Fusion

Gemeinsame Tischtennis-Zukunft

  • VonMichael Stahnke
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Paukenschlag in der heimischen Tischtennis-Szene: Die TTG Bad Nauheim und der TTC Steinfurth fusionieren schon zur kommenden Saison. Hier sprechen die Verantwortlichen über die Gründe.

Vor Ablauf des Wechseltermins im Tischtennis für die Saison 2018/2019 gaben die Verantwortlichen der TTG Bad Nauheim und des TTC Steinfurth bekannt, dass sie fusionieren werden. Und dieser überraschende Zusammenschluss ist nicht aus der Not geboren, sondern eine bewusste Entscheidung, um einen attraktiven Standort auch für talentierte Spieler anzubieten. Kurzfristig gehe es zwar auch darum, den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga schaffen zu können, doch im Interview zeigen sich Bad Nauheims Vorsitzender Henrik Jasper und die beiden Steinfurther Sportwarte Holger Rohn und Patrick Hübner doch sehr ambitioniert.

Wer hat den ersten Schritt zu dieser Fusion gemacht?

Henrik Jasper (TTG Bad Nauheim): Die Idee ist in unserer ersten Mannschaft diskutiert worden, und wir sind auf die Steinfurther zugegangen. Sie waren die beste Bezirksliga-Mannschaft in der Vorrunde und wir in der Rückrunde, so dass dies sehr gut passt.

Holger Rohn (TTC Steinfurth): Die Initiative kam zwar aus Bad Nauheim, doch bei uns wurde das Thema eines Zusammenschlusses schon seit geraumer Zeit diskutiert. Auch Kreiswart Diethelm Göbeler hat uns schon einmal gefragt, ob dies nicht eine gute Option wäre. Wir haben zudem parallel mit Ober-Mörlen gesprochen, was zeigt, dass wir auf der Suche nach Zukunftsoptionen waren. Die Mehrzahl der Vereinsmitglieder hat sich für Bad Nauheim entschieden, da wir in dieser Konstellation längerfristig bessere Perspektiven sehen. Bad Nauheim ist im Gesamtpaket für uns interessanter, es gibt ein größeres Einzugsgebiet, wir haben einen pyramidenförmigen Aufbau der Mannschaften, dazu kommt die Nähe zu Bad Nauheim.

Patrick Hübner (TTC Steinfurth): Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dezentral an allen Standorten Tischtennissport dauerhaft weiter für Senioren und Nachwuchs anzubieten.

Was war der Hauptgrund für die Fusion?

Rohn: Zunächst einmal haben wir nach unserem Aufstieg in die Bezirksoberliga unsere Chancen auf den Klassenerhalt verbessert, da jetzt die besten Spieler aus beiden Vereinen die erste Mannschaft bilden können. Zudem haben wir auch eine gute Bezirksliga- und zwei Bezirksklassen-Mannschaften. Doch unsere mittelfristige Zielsetzung ist es, ein Zentrum in der Mitte der Wetterau zu werden, um eine Alternative für gute Jugendliche mit Potenzial zu sein. Wir können jetzt noch professionellere Jugendarbeit anbieten und vielleicht spielen wir mal höher.

Jasper: Die Hauptgründe hat Holger gut beschrieben. Zusätzlich kann unser 14-jähriges Talent Christian Schmirler jetzt langfristig bei uns bleiben, und wir sind offen für weitere talentierte und ambitionierte Spieler, für die wir in unseren Teams entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten bieten können.

Hübner: Wir haben mit den Standorten Bad Nauheim, Steinfurth und Schwalheim jetzt die Möglichkeit, fast täglich Training in sehr guten Hallen anzubieten. Somit gibt es alternative Trainingszeiten und Gegner für Spielerinnen und Spieler mit unterschiedlichen Leistungsstärken.

Gibt es auch die »üblichen« Gründe für einen Zusammenschluss, und wie gehen die älteren Spieler mit dieser Entwicklung um?

Jasper: Natürlich findet überall ein Mannschaftssterben und eine Überalterung statt, sodass die Entscheidung auch aus diesem Grund gefallen ist. Und wahrscheinlich werden wir auch nur zehn Mannschaften haben, obwohl wir acht und Steinfurth drei hatten.

Rohn: Wir hatten vor ein paar Jahren noch sieben Mannschaften, und jetzt würden wir wahrscheinlich kaum noch drei aus eigener Kraft heraus schaffen. Wir mussten also reagieren, um den Traditionsverein TTC Steinfurth und Tischtennis vor Ort am Leben zu halten. Die größte Gruppe von Spielern, die wir haben, ist neben den Nachwuchsspielern zwischen 40 und 60 Jahre alt. Auch die haben bei den vielen Teams in der Bezirksliga, -klasse und Kreisliga eine sportliche Heimat.

Hübner: Diese Fusion wird auch explizit von den älteren Spielern gewünscht, da auch die ehrenamtlichen Tätigkeiten besser ausgeführt werden können. Zudem wird die Ausrichtung von Veranstaltungen noch besser möglich werden. Aber natürlich wurde und wird auch kontrovers diskutiert. Es gibt persönliche Präferenzen und wir haben viel Tradition in Steinfurth. Viele Spieler haben schon in beiden Vereinen gespielt.

Wie soll die Fusion praktisch ablaufen? Wird Steinfurth als der kleinere Verein nicht geschluckt von Bad Nauheim?

Jasper: Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir begrüßen es, wenn sich möglichst viele Spieler aus Steinfurth auch im Verein ehrenamtlich engagieren; gerne auch mit Posten im Vorstand.

Rohn: Mitgliedermäßig sind beide Vereine etwa gleich groß, wir haben aktuell eine erfolgreichere Jugendarbeit. Außerdem bringen wir das Bezirksoberliga-Team ein. Dennoch wird Steinfurth der wechselnde Verein sein, da wir weniger Mannschaften haben. Über den genauen Namen wird aber eine Generalversammlung entscheiden. Vereinbart wurde, dass Bad Nauheim und Steinfurth im neuen Vereinsnamen enthalten sein werden. Das wird harmonisch ablaufen, da wir uns gut verstehen. Es ist ein Zusammenschluss auf Augenhöhe.

Das klingt alles nach einem echten Plan.

Rohn: Ja, wir wollen ein interessantes Vereinsleben und eine sportliche Heimat für alle Altersgruppen und unterschiedliche Leistungsstärken bieten. Wir haben vorgesorgt, bevor ein Notstand eintritt. Langfristig wollen wir mit noch mehr jungen Spielern auch eine attraktive Option nach oben bieten.

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