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Im Galopp durch den Winter

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Traum- oder Wunschvorstellung? Solche Bedingungen werden die heimischen Reiter zwar nur selten vorfinden und Reiten mit Skisport kombinieren können, allerdings geht es Ross und Reiter auch bei uns temperaturmäßig »an den Kragen«.	(Foto: dpa)
Traum- oder Wunschvorstellung? Solche Bedingungen werden die heimischen Reiter zwar nur selten vorfinden und Reiten mit Skisport kombinieren können, allerdings geht es Ross und Reiter auch bei uns temperaturmäßig »an den Kragen«. (Foto: dpa) © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

Wie kommen Mensch und Pferd bei regelmäßigem Training im Freien durch den Winter? Mit diesen Tipps kommen Ross und Reiter auch bei Minusgraden gut über die Runden.

Von Petra Pickenhahn

Pferde lassen sich nicht wie Golfschläger über den Winter einmotten. Sie brauchen ganzjährig die Zuwendung ihres Reiters und müssen als Lauftiere auch bei eisigen Temperaturen im Winter bewegt und trainiert werden, will man im Sommer bei Spring- oder Dressurturnieren glänzen. Wir haben uns in der heimischen Reiterwelt umgehört, wie man die kalte Jahreszeit im Sattel übersteht und auch noch Freude an seinem Sport hat.

Eingedeckt: Wie den meisten Säugetieren wächst Pferden rasseabhängig ein mehr oder weniger dichtes Winterfell, sodass sie gegen Schnee und Kälte gut gewappnet sind. Geraten die Vierbeiner beim Training jedoch ins Schwitzen, dauert es sehr lange, bis das Fell wieder trocken ist. Die Tiere kühlen dabei stark aus, was das Immunsystem beansprucht, das im Winter ohnehin gefordert ist. Daher werden die allermeisten Sportpferde vorsorglich geschoren und benötigen dann eine schützende Decke.

Hufe: Bei beschlagenen Pferden kann sich der Schnee in den Hufeisen zu dicken Klumpen festsetzen. Dabei besteht erhöhte Rutsch- und Stolpergefahr. Gehen die Vierbeiner auch im Winter regelmäßig auf die Koppel oder wird bei geschlossener Schneedecke ausgeritten, hilft hier der sogenannte Grip, eine zusätzliche Sohle zwischen Huf und Eisen, die das Aufstollen verhindert. Manche Reiter verzichten im Winter auch ganz auf den Beschlag. Bei Sportpferden bleiben die Hufeisen jedoch gewöhnlich drauf.  

Schritt ist wichtig für die Aktivierung der Gelenkschmiere

Alexander Kisselbach

Aufwärmen: Gründliches Aufwärmen ist zur Gesunderhaltung der Pferde, zur Schonung der Gelenke und Sehnen unabdinglich. »Mindestens 15 bis 20 Minuten Schritt reiten und lange traben und galoppieren«, rät Springreiter Alexander Kisselbach aus Bad Vilbel. »Schritt ist wichtig für die Aktivierung der Gelenkschmiere, langes Traben und Galoppieren allgemein für die ›Betriebstemperatur‹, damit die Muskulatur genügend durchblutet ist.«

Und der Reiter? Unaufgewärmt sollte auch der Mensch nicht in den Sattel steigen. »Der Reiter wärmt sich eigentlich schon im Stall auf, während er das Pferd putzt, die Pferdebox schon mal frisch macht und das Sattelzeug aus dem Keller holt«, erklärt Reitstallchefin Monika Bellof, dass Stallarbeit nicht nur der Hygiene dient.

Training: »Das Training unterscheidet sich eigentlich nicht besonders von dem im Sommer, außer, dass wir mehr frieren, am Jammern sind und ganz oft nass werden bis auf die Haut«, sagt Bettina Bopp, Dressurreiterin vom Reit- und Fahrverein Horlofftahl-Hungen, mit einem Augenzwinkern. Durch den witterungsabhängig eher eingeschränkten Koppelgang und weniger freie Bewegung der tierischen Sportpartner droht allerdings der berüchtigte »Hallenkoller«, wenn Pferd und Reiter sich vermehrt nur noch zwischen Stall und Reithalle bewegen. »Nicht nur bei uns Menschen ist die dunkle Jahreszeit für die Seele und die Stimmung etwas belastender, auch bei Pferden ist das zu spüren, da eintönige Arbeit für ›wildes‹, aber auch, ›lethargisches‹ Verhalten verantwortlich sein könnte«, vermutet Kisselbach.

Abwechslung und Fantasie: Dressurmäßiges Reiten, Longieren, vielleicht auch mal ein paar Cavaletti im Trab oder Galopp. »Mit Springgymnastik fangen wir bei den ›alten Hasen‹ erst wieder Ende Januar oder Februar an. Jetzt wird mehr mit dem Nachwuchspferden gearbeitet beim Freispringen, Anreiten, Longieren und die ersten Sprünge machen«, sagt und Züchterin Bellof.

Kondition: Ausreiten im Schnee macht Spaß und sorgt für Ausgeglichenheit bei Ross und Reiter. Allerdings ist auch hier besondere Vorsicht geboten, da unter der weißen Pracht Eisflächen verborgen sein können. Generell ist bei hart gefrorenem Boden draußen nur Bewegung in gemächlicher Gangart oder ein Ausweichen auf die Reithalle möglich. »Ich versuche, meine Pferde auf einem guten Konditions-Level zu halten«, erklärt Kisselbach »ein sportliches Runterfahren im Winter birgt auch immer wieder Risiken, was Verletzungen und Stoffwechselprobleme betrifft.«

Kleidung: Das »Zwiebelprinzip« hat sich auch im Reitsport bewährt. Bei extremer Kälte setzen die heimischen Sportler auf lange Unterwäsche und hochwertige Funktionskleidung. Eine Reitweste über einem Vliespullover ist bei den meisten obligatorisch. Gegen kalte Ohren hilft ein Stirnband unter dem Helm. Warme und trockene Füße sind beim mehrstündigen Aufenthalt im Freien besonders wichtig. »Da habe ich für jede Art von Arbeit meine Schuhe«, sagt Dressurreiterin Bopp: »Für die Stall- und Außenarbeiten (Paddock, Weide), wo oft alles nass und matschig ist, Funktionsschuhe, die die Füße bis minus 20 Grad warm und trocken halten.« Zum Reiten verwenden viele Reiter spezielle Winterreitstiefel und gefütterte Handschuhe.#

Fazit: Der Winter verlangt Ross und Reiter schon einiges an »Extras« ab. Aber Bettina Bopp spricht wohl allen Reitsportlern aus der Seele, wenn sie sagt: »Das alles machen wir sehr gerne, weil es für uns nichts Schöneres gibt als zufriedene und gesunde Pferde.«

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