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Mit 16 Spielern könnten die Rodheimer Beachvolleyballer höchstens dann auf die Anlage, wenn die Landesregeln gelten. Und auch die sind vage formuliert. Greift allerdings die Bundesnotbremse, sind maximal acht Sportler erlaubt.

Corona-Notbremse

Gefangen im Regel-Wirrwarr: Wie die Beachvolleyballer der SG Rodheim mit der Corona-Lage umgehen

  • Christoph Sommerfeld
    vonChristoph Sommerfeld
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Die Regeln für den Amateursport werden immer komplizierter. Die Beachvolleyballer der SG Rodheim versuchen sich trotzdem, einen Weg durch den Dschungel der Corona-Notbremse zu bahnen.

Kontaktloser Individualsport, Vollendung des 14. Lebensjahres, »Anleitungspersonen« einer Fünfer-Gruppe - mit all diesen Begrifflichkeiten müssen sich die Volleyballer der SG Rodheim derzeit herumschlagen. Dabei würden sie viel lieber pritschen, baggern und blocken. Die Beach-Saison will einfach nicht an Fahrt aufnehmen. An Spielbetrieb ist unter den Auflagen der Bundesnotbremse gar nicht zu denken. Zum eingeschränkt möglichen Trainingsbetrieb sagt Peter Stößinger nur trocken: »Mit unserem Sport hat das wenig zu tun.«

Stößinger kümmert sich seit Jahren um den Rodheimer Seniorenbereich in der Halle und im Sommer vornehmlich um die beliebte Volleyball-Variante auf Sand. Erst 2017 entstand die schmucke Außenanlage am Sportzentrum im Rosbacher Stadtteil. Die stand im vergangenen Frühjahr während der ersten Corona-Welle gänzlich leer. So schlimm ist es zwar heuer nicht, dennoch findet Stößinger die aktuelle Situation »ziemlich unbefriedigend«. Man habe zwar für den August zwei Senioren-Turniere in Rodheim angemeldet, »aber nur pro forma«.

Derzeit sei lediglich ein Trainingsbetrieb mit zwei Personen pro Feld möglich. Davon machen die Erwachsenen und auch die älteren Jugendlichen der SGR Gebrauch. Die Bundesnotbremse gestattet für Personen ab 14 Jahren kontaktlosen Individualsport alleine, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands. Nachdem nun durch die Auslegungshinweise der Sportministerkonferenz geklärt werden konnte, dass der Begriff des Individualsports immer als kontaktfreie Betätigung zu verstehen ist und somit nicht die Sportart per se über die rechtliche Einordnung entscheidet, können die Rodheimer wenigstens auf Distanz üben.

Und so belegt die eine oder andere Zweier-Gruppe - trotz des bislang kalten Frühlings - in diesen Tagen immer mal wieder die Anlage am Sportzentrum. Grundsätzlich - so die Hinweise des Landessportbunds Hessen (lsb h) - ist nur eine Gruppe je eindeutig abgegrenztem Sportfeld zugelassen. »Auf den vier Feldern der Anlage können sich derzeit also maximal acht Personen aufhalten«, erklärt Anna Wacker, die die Abteilung Volleyball in Rodheim leitet. Ein Sportler pro Spielfeldhälfte. Aber was kann man da schon machen?

»Aufschlag und Annahme, Zuspiel- und Angriffstraining, das sind die spielnahen Sachen«, sagt Wacker. Außerdem seien Zielübungen möglich, wobei der Spieler versucht, den Ball in einen bestimmten Bereich der gegnerischen Hälfte zu platzieren. Überdies sämtliche Kraft- und Schnelligkeitsformen, die alleine möglich sind. Im tiefen Sand sehr wirksam, »allerdings auch recht unbeliebt«, verrät Wacker schmunzelnd.

Für die Jugendlichen unter 14 Jahren geht etwas mehr. Die dürfen zu fünft auf ein Feld, müssen allerdings untereinander Abstand halten. Übungsleiter dürfen die Kinder betreuen. »Unsere Trainer haben sich viele Gedanken gemacht, damit die Angebote unter den gebotenen Auflagen stattfinden können«, lobt Wacker. An zwei Tagen pro Woche ist die Anlage am Nachmittag und Abend für den Nachwuchs geblockt. »Das sind die Jugend-Trainingstage.«

Die Kids über 14 müssen sich derzeit noch an die restriktiveren Regeln halten, die auch für die Erwachsenen gelten. »Blocktraining geht da zum Beispiel nicht«, beschreibt Wacker die Hindernisse. Doch die Vorzeichen könnten sich bald ändern: Seit Dienstag liegt die Inzidenz im Wetteraukreis nun schon unter 100. Wenn sie fünf Tage lang diesen Richtwert unterschreitet, gelten wieder die von der hessischen Landesregierung erlassenen Regelungen der Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung.

Und die sieht für Jugendliche unter 15 - hier nicht unter 14 Jahren - die Sonderregel vor, die bereits im März galt: Kontaktsport ist unabhängig von der Teilnehmerzahl im Freien möglich.

Regelungen immer schwerer zu deuten

Für Personen ab 15 Jahren schreibt der lsb h in seinen FAQs (häufig gestellte Fragen): »Somit sind nunmehr auch Mannschaftssportarten in Kleingruppenformaten (etwa Tennis-Doppel oder Beachvolleyball) von Personen aus zwei Hausständen zulässig, ohne dass Abstand gehalten werden muss.« Einschränkend gilt allerdings: »Es ist jedoch darauf zu achten, dass einzelne Kleingruppen während der Sportausübung in einem Bereich trainieren, der mindestens drei Meter vom Bereich anderer Kleingruppen entfernt ist.«

Markus Pfahlert, Beachwart beim Hessischen Volleyball-Verband, interpretiert diese Hinweise so, dass er einem anfragenden Verein unter den entsprechenden Umständen und bei Gültigkeit der Landesregeln grünes Licht für einen Wettkampf erteilen würde. »Maximal zwei Haushalte stehen auf der einen Seite des Feldes, die müssen keinen Abstand untereinander halten. Der Kontakt zum anderen Team am Netz beim Schmettern bzw. Blocken beschränkt sich auf ein Minimum«, erklärt Pfahlert auf Nachfrage.

Ein bisschen anders sieht das Isabell Boger, Pressereferentin beim lsb h, die auf die drei Meter Abstand zwischen den einzelnen Kleingruppen hinweist. »Training dürfte so möglich sein, Wettkämpfe eher nicht. Aber das ist von der Politik derzeit wohl auch nicht gewollt«, meint sie.

Der Landessportbund versucht, die Regeln des Bundes- und Landesgesetzgebers aufzubereiten und für die Sportler einen verständlichen Zugang zu schaffen. Dass das nicht immer leicht ist, liegt auf der Hand. Boger: »Die Bundesnotbremse sieht vor, dass ich nur kontaktlos Sport treibe, allein, zu zweit oder mit Haushaltsangehörigen. Demnach dürfte ich beim Sport noch nicht mal mit dem eigenen Partner Kontakt haben. Aber so ein bisschen gesunder Menschenverstand gehört ja auch dazu.«

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