Geteiltes Echo bei heimischen Klubs

  • vonMichael Stahnke
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(msw). Wie kommen die Vorschläge des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) zur eingeschränkten Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs an der Basis an? Wir haben uns im Wetteraukreis umgehört.

Die Maßnahmen stoßen hier auf ein geteiltes Echo, doch insgesamt überwiegt die Kritik. Am massivsten kommt sie von einem, der in "normalen" Zeiten täglich am Tisch steht und hauptamtlich von dem Sport lebt, nämlich von Trainer Markus Reiter, der auch 21 Jahre Kreisjugendwart im Wetteraukreis war. "Bisher wollten wir die Hallen voll machen und jetzt sollen wir sie leer machen. Die Hallen haben sich ohnehin in den letzten Jahren schon geleert, und jetzt machen wir sie auch noch aktiv leer. Wir müssen jetzt wirklich aufpassen, dass sich der Tischtennissport nicht in Luft auflöst", sagt er - und bezeichnet die Leitplanken des DTTB als "Quatsch und nicht praktikabel." "Diese Leitplanken können nur von einem Prozent der Mannschaften umgesetzt werden. Wenn schon professionelle Lehrer Probleme haben, die Regelungen in den Schulen und Sporthallen umzusetzen, wie sollen es dann Ehrenamtliche schaffen können?" Auch die Umsetzbarkeit wie das Lüften von Bürgerhäusern oder Großsporthallen scheint für ihn in kurzen Abständen, ohne den Spielbetrieb damit quasi unmöglich zu machen, praktisch nicht umsetzbar zu sein.

Das größte Problem ist für ihn aber noch ein anderes: "Selbst wenn Punktspiele ohne Doppel irgendwie stattfinden könnten, und die Vereine nach dem Motto verfahren würden, wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter, und ich mache in den Hallen mehr oder weniger was ich will, um diesen Spielbetrieb im Rahmen der Hygienemaßnahmen durchführen zu können, dann ist in jedem Fall die Zukunft gefährdet, denn an ein Kindertraining ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken", sagt er. "Social Distancing und Kindertraining passen nicht zusammen. Kein Kind wird einen Ball spielen und diesen dann erst wieder aufwendig säubern. Auch Herumtollen gehört einfach dazu. Noch hat sich beim DTTB kein Inhalt verändert. Es geht jetzt ans Mark dessen, was den Vereinssport ausmacht, und je länger die derzeitige Situation andauert, desto existenzieller wird es für die Vereine."

Ein Jahr Pause?

Wetteraus Kreiswart Henrik Jasper (TTC Bad Nauheim/Steinfurth) sieht das gesamte Konzept ebenfalls als nur schwer umsetzbar, auch wenn die Grundtendenz gut sei: "Der Spaß und die Gemeinsamkeit gehen verloren, wenn man nur mit Aufbauen und Desinfizieren beschäftigt ist. Und wir reden hier von normalen, gesunden Menschen. Bei uns im Kreis gehören aber 50 Prozent der Spieler zur Risikogruppe. Eigentlich ist es schön, dass man Tischtennis bis ins hohe Alter spielen kann, aber jetzt wird es zum Problem", erklärt er. Selbst die vermeintlich sicheren Abstände scheinen für ihn oft nicht gegeben zu sein: "Bei Stoppbällen kann auch der Sicherheitsabstand nicht mehr eingehalten werden und nach einer niederländischen Studie können die Partikel beim Sport viel weiter fliegen. Vielleicht muss man ein Jahr ganz pausieren, denn die Gesundheit geht vor. Hoffentlich machen wir bis in vier Monaten auch noch medizinische Fortschritte. Aber es gibt auch Wichtigeres als den Sport."

Sehr pragmatisch sieht es derweil Rodheims Hessenliga-Spielerin Kerstin Wirkner: "Wenn ich mich beim Spiel nur um das Virus kümmern müsste, dann ginge mir der Spaß verloren. Da gehe ich lieber in den Wald joggen. Bei aller Liebe zu meinem Sport, doch dann würde ich mir lieber einen Tisch in den Garten stellen. Das wäre spaßiger und sinniger", sagt sie.

Es gibt aber auch andere Stimmen. Assenheims Mannschaftsführer Albrecht Papp etwa: "Wenn es noch länger so weitergeht wie bisher, läuft bald gar nichts mehr. Wir müssen alle Maßnahmen zur Fortsetzung nutzen. Ich orientiere mich an den doch recht guten Statistiken und gehe als positives Beispiel voran. Denn wenn wir das kulturelle Leben herunterfahren, werden wir auch leiden."

Auch Sandra Michel, die gerade bekannt gab, dass sie mit den TTC Florstadt in der kommenden Saison in die Hessenliga aufsteigen wird, sagte: "Eine Saison wie bisher wird es nicht geben, und es wird umständlicher werden, aber man muss die Maßnahmen akzeptieren. Ich habe kein persönliches Problem damit, dann auch im Sport müssen wir zu einer Normalität beitragen."

Was alle Tischtennis-Cracks eint ist die Hoffnung, dass es weitergehen wird und dass die Lockerungen der vergangen Tage bis zum Beginn der Saison Anfang September noch zu mehr Normalität führen werden.

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