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Christoph Dingeldein und sein TTC Dorheim müssen nach über vier Jahrzehnten erstmals wieder "nur" in der Bezirksliga antreten - sehr zum Ärger über die Auf- und Abstiegsregelung des Verbandes nach dem vorzeitigen Saisonende im Tischtennis. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Gemischte Gefühle

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(msw). Der Deutsche Tischtennis-Bund und der Hessische Tischtennis-Verband haben in der vergangenen Woche entschieden, dass die Tischtennis-Saison 2019/2020 mit den Tabellen bis zu den letzten noch gespielten Partien für beendet erklärt wird (wir berichteten). Der Grund ist die Ausbreitung des Coronavirus und die weiter unvorhersehbare Entwicklung der Lage rund um die Schließung von Sportstätten sowie Ausgehbeschränkungen und Kontaktverbote. Demnach werden alle Meister und Vizemeister auch ohne Relegation aufsteigen können sowie die auf Abstiegsrängen platzierten Mannschaften werden absteigen müssen. Die Pflicht, auch als Meister aufsteigen zu müssen, wurde ausgesetzt. Die dadurch besonders betroffenen Mannschaften reagierten unterschiedlich auf die Entscheidung.

Rodheim könnte in die Oberliga

Die SG Rodheim kann die Hessenliga der Damen, Gruppe Nord/Mitte, nach zwei Jahren wieder in Richtung Oberliga Hessen verlassen, da ihnen eine noch fast sichere Niederlage gegen Meister TTC Wißmar erspart blieb. Die vorübergehend als Mannschaftsführerin agierende Jeanette Möcks meint dazu: "Ein Aufstieg hat schon einen gewissen Charme, zumal die Fahrten zu den südhessischen Mannschaften kürzer wären. Allerdings müssten wir uns dann doch auch wieder mehr zusammen reißen und bessere Leistungen zeigen als zuletzt. Und ob Kerstin Wirkner wieder dabei sein würde, weiß ich auch nicht, obwohl sie inzwischen ihr Kind bekommen hat. Wir werden uns alle noch in Ruhe absprechen müssen".

Gespräche beim TTC Florstadt

Ähnlich sieht es beim TTC Florstadt aus, der doch etwas unverhofft plötzlich als Meister der Verbandsliga Mitte der Damen dasteht. Mannschaftsführerin Sandra Michel meinte dazu: "Annabel Jost konnte durch die erzwungene Pause zunächst einmal in Ruhe ihre Abiturprüfungen schreiben. Ansonsten sind wir nur deshalb Meister, da wir bereits mehr Spiele bestritten haben als die TTG Vogelsberg II. Die haben sich nach einer Eingewöhnungsphase als bestes Team erwiesen und sie werden sicherlich auch aufsteigen wollen. Bei uns stellt sich die Frage: Nimmt eine Mannschaft eine solche Aufgabe an oder nicht? Dabei geht es uns nicht darum, ob wir mehr oder weniger Spiele gewinnen können. Dennoch werden wir zunächst einmal miteinander reden müssen und auch sehen, wer überhaupt zur Verfügung steht. Und ich hoffe, dass dies dann auch irgendwann wieder in einem persönlichen Gespräch stattfinden kann. Somit ist aktuell noch alles offen."

TSV Ostheim mit Doppel-Aufstieg?

Klar ist hingegen die Situation beim TSV Ostheim, auch wenn Abteilungsleiter Simon Löbrich derzeit alles als "ein bisschen schräg" empfindet. Er werde sowohl mit der ersten Garnitur aus der Bezirks- liga, Gruppe 4, in die Bezirksoberliga, Gruppe 2, aufsteigen als auch mit der zweiten Mannschaft aus der Kreisliga, Gruppe 1, in die Bezirksklasse, Gruppe 8. "Wir haben uns nach der Entscheidung der Gremien alle gegenseitig mittels elektronischer Medien gratuliert. Die erste Mannschaft wird auf jeden Fall aufsteigen, die zweite Mannschaft hätte es durch die vielen Verletzten regulär wahrscheinlich nicht geschafft, den zweiten Tabellenplatz zu verteidigen. Aber wenn es das Personal hergeben sollte und wir sechs Stammspieler zur Verfügung haben, werden wir den direkten Wiederaufstieg auch wahrnehmen. Noch wissen wir aber natürlich nicht, ob es im September überhaupt wie gewohnt weitergeht. Prinzipiell finde ich, dass man einen Aufstieg, den man sportlich erreicht hat, auch annehmen sollte. Wenn es dann nicht reichen sollte, steigt man halt wieder ab. So ist das eben im Sport. Es ist aber natürlich schöner, wenn der Aufstieg am Tisch passiert. Und sobald wir wieder ins Training gehen können, werden wir die Meisterschaftsfeier mit der ersten Mannschaft nachholen." Die Entscheidungen der Verantwortlichen fand er richtig, da sie frühzeitig waren und sich nun jeder darauf einstellen könne.

Ärger beim TTC Dorheim

Ganz anders sind die Reaktionen beim TTC Dorheim, der nach vielen Siegen in den Wochen vor der Saisonunterbrechung noch alle Chancen hatte den drittletzten Platz der Bezirksoberliga Mitte der Herren, Gruppe 2, zu verlassen. Jetzt müssen die Friedberger Vorstädter zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten wieder in der Bezirksliga, Gruppe 4 an den Start gehen. "Das ist extrem böse und eine Schweinerei", ist hierzu die eindeutige Meinung des TTC-Vorsitzenden Christoph Dingeldein. "Wir haben aber keine Lust, vor Gericht zu ziehen, auch wenn diese Entscheidung total ungerecht ist. Wir hätten noch gegen den Tabellenletzten und den Tabellenvorletzten gespielt und sicherlich noch die notwendigen Punkte zum Klassenerhalt geholt." Und er fügt hinzu: "Das Beste wäre gewesen, wenn man alle Klassen einfach so belassen hätte, wie sie gerade sind, ohne Aufstieg und ohne Abstieg. So sind bei uns jetzt alle total gefrustet. Und natürlich wissen wir jetzt nicht, ob David Malaika weiterhin bei uns bleiben wird. Manchmal fragt man sich, warum man diese ganze ehrenamtliche Tätigkeit eigentlich noch macht. Aber andererseits ist Tischtennis auch nicht alles im Leben. Es wird schon weitergehen".

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