim Triathlon gibt es mit Schwimmen und Radfahren zwei weitere Disziplinen, die auch überwiegend individuell trainiert werden. Marius Meisinger, Mitorganisator des Triathlons um das Ockstädter Quellwasserschwimmbad und Radsportler sagt: "Wir haben die Möglichkeit, ausgiebige Rennradtouren sowohl durch die hügelige Wetterau, als auch mit bergigen Passagen in Taunus und Vogelsberg zu fahren. Auch knackige Mountainbikerunden rund um den Winterstein sind möglich. Jedoch sollte man sowohl auf dem Mountainbike als auch auf dem Rennrad keine unnötigen Risiken eingehen." Wo Radwege sind, sollen diese auch genutzt werden. "Und auf den Straßen bitte ich die Autofahrer, den neu vorgeschriebenen Abstand von zwei Metern mindestens einzuhalten." Für Neueinsteiger gilt: die Distanzen und Höhenmeter langsam steigern und überwiegend eine Geschwindigkeit fahren, bei der man sich - zurzeit nur theoretisch - noch gut unterhalten könne.

Startdisziplin beim Triathlon ist üblicherweise das Schwimmen. Und das ist derzeit das größte Problem. Alle Schwimmbäder sind seit Wochen geschlossen und die Seen sind noch kalt, selbst mit Neoprenanzug. Rebekka Ott, die Schwimmtrainerin der Wetterauer Athleten, empfiehlt: "Seilspringen, Seilzüge, Liegestütze und Mehlbälle (Luftballons die mit Mehl oder ähnlichem gefüllt sind; Anmerkung der Red.) kneten, sind ein kleiner Ausgleich für das fehlende Schwimmen." Auf keinen Fall sollten gerade Ungeübte bei unter 18 Grad ins Freiwasser gehen. "Wenn das Freiwasser lockt, dann immer nur mit Rettungsboje, um sichtbar zu bleiben, mit Neoprenanzug und nie alleine", sagt Ott.

Alleinstellungsmerkmal geplant

Ob in diesem Jahr der Ockstädter Cross Triathlon ausgetragen werden kann, ist noch nicht absehbar. Geplant war die Veranstaltung für den 30. August, und bisher wurden vergleichbare Veranstaltungen bis in den August hinein abgesagt.

Für die nächsten Jahre haben die Wetterauer Triathleten weitere Pläne in der Schublade. "Unser Organisationsteam könnte in Ockstadt beispielsweise die Hessischen Meisterschaften im Cross-Triathlon ausrichten. Das gibt es so bisher noch nicht in Hessen und wäre dann ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Tanja Weber, Pressereferentin des Hessischen Triathlon Verbandes und Vorstandsmitglied vom Triathlon Wetterau. "Um professioneller zu werden, haben wir unsere Veranstaltung schon 2019 durch Kampfrichter des Verbandes bewerten lassen." Das Fazit war durchweg positiv.

In diesem Jahr wäre der Cross-Triathlon sogar Teil des HTV-Schnupper-Cups gewesen, einer Serie von Einstiegswettkämpfen in die Sportart für Kinder. Problem bleiben für die Veranstalter nach wie vor die Zeitnahme und damit verbundenen Kosten für ein Meisterschaftsrennen.

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