Egal ob auf dem Sportplatz, für die Kirchengemeinde oder in der Stadt Bad Nauheim: Karin Scheunemann ist auch mit 75 Jahren in vielerlei Hinsicht ehrenamtlich aktiv. FOTO: NICI MERZ
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Egal ob auf dem Sportplatz, für die Kirchengemeinde oder in der Stadt Bad Nauheim: Karin Scheunemann ist auch mit 75 Jahren in vielerlei Hinsicht ehrenamtlich aktiv. FOTO: NICI MERZ

Geburtstag einer "Grande Dame"

  • Michael Wiener
    vonMichael Wiener
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(mw). Als Karin Scheunemann gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang 2016 der Sportehrenpreis des Wetteraukreises verliehen wurde, sagte das Bad Nauheimer Ehepaar in seiner Dankesrede: "Solange wir junge Leute noch motivieren können, machen wir weiter."

Weiter mit unermüdlichem Engagement in vielen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere in der Leichtathletik. Karin Scheunemann hat bis heute Wort gehalten, steht nach der Corona-Zwangspause wieder mit ihrer Kindergruppe des LSC Bad Nauheim im Waldstadion auf dem Platz und lässt sich auch durch vermehrte Bürokratie (Kinder müssen sich voranmelden, Eltern müssen unterschreiben usw.) nicht entmutigen. Am heutigen Samstag feiert die "Grand Dame" der Wetterauer Leichtathletik ihren 75. Geburtstag.

Sorge um alle

"Doppelherz fürs Ehrenamt" titelte die Wetterauer Zeitung im Dezember 2016 nach der Verleihung des Sportehrenpreises an das Ehepaar Scheunemann, das seinerzeit kumuliert schon rund 100 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit aufweisen konnte. Die Liste der Funktionen und des bürgerschaftlichen Engagements bei Karin Scheunemann ist ellenlang; dabei wirkt(e) sie nicht nur im sportlichen Bereich.

Bei der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Agenda Innenstadt und der Fair-trade-Initiative arbeitet(e) sie in ihrer Heimatstadt mit, für die evangelische Kirchengemeinde übernimmt sie Geburtstagsbesuche. Nicht nur das zeigt, dass die 75-Jährige gerne an Mitmenschen denkt, für diese da ist und (soziale) Verantwortung übernimmt. Wenn sie ihrer Leidenschaft beim Backen und Kochen nachgeht, werden Nachbarn, Familie und Freunde berücksichtigt. Wenn sich Vögel und Igel im heimischen Garten einnisten, werden diese ver- und umsorgt. Paten- und Enkelkinder kommen bei der pensionierten Lehrerin des Ernst-Ludwig-Gymnasiums sicherlich nicht zu kurz, trotz aller geografischen Entfernungen. Ihr Motto: "Keine halben Sachen machen."

Immer dabei ist ihr zwei Jahre älterer Mann Wolfgang. Die goldene Hochzeit liegt bereits hinter dem sportverrückten Ehepaar, das auch gesundheitliche Rückschläge immer wieder bravourös gemeistert hat und für die das Ehrenamt "der Kitt der Gesellschaft" ist.

Der Ursprung und die Motivation des Handelns und Denkens von Karin Scheunemann sind in der Familie zu finden. Ihr Vater war ein begeisterter Leichtathlet und Fußballer, gründete mit 18 Jahren in seinem Heimatdorf nahe Weilburg 1934 die Fußballabteilung des örtlichen Turnvereins und fungierte als Spieler, Trainer und Beschaffer von Ausrüstung. Er lebte seiner Tochter früh die Begeisterung für den Sport und das Ehrenamt vor. Scheunemann sagt heute über ihn: "Er war für uns ein Vorbild auch in der Menschenführung, indem er einfach vorlebte und uns so die Freude am Sport mitgab."

Nimmermüde

Sie nahm es an und setzt sich seit über 50 Jahren in Bad Nauheim, aber auch über die Stadtgrenzen hinaus ein. Besonders in der Leichtathletik ist sie zu Hause, hat beim LSC Bad Nauheim und im Kreis zahlreiche Vorstandsämter bekleidet, ist Kampfrichterin, Trainerin und amtierende Vorsitzende des Leichtathletik-Kreises. Ihr Engagement für Frauen und Mädchen hat der Landessportbund Hessen vor vier Jahren mit der Verleihung des Lu-Röder-Preises an die Mutter zweier Söhne gewürdigt. "Wir sind alle ein bisschen verrückt, aber wir machen es gerne", sagt Karin Scheunemann.

Auch mit 75 Jahren ist sie nimmermüde, leitete zuletzt ihre erste Vorstandssitzung über eine Videokonferenz, vermittelt seit wenigen Tagen - den Corona-Lockerungen sei Dank - wieder Spaß an der Bewegung auf dem Platz und hofft auf eine späte, verkürzte Leichtathletik-Saison. Am heutigen Samstag genießt sie ihren Ehrentag im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten.

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