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Wann geht es weiter? Wie geht es weiter? Murat Sentürk (links) und der FC Ober-Rosbach wünschen sich zum Jubiläumsjahr den Aufstieg in die Fußball-Gruppenliga. Rechts: Sascha Plagentz vom FC Hessen Massenheim. FOTO: NICI MERZ

Fußball

Wie geht es weiter? "Eine faire Lösung gibt es nicht"

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Im Amateur-Fußball und damit auch im Kreis Friedberg werden viele Szenarien diskutiert. Welche Option stößt auf Akzeptanz, welche nicht? Ein Stimmungsbild von der Kreisoberliga bis zur C-Liga.

Eine Saison-Annullierung, die Wertung der aktuellen Tabelle oder der Hinrunde, ein "Hochrechnen" des Punkteschnitts oder eine Fortsetzung der Runde bis in den Herbst, vielleicht bis ins nächste Jahr? Im Fußballkreis Friedberg wird diskutiert, wie eine faire Lösung für die unterbrochene Spielzeit 19/20 aussehen kann. Ein großes Problem: die unterschiedliche Zahl an absolvierten SpielenIm Eishockey, Handball und Tischtennis - um nur Beispiele zu nennen - sind die Entscheidungen bereits gefallen. In unterschiedlicher Form. Die Deutsche Eishockey-Liga 2 hat keinen Absteiger ausgespielt und nimmt keinen Aufsteiger aus der Oberliga auf. Im Handball - wo die Zahl der Spiele aller Mannschaften von Ausnahmen abgesehen, gleich war - steigt der Tabellenführer auf, wie im Tischtennis wird auf Absteiger verzichtet. Der Fußball nimmt eine Sonderrolle ein. Die Entscheidung, ob die Saison 2019/20 annulliert oder fortgesetzt wird und nach welchen Kriterien gegebenenfalls gewertet wird, steht noch aus. Wir haben uns bei den Klubs, die im Fußballkreis Friedberg von der Kreisoberliga bis zur Kreisliga C um Meisterschaft und Aufstieg spielen, umgehört:

Kreisoberliga:In der Kreisoberliga strebt der SV Steinfurth die Rückkehr in die Gruppenliga Frankfurt-West an. "Die Jungs haben sich ihre Position erkämpft. Sie stehen zurecht dort oben", sagt Wolfgang Schneeberger, der Vorsitzende. Die Saison einfach annullieren - "das kann man nicht machen. Da wären wir schwer enttäuscht und würden uns ganz schön ungerecht behandelt fühlen." Seit Wochen schon bemühe man sich, den talentierten, jungen Kader zusammenzuhalten. "Und da ist die Gruppenliga natürlich ein gutes Argument." Im Rosendorf wäre man von einem aprupten Saison-Ende gleich doppelt betroffen, denn die zweite Mannschaft führt die B-Liga, Gruppe 2, an. "Ein Aufstieg in die Gruppenliga und A-Liga - was begehrst du mehr", sagt Schneeberger - auch, um dem Nachwuchs Perspektive bieten zu können. "In den älteren Jahrgängen haben wir einige dabei, die kicken können. Und für diese Jungs ist natürlich die A-Liga reizvoller als die B-Klasse."

Punktgleich mit Steinfurth, aber mit drei Spielen mehr auf dem Konto folgt in der Kreisoberliga der FC Ober-Rosbach, dem - Stand jetzt - attraktive Relegationsspiele winken. "Die Situation ist ganz außergewöhnlich. Wenn jetzt die Zeit davonlaufen sollte, dann wäre es wohl die gerechte Alternative, die Saison einfach auf Null zu stellen. Wir hätten uns jetzt in unserem Jubiläumsjahr einen Aufstieg gewünscht. Aber man muss auch realistisch bleiben", meint Christoph Käding, der Vorsitzende. Unabhängig der Seniorenmannschaft sei es aber wichtig, "die Jugend wieder in den Rhythmus zu bringen. Der Nachwuchs ist Kern des Vereins." Theoretisch könne er sich - wenn ein Spielbetrieb auch in den kommenden Wochen nicht möglich ist - auch eine weitreichende Saison-Verlängerung anstelle einer Annullierung vorstellen, um die Spielzeit abzuschließen. "Eine Saison 19/20/21 sozusagen."

Die FSG Burg-Gräfenrode könnte dem FCO den Relegationsrang am ehesten streitig machen. Bei drei Spielen weniger liegen die Roggauer mit sechs Zählern Rückstand auf Rosbach auf Platz drei. "Bevor man die Saison in den Oktober zieht, sollte man lieber einen Cut machen oder eben die Sommerpause verkürzen", meint Florian Fünffinger, der Vorsitzende. Nach zwei Aufstiegen in den letzten beiden Jahre sei man ohnehin "recht entspannt". Sollte der Erste aufsteigen dürfen und auf einen Absteiger verzichtet werden, "dann ist das eben so"; unabhängig von der ungleichen Zahl der ausgetragenen Spiele. Eine Wertung anhand der Hinrundentabelle scheint dagegen ausgeschlossen. "Gegen Bruchenbrücken und Staden haben wir beispielsweise noch gar nicht gespielt", erklärt Fünffinger.

Kreisliga A:In der Kreisliga A führt der 1. FC Rendel die Tabelle an - mit gleich elf Zählern Vorsprung auf den Zweiten (bei gleicher Zahl an Spielen). "Eine Annullierung wäre extrem tragisch und kann aus unserer Sicht auch nicht infrage kommen. Wenn es dennoch so käme, könnten wir wohl aber auch nichts machen", sagt Alexander Jörg, der Trainer. "Dass sich der DFB zuletzt bewegt hat, was zuvor eigentlich immer undenkbar schien, zeigt, dass die Saison irgendwie zu Ende gebracht werden soll. Gerade in den höheren Ligen ist vieles auf Kante genäht, da wären wohl Klagen zu erwarten." Jörg selbst plädiert für eine Fortsetzung. "Ob das realistisch ist, kann ich aber nicht einschätzen." Bei einem Abbruch sehe er eine "Punkte-pro-Spiel"-Tabelle als fairste Variante an.

Den zweiten Direktaufsteiger-Rang belegt die Spvgg. 08 Bad Nauheim. "Eine Annullierung wäre für uns der worst case und natürlich extrem frustrierend", sagt Oliver Michel, der Vorsitzende. Vor drei Jahren hatte ein Vier-Punkte-Abzug aufgrund der Nichterfüllung des Schiedsrichter-Solls die Kreisoberliga-Rückkehr nach sportlich erfolgreicher Saison gekostet - "und jetzt das", hadert Michel mit dem möglichen Szenario. Er plädiert für eine "mathematische Lösung": den Punkteschnitt pro Spiel auf 34 Spieltage hochrechnen. Michel sagt: "Egal, wie der Verband entscheidet: Die Welt wird sich weiterdrehen, und irgendwann wird auch wieder Fußball gespielt werden. Priorität hat jetzt die Gesundheit; und ich sehe derzeit noch nicht, dass wird bald wieder Fußballspielen werden."

Kreisliga B, Gruppe 1:In der Kreisliga B, Gruppe 1 würde der SV Ober-Mörlen im Jubiläumsjahr gerne den Aufstieg feiern. Zehn Punkte (zwei Spiele weniger) trennen den SVO auf Platz drei von der Reserve aus Steinfurth, nur drei Punkte (bei drei Spielen weniger) vom Zweitplatzierten, dem Türkischen SV Bad Nauheim II. "Natürlich ist es schwer, ein faires Modell zu finden, und man wird es nicht allen recht machen können. Den aktuellen Tabellenstand zu werten - das wäre aber sicher nicht gerecht. Eine Wertung würde bei uns gewiss nicht auf breites Verständnis stoßen. Dann lieber annullieren und die kommende Saison in gleicher Konstellation von vorne beginnen", sagt Kai Fischbach, Spielausschussmitglied beim SVOM. "Fußball ist eine schöne Sache. Wenn man aber sieht, worum es derzeit geht, dann kommt die Frage nach einer Auf- oder Abstiegsregelung ganz weit hinten."

Kreisliga B, Gruppe 2:In der Kreisliga B, Gruppe 2 trennen den FSV Kloppenheim nur zwei Punkte von Spitzenreiter SSV Heilsberg, wobei der Verfolger gleich drei Spiele weniger ausgetragen hat. Matthias Weber, der FSV-Vorsitzende, befürchtet "Knatsch, ganz egal, wie es am Ende gemacht wird". Die mögliche Wertung der aktuellen Tabelle bezeichnet er als "ein Unding." Als fair sehe er es an, den bisherigen Punkteschnitt auf die Gesamtzahl Spieltage hochzurechnen oder die Saison zu annullieren. "Das wäre natürlich auch bitter; gerade wenn man sieht, was wir uns in den letzten drei, vier Jahren aufgebaut haben. Die Jungs hätten’s verdient, um ihre Chance zu spielen. Wir sind in dieser Saison weitgehend von Verletzungen verschont geblieben. Wer weiß denn, ob das bei einem erneuten Anlauf auch so ist", sagt Weber. "Menschlich ist natürlich jeder genervt. Die Geselligkeit fehlt. Keiner weiß noch, wo vorne und hinten ist. Aber ich bin mir sicher, wenn der Verband eine echte Lösung hätte, wäre die schon längst bekannt geworden."

Kreisliga C, Gruppe 1:Der SV Echzell eilt in der Kreisliga C, Gruppe 1 vorneweg. 16 ihrer 17 Partien hat die Mannschaft von Trainer Lars Osadnik gewonnen. In der fünften Saison nach dem Abstieg aus der B-Liga zeichnet sich der Titel ab. "Eine für alle faire Lösung wird es nicht geben", sagt der Coach, der zugleich Mitglied im Kreisfußballausschuss ist. Eine Annullierung der Saison bezeichnet er als "worst case". Eine Verlängerung der Saison halte er für die beste Lösung. "Und wenn es sein muss, dann bis in das kommende Jahr hinein." Alternativ sieht Osadnik die Wertung der Hinrunde oder "der ersten 16 Spiele" als mögliche Option. Das sei "fairer, als den aktuellen Stand mit unterschiedlicher Zahl an Spielen zur Wertung heranzuziehen." Aber, sagt der SVE-Coach, "das emotionale Erlebnis, einen Aufstieg auf dem Platz und nicht auf der Couch feiern zu können, gehört eben auch dazu."

Kreisliga C, Gruppe 2: Der 1. FC Rendel II führt das Klassement an; punkt- und spielgleich mit der SKG Albanischer Verein Friedberg. "Für uns zählt es, gesund durch die Krise zu kommen", sagt Altin Hamiti, der Vorsitzende des noch jungen Gesamtvereins. "Wir haben schon jetzt 48 Aktive, wollen für die kommende Saison eine zweite Mannschaft melden, die natürlich nicht in der gleichen Klasse spielen soll. Wir hatten den Aufstieg zum Ziel und sind entsprechend aufgestellt", sagt er, weiß aber auch: "Wünsche bleiben in einer solchen Situation außen vor. Wir werden eine Entscheidung, wie der Verband sie auch fällt, akzeptieren." Als fairste Alternativlösung anstelle eine Annullierung betrachtet man in der Kreisstadt - die SKG bestreitet ihre Heimspiele in Ossenheim - eine Wertung der Spiele nach der Hinrunde ("Da hat jeder die gleiche Zahl an Spielen."). Eine Verlängerung der Saison, gegebenenfalls bis ins Jahr 2021, hält man für möglich. "Wenn der Verband die entsprechenden Bedingungen schafft", sagt Hamiti etwa mit Blick auf mögliche Wechsel.

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