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Gerbig will im Derby »nicht den Kopf verlieren«

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Sven Gerbig kennt Eishockey-Derbys aus allen Perspektiven.
Sven Gerbig kennt Eishockey-Derbys aus allen Perspektiven. © Joachim Storch

Er ist im Herzen ein Roter Teufel, hat aber auch schon für Frankfurt und Kassel gespielt. Sven Gerbig kennt die hessischen Eishockey-Derbys seit seiner Jugend aus allen Perspektiven. Vom »Sahnehäubchen für jeden Sportler« spricht der 33-jährige Angreifer des Eishockey-Zweitligisten aus der Wetterau mit Blick auf das Wochenende.

Am Freitagabend (19.30 Uhr) empfängt der EC Bad Nauheim zunächst die Kassel Huskies, am Sonntag (18.30 Uhr) geht’s dann zu den Löwen nach Frankfurt. Im Gespräch mit WZ-Redakteur Michael Nickolaus erklärt Gerbig, der im Sommer aus Hannover in seine Heimat zurückgekehrt ist, das ganz spezielle »Derby-Feeling«, erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen beim Stadtduell zwischen Indians und Scorpions in der drittklassigen Oberliga und sieht die beiden Auftakt-Niederlagen seiner Mannschaft als Teil eines »Lernprozesses« an.

Sven Gerbig, Sie haben die hessischen Derbys aus Sicht der Roten Teufel, der Huskies und Löwen erlebt, ebenso das Stadtduell in Hannover mit den Indians und zuletzt mit den Scorpions. Fühlt sich ein Derby denn immer gleich an?

Sven Gerbig: Nein. Das ist schon ein bisschen standortabhängig. In einer Stadt wie Frankfurt beispielsweise ist das Freizeit-Angebot sehr groß, da stehen zudem die Eintracht und der Bundesliga-Fußball im Vordergrund. Das fühlt sich schon anders an, ist nicht ganz so intensiv. In Bad Nauheim hingegen regiert Eishockey, da ist die Wahrnehmung doch eine ganz andere. In Kassel ist das ähnlich. Hier wie da stehen zudem viele Einheimische im Kader, die schon mit dieser Rivalität im Nachwuchs groß geworden sind. Das ist in Frankfurt anders.

Ist Ihnen ein Derby in besonderer Erinnerung geblieben?

Gerbig: Das Derby in Hannover im Vorjahr hat sicherlich richtig Wellen geschlagen. Die Drittliga-Partie wurde extra in die große TUI-Arena verlegt, in Sachen PR gut vermarktet und war in Hannover schon ein Riesending. In Erinnerung geblieben ist mir auch das Derby mit Frankfurt in Kassel. Die Stimmung war schon bei der Ankunft sehr aufgeheizt. Das hatte ich vorher so noch nicht erlebt.

Sie sind mit den hessischen Derbys groß geworden.

Gerbig: Ja. In Frankfurt gab nach den Nachwuchsspielen oft Schlägereien im Kabinengang. Das gehörte fast schon dazu, muss man rückblickend sagen. Kassel war zu dieser Zeit kein Gegner. Jugendspiele endeten hier oft zweistellig. All dies ist aber lange her.

Haben Sie heute noch Kontakte nach Frankfurt und Kassel?

Gerbig. Nach Frankfurt, zu Patrick Vogl und Christian Wichert, mit denen ich einst zusammen in München gespielt habe; nach Kassel eigentlich nicht.

Sie sind 33 Jahre alt. Spüren Sie da noch das gleiche Derby-Kribbeln wie als junger Spieler?

Gerbig: Ja. Der Derby-Charakter lässt sich nicht einfach auslöschen. Ich hab das so richtig gespürt, als ich am Montagabend aus Köln zurück nach Bad Nauheim gefahren bin. Ich freue mich unheimlich auf das Wochenende, weil ich weiß, was da los sein wird. Solche Spiele sind doch letztlich die Sahnehäubchen für jeden Sportler. Derbys machen Mega-Spaß. Man muss nur aufpassen, nicht zu überdrehen und nicht den Kopf zu verlieren.

Nach zwei Niederlagen gegen zwei Top-Mannschaften werden jetzt Punkte erwartet.

Gerbig: Ja, natürlich. Wir brauchen Punkte, sonst kommt schnell Unruhe auf. Wir haben am Wochenende zweimal verloren, aber ich denke, wir können dennoch selbstbewusst in die Spiele gehen. In Bremerhaven haben wir richtig gut gespielt; und auch gegen Rosenheim 40 Minuten lang dominiert. Die beiden Siege wurden verschenkt, wir waren in beiden Partien das bessere Team. Wir haben einen guten Kader. Was dann im dritten Drittel passiert ist, lässt sich schwer erklären. Das ist auch ein Lernprozess. Noch einmal wird uns das nicht passieren. Davon bin ich überzeugt.

Die Leistung hat nach der durchwachsenen Vorbereitung überrascht.

Gerbig: Die Vorbereitung hat nichts zu bedeuten. Da sind die Beine schwer, der Kopf müde, und man versucht, irgendwie durchzukommen. Wir wussten, dass wir zum Spiel in Bremerhaven bereit sein müssen.

Sie selbst haben zuletzt eine Ehrenrunde in der Oberliga gedreht. Fühlen Sie sich in der Zweitklassigkeit inzwischen wieder angekommen?

Gerbig: Die Intensität und das Tempo im Training sind natürlich höher, die Abläufe professioneller. Nach ein paar Trainingstagen hat sich das aber schnell eingespielt. Kopf und Beine sind wieder da. Das höhere Level macht viel mehr Spaß, und ich fühle mich topfit.

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