1. Wetterauer Zeitung
  2. Sport
  3. Lokalsport

»Gefühl, Außergewöhnliches zu tun, gibt Kraft«

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

In acht Tagen knapp 300 Kilometer zu Fuß zurückzulegen, ist schon eine Herausforderung an sich.

In acht Tagen knapp 300 Kilometer zu Fuß zurückzulegen, ist schon eine Herausforderung an sich. Kommen dann bei dieser Distanz noch fast 15 000 zu bewältigende Höhenmeter hinzu, kann man getrost von einer Veranstaltung für »Laufverrückte« sprechen. Beim Transalpine-Run haben fast 500 Läufer die Durchquerung der Alpen vom bayerischen Ruhpolding bis ins italienische Sexten in Angriff genommen. Angekommen sind nach den acht Etappen noch 334 Läufer und Läuferinnen, darunter vollzählig ein Quintett aus der Wetterau.

Die Rosbacher Manuela Weisbarth, Klaus Kilian und Wolfgang Lingenau, der Karbener Thomas Simon sowie der Ortenberger Matthias Laufer haben ihr Ziel, nämlich die Ziellinie, erreicht. Aus Sicherheitsgründen musste in Zweier-Teams gestartet werden. Kilian und Lingenau bildeten dabei ebenso ein Duo wie Laufer und Simon, während Weisbarth mit dem Mannheimer Christopher King Jameson lief.

Mit der Erfahrung von einer dreistelligen Anzahl an Marathons (Kilian alleine 75) und mehreren 100-Kilometer-Läufen gingen Lingenau und Kilian als drittältestes Team des Wettbewerbs ins Rennen. Nach dem Rosbacher Berglauf im Dezember des vergangenen Jahres, einer vereinsinternen Veranstaltung, hatten sich die beiden Routiniers die Hand darauf gegeben, beim Transalpine-Run teilzunehmen. »Zu diesem Zeitpunkt war ich so gut wie gar nicht im Training«, erzählt Lingenau. Langsam haben der 58-Jährige und sein acht Jahre jüngere Partner das Pensum auf vier bis fünf Einheiten in der Woche gesteigert. »Aber keine hochalpinen Passagen bergabwärts, um die Gelenke zu schonen.« Einmal in der Woche seien sie von der Hohemark in Oberursel aus über den Altkönig und den Feldberg gelaufen, rund 2,5 bis 3,5 Stunden. Dazu sei noch ein langer Lauf sonntags durch den Taunus von Rodheim aus gekommen. »Den haben wir aber meistens nicht zusammen gemacht, weil Klaus eher der Langschläfer ist und ich der Frühaufsteher bin«, berichtet Lingenau mit einem Lächeln.

Auch in Sachen Wettkampfhärte wählten sie unterschiedliche Wege. Lingenau lief im Sommer den Main-Lauf-Cup mit Strecken im Frankfurter Raum um die zehn Kilometer. Kilian hielt sich mit den »kurzen« Wettbewerben zurück und setzte nur, gemeinsam mit Lingenau, auf die langen Läufe wie Weiltal-Marathon und »Rund um den Winterstein« (30 Kilometer). Trotz der unterschiedlichen Wettkampfphilosophien musste beim Transalpine-Run dann alles passen. »Du musst menschlich und vom Leistungsvermögen her absolut auf einer Wellenlänge sein«, sagt Lingenau, der Kilian schon seit über zehn Jahren durch den Rodheimer Lauftreff kennt. Auf der Strecke war das Duo dann eine echte Einheit. »Wir haben uns gegenseitig angehalten, langsam zu laufen.« Auf der ersten Etappe habe dies noch nicht geklappt. »Wir waren immer noch zu schnell, obwohl wir uns gebremst haben.« Die Hitze war ein zusätzliches Erschwernis, insbesondere auf dem zweiten Teilstück - fast 50 Kilometer von St. Ulrich am Pillersee bis Mittersill auf österreichischem Boden mit über 2500 Höhenmetern. »Wir wurden gebraten«, beschreibt Kilian die Einwirkung der Sonne. Und dies fast neun Stunden lang. Auf teilweise hochalpinen Trampelpfaden, nicht breiter als zwei Füße.

Dennoch spürten die LG Rosbach-Rodheimer, die als »Team Powerbar« starteten, keine körperliche Müdigkeit. »Klar, die Muskeln waren müde. Aber man fühlte sich nicht platt. Das Gefühl, dass du etwas Außergewöhnliches tust, gibt Kraft«, ergänzt Kilian. Nach der dritten Etappe hätten sie gewusst, wieviel sie auf der Laufstrecke investieren können, damit sie auch am nächsten Morgen die Strapazen über Stock und Stein in Angriff nehmen können.

In der Regenerationszeit gewöhnten sich Lingenau und Kilian verschiedene Rituale an, um die Muskeln in Schuss zu halten. »Zunächst die Füße im Brunnen kühlen, das ist wie ein Entmüdungsbad. Dann viel essen und trinken, viel schlafen beziehungsweise auf unserem Zimmer ausruhen. Und abends auch mal die Läuferparty auslassen«, erklärt das Duo. Die Pasta-Party, Siegerehrung der Tagesetappen, die Bilder des Tages, ein Kurzvideo sowie eine Vorstellung des Etappenortes mit verschiedenen Aufführungen standen am Nachmittag und Abend noch an, ehe meistens früh das Bett aufgesucht wurde. Denn um fünf Uhr war die Nacht an einigen Tagen schon zu Ende. »Zwei Stunden vor dem Start sind wir in der Regel aufgestanden.« Dort sorgte dann ACDC-Musik für die nötige Stimmung, die Läufer klatschten bei »Highway to Hell« in den Startschuss hinein.

Über die Etappenorte Neukirchen am Großvenediger, Prettau, Sand in Taufers, Antholz-Mittertal und Niederdorf im Pustertal ging es für die Teilnehmer dann Richtung Ziel in Sexten. »Am Berg und in der Ebene waren wir in unserem Leistungsbereich gut dabei, nur bergab sind wir oft überholt worden.« Als »Flachlandtiroler« würde man sich den Berg nicht so hinabstürzen wie manch Einheimischer, ergänzt Lingenau. Zudem hatte Kilian, der den Transalpine-Run mit einer Tour de France vergleicht, auf dem letzten Teilstück mit Knieproblemen zu kämpfen.

Dennoch erreichten sie überglücklich das Ziel und lagen sich in Sexten in den Armen. »Es war ein großes sportliches Erlebnis, das für immer im Kopf eingebrannt bleiben wird. Nach vier Tagen hatten wir die Erkenntnis, dass wir es packen. Und je näher du dem Ziel kommst, desto euphorischer wirst du und kriechst zur Not über den Zielstreifen«, konstatiert Kilian, der von einer »wunderschönen Landschaft« spricht. Besonderen Dank verteilte das Team an ihre Teambetreuer. Diese kümmerten sich um die Unterkunft, um das Gepäck und warteten jeden Morgen mit einem motivierenden Spruch in schriftlicher Form auf.

Auch Thomas Simon und Mathias Laufer freuten sich riesig, den Etappenlauf beendet zu haben. Erst zwei Wochen vor dem Start in Ruhpolding hatten sich die beiden »Lauftreffler« von der TG Groß-Karben endgültig zur Teilnahme entschieden. »Es hat nur für einen Lauf auf den Altkönig im Vorfeld gereicht«, erklärt Simon, der allerdings durch sein Ironman-Training - er finishte in Frankfurt und Roth - Grundlage geschaffen hatte. Den Transalpine-Run bezeichnet er als »harte Angelenheit, die zu einem großen Teil Kopfsache ist«. Als Team mit dem berglauf-erfahrenen Laufer (Finisher beim 78-Kilometer-Lauf in Davos und beim Graubünden-Marathon mit über 2500 Höhenmetern) habe es prächtig funktioniert, da man sich auf einem Laufniveau befinde. Lohn der Mühe war das Ankommen - rund ein Drittel Ausfallquote (76 von 243 Teams) zeigt, dass dies keine Selbstverständlichkeit war.

»Jeden Meter genossen« hat die Rodheimer Läuferin und Triathletin Manuela Weisbarth. Da ihr Mann an Höhenangst leidet, suchte sie über den Veranstalter einen Laufpartner. Mit dem Mannheimer Christopher King James lief sie den Main-Lauf-Cup und »Rund um den Winterstein«. »Wir haben uns super verstanden und gemeinsam alles gemeistert.« Freilich lobte auch Weisbarth die Organisation und die Stimmung zwischen den Läufern. »Notfalls hat man eben mit Händen und Füßen geredet«, sagt sie über die Verständigung mit den Athleten aus 28 Nationen, darunter Südafrikaner, Neuseeländer und Koreaner. »Ich habe schon einige sportliche Herausforderungen wie Ironman und Jungfrau-Marathon gemeistert. Aber dies ist eine andere Liga, sowohl von der Belastung als auch von der Atmosphäre«, bilanzierte die 38-Jährige.

Auch wenn das »Finishen« an sich im Vordergrund für die Wetterauer Läufer stand, warfen sie im Ziel freilich einen Blick auf die Ergebnisliste: Masters - 29. Team Powerbar (Wolfgang Lingenau/Klaus Kilian) 44:33:32 Stunden, 51. Wetterauer Gipfelstürmer (Thomas Simon / Mathias Laufer) 55:04:09; Mixed - 35. Team Vertigo (Manuela Weisbarth/Christopher King Jameson) 52:23:59. Michael Wiener

In acht Tagen knapp 300 Kilometer zu Fuß zurückzulegen, ist schon eine Herausforderung an sich. Kommen dann bei einer Distanz von fast einem Marathon täglich noch rund 15 000 Höhenmeter ingesamt hinzu, kann man getrost von einer Veranstaltung für absolut »Laufverrückte« sprechen. Beim Transalpine-Run haben fast 500 Läufer die Durchquerung der Alpen vom bayerischen Ruhpolding bis ins italienische Sexten in Angriff genommen. Angekommen sind nach den acht Etappen noch 334 Läufer/-innen, darunter vollzählig ein Quintett aus der Wetterau.

Die Rosbacher Manuela Weisbarth, Klaus Kilian und Wolfgang Lingenau, der Karbener Thomas Simon sowie der Ortenberger Matthias Laufer haben ihr Ziel, nämlich die Ziellinie, erreicht.

Aus Sicherheitsgründen musste in Zweier-Teams gestartet werden. Kilian und Lingenau bildeten dabei ebenso ein Duo wie Laufer und Simon, während Weisbarth über den Veranstalter zu dem Mannheimer Christopher King Jameson fand.

Mit der Erfahrung von einer dreistelligen Anzahl an Marathons, dem 100-Kilometer-Lauf in Biel und dem 78-Kilometer-Berglauf in Davos gingen Lingenau und Kilian als drittältestes Team des Wettbewerbs ins Rennen. Nach dem Rosbacher Berglauf im Dezember des vergangenen Jahres hatten sich die beiden Rosbacher die Hand darauf gegeben, beim Transalpine-Run teilzunehmen. »Zu diesem Zeitpunkt war ich so gut wie gar nicht im Training«, erzählt Lingenau. Langsam haben der 58-Jährige und sein acht Jahre jüngere Partner das Pensum auf vier bis fünf Einheiten in der Woche gesteigert. »Aber keine hochalpinen Passagen, um die Gelenke zu schonen.« Einmal in der Woche seien sie von der Hohemark in Oberursel aus über den Altkönig und den Feldberg gelaufen, rund 2,5 bis 3,5 Stunden. Dazu sei noch ein langer Lauf sonntags durch den Taunus von Rodheim aus gekommen. »Den haben wir aber meistens nicht zusammen gemacht, weil Klaus eher der Langschläfer und ich der Frühaufsteher bin«, berichtet Lingenau mit einem Lächeln.

Auch in Sachen Wettkampfhärte wählten sie unterschiedliche Wege. Lingenau lief den Main-Lauf-Cup mit Strecken im Frankfurter Raum um die zehn Kilometer, Kilian hielt sich mit den »kurzen« Wettbewerben zurück und setzte nur auf die langen Läufe wie Weiltal-Marathon und »Rund um den Winterstein« (30 Kilometer). Trotz der unterschiedlichen Trainingsphilosophien musste beim Transalpine-Run dann alles passen. »Du musst menschlich und vom Leistungsvermögen her absolut auf einer Wellenlänge sein«, sagt Lingenau, der Kilian schon seit über zehn Jahren durch den Rodheimer Lauftreff kennt. Auf der Strecke war das Duo dann eine echte Einheit. »Wir haben uns gegenseitig angehalten, langsam zu laufen.« Auf der ersten Etappe habe dies noch nicht geklappt. »Wir waren immer noch zu schnell, obwohl wir uns gebremst haben.« Die Hitze war ein zusätzliches Erschwernis, insbesondere auf dem zweiten Teilstück. Fast 50 Kilometer von St. Ulrich am Pillersee bis Mittersill auf österreichischem Boden mit über 2500 Höhenmetern. »Wir wurden gebraten«, beschreibt Kilian die Einwirkung der Sonne. Und dies fast neun Stunden lang. Auf teilweise hochalpinen Trampelpfaden, nicht breiter als zwei Füße.

Dennoch spürten die LG Rosbach-Rodheimer, die als »Team Powerbar« starteten, keine körperliche Müdigkeit. »Klar, die Muskeln waren müde. Aber man fühlte sich nicht platt. Das Gefühl, dass du etwas Außergewöhnliches tust, gibt Kraft«, ergänzt Kilian. Nach der dritten Etappe hätten sie gewusst, wieviel sie auf der Laufstrecke investieren können, damit sie auch am nächsten Morgen die Strapazen über Stock und Stein in Angriff nehmen können.

In der Regenerationszeit gewöhnten sich Lingenau und Kilian verschiedene Rituale an, um die Muskeln in Schuss zu halten. »Zunächst die Füße im Brunnen kühlen, das ist wie ein Entmüdungsbad. Dann viel Essen und Trinken, viel Schlafen beziehungsweise auf unserem Zimmer ausruhen. Und abends auch mal die Läuferparty auslassen«, erklärt das Duo. Die Siegerehrung der Tagesetappen, die Bilder des Tages, ein Kurzvideo, die Pasta Party sowie eine Vorstellung des Etappenortes mit verschiedenen Aufführungen standen am Nachmittag und Abend noch an, ehe meistens früh das Bett aufgesucht wurde. Denn um fünf Uhr war die Nacht an einigen Tagen schon zu Ende. »Zwei Stunden vor dem Start sind wir in der Regel aufgestanden.« Dort sorgte dann ACDC-Musik für die nötige Stimmung, die Läufer klatschten bei »Highway to Hell« in den Startschuss hinein.

Über die Etappenorte Neukirchen am Großvenediger, Prettau, Sand in Taufers, Antholz-Mittertal und Niederdorf im Pustertal ging es für die Teilnehmer dann Richtung Ziel in Sexten. »Am Berg und in der Ebene waren wir in unserem Leistungsbereich gut dabei, nur bergab sind wir oft überholt worden.« Als »Flachlandtiroler« würde man sich den Berg nicht so hinabstürzen wie manch Einheimischer, ergänzt Lingenau. Zudem hatte Kilian, der von einem »Tour-de-France-Feeling« spricht, auf dem letzten Teilstück mit Knieprobleme zu kämpfen.

Dennoch erreichten sie überglücklich das Ziel und lagen sich in Sexten in den Armen. »Es war ein großes sportliches Erlebnis, das für immer im Kopf eingebrannt bleiben wird. Nach vier Tagen hatten wir die Erkenntnis, dass wir es packen. Und je näher du dem Ziel kommst, desto euphorischer wirst du und kriechst zur Not über den Zielstreifen«, konstatiert Kilian, der von einer »wunderschönen Landschaft« spricht. Besonderen Dank verteilte das Team nicht nur an die Organisatoren, sondern speziell an ihre Teambetreuer. Diese kümmerten sich um die Unterkunft, um das Gepäck und warteten jeden Morgen mit einem aufmunternden Spruch auf.

Auch Thomas Simon und Matthias Laufer freuten sich riesig, den Etappenlauf beendet zu haben. Erst zwei Wochen vor dem Start in Ruhpolding hatten sich die beiden »Lauftreffler« von der TG Groß-Karben endgültig zur Teilnahme entschieden. »Es hat nur für einen Lauf auf den Altkönig im Vorfeld gereicht«, erklärt Simon, der allerdings durch sein Ironman-Training - er finishte in Frankfurt und Roth - Grundlage geschaffen hatte. Den Transalpine-Run bezeichnet er als »harte Angelenheit, die zu einem großen Teil Kopfsache ist«. Als Team mit dem berglauferfahrenen Laufer (Finisher beim 78-Kilometer-Lauf in Davos und beim Graubünden-Marathon mit über 2500 Höhenmetern) habe es prächtig funktioniert, da man sich auf einem Laufniveau befinde. Lohn der Mühe war das Finishen - rund ein Drittel Ausfallquote (76 von 243 Teams) zeigt, dass dies keine Selbstverständlichkeit war.

»Jeden Meter genossen« hat die Rodheimer Läuferin und Triathletin Manuela Weisbarth. Da ihr Mann an Höhenangst leidet, suchte sie über den Veranstalter einen Laufpartner. Mit dem Mannheimer Christopher King James lief sie den Main-Lauf-Cup und »Rund um den Winterstein«. »Wir haben uns super verstanden und gemeinsam alles gemeistert.« Freilich lobte auch Weisbarth die Organisation und die Stimmung zwischen den Läufern. »Notfalls hat man eben mit Händen und Füßen geredet«, sagt sie über die Verständigung mit den Athleten aus 28 Nationen, darunter Südafrikaner, Neuseeländer und Koreaner. »Ich habe schon einige sportliche Herausforderungen wie Ironman und Jungfrau-Marathon gemeistert. Aber dies ist eine andere Liga, sowohl von der Belastung als auch von der Atmosphäre«, bilanzierte die 38-Jährige.

Auch wenn das »Finishen« an sich im Vordergrund für die Wetterauer Läufer stand, warfen sie im Ziel einen Blick auf die Ergebnisliste: Master - 29. Team Powerbar (Wolfgang Lingenau/Klaus Kilian) 44:33:32 Stunden, 51. Wetterauer Gipfelstürmer (Thomas Simon / Matthias Laufer) 55:04:09; Mixed - 35. Team Vertigo (Manuela Weisbarth/Christopher King Jameson) 52:23:59. Michael Wiener

Auch interessant

Kommentare