Jakob Drescher in der Fußball-Bundesliga: Unser Bild aus dem Jahr 1965 zeigt den Groß-Karbener aus den Reihen des FC Bayern München (am Ball) im Spiel gegen den FC Schalke 04.
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Jakob Drescher in der Fußball-Bundesliga: Unser Bild aus dem Jahr 1965 zeigt den Groß-Karbener aus den Reihen des FC Bayern München (am Ball) im Spiel gegen den FC Schalke 04.

Unvergesslische Sportmomente

Als ein Fußballer aus Groß-Karben mit dem FC Bayern in die Bundesliga aufstieg

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Der Groß-Karbener Jakob Drescher hat mit dem FC Bayern München 1965 den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert - mit Maier, Beckenbauer und Müller als Teamkollegen. Ein Blick zurück.

Berlin, Olympiastadion, 26. Juni 1965, also vor fast 55 Jahren. Mit 8:0 gewinnt der FC Bayern München vor 15.000 Zuschauern im Mommsenstadion das abschließende Spiel der Aufstiegsrunde bei Tennis Borussia Berlin, feiert den Einzug in die zwei Jahre zuvor gegründete Fußball-Bundesliga. Jakob Drescher spricht rückblickend vom "größten Spiel" seiner Laufbahn. Sechs Jahre lang hat der Groß-Karbener für den heutigen Rekordmeister gespielt. In der Bundesliga-Spielzeit 1965/66 war der heute 82-Jährige als rechter Läufer unter Trainer Zlatko Cajkovski als Stammspieler gesetzt - neben Legenden wie Sepp Maier, Gerd Müller und Franz Beckenbauer ("Wahnsinn, was der als Nachwuchsspieler schon am Ball konnte"). Insgesamt absolvierte Drescher 101 Spiele (29 Partien in der Bundesliga) für den FC Bayern, erzielte 16 Tore. "Nicht viele, aber wichtige", sagt er heute augenzwinkernd.

Noch heute ist Jakob Drescher gerne bei seinen Bayern

Noch heute lebt Jakob Drescher mit seiner Ehefrau Inge (Hochzeit im April 1961) in der bayerischen Landeshauptstadt. "Sie hat mich immer unterstützt und die Familie zusammengehalten", betont der dreimalige Vater und zweifache Großvater.

Dem Fußball ist Drescher noch immer eng verbunden. In der Allianz-Arena hat er eine Dauerkarte, beim Training der Profis schaut er ebenfalls gerne mal vorbei, plaudert mit Hermann Gerland, dem Assistenztrainer der Profi-Mannschaft, den er seit dessen Zeit bei den Amateuren sehr zu schätzen weiß. Nur als TV-Zuschauer packe ihn schon mal die Ungeduld, sagt er: "Immer dann, wenn der FC Bayern mal in Rückstand gerät".

Jakob Drescher lebt heute in München.

Jakob Drescher und dessen einstige Aufstiegshelden hat man im millionenschweren Münchner Wirtschaftsbetrieb an der Säbener Straße auch nach einem halben Jahrhundert nicht vergessen, immer wieder erfolgen Einladungen und noch regelmäßig erhalten die Idole von einst Autogrammanfragen. Untereinander haben die Freundschaften über all die Jahre gehalten. Mit Peter Kupferschmidt und Rainer Ohlhäuser und der Familie Cjakovski beispielsweise hält Drescher engen Kontakt; ebenso wie zu Verwandten, Freunden und früheren Mitspielern in der Wetterau.

Für 120 D-Mark Grundgehalt auf den Weg in die Bundesliga

Mit acht Geschwistern ist Jakob Drescher in Groß-Karben aufgewachsen. Als 21-Jähriger wechselte er zum damaligen Oberligisten Bad Kreuznach (24 Tore in 76 Spielen), drei Jahre später holte ihn Helmut Schneider zum FC Bayern. 120 D-Mark gab’s als Grundgehalt, dazu Prämien und eine Anstellung als Schlosser. "Ich wusste als junger Kerl gar nicht, dass ich das Niveau hatte, um dort mitspielen zu können", sagt er heute.

Die Bayern belegten zweimal Platz drei in der Oberliga Süd, mussten bei der Bundesliga-Gründung dem Stadtrivalen TSV 1860 als Meister den Vortritt lassen. Petar Radenkovic, Hans Reich, Manfred Wagner und wie die "Sechziger" alle hießen, betrachtete Drescher als "Freunde", nicht als Gegner. "Auf dem Feld wollte jeder gewinnen. Aber die Rivalität war damals noch eine andere als in den späteren Jahren." Zumal sich der FC Bayern und der TSV 1860 in jener Zeit das Stadion an der Grünwalder Straße teilen.

Ab 1963 galt der FC Bayern als Favorit auf den Bundesliga-Aufstieg. "Dass es im ersten Anlauf nicht geklappt hat, haben wir uns selbst zuzuschreiben. Wir waren uns zu sicher und haben’s dann aus den Händen gegeben", erinnert sich Drescher.

Abruptes Ende einer Fußballer-Laufbahn - und des KSG-Jubiläumsjahres

Der FC Bayern im September 1965 (v.l.) Werner Olk, Torwart Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Rudolf Nafziger, Gerd Müller, Rainer Ohlhäuser, Karl Borutta, Dieter Brenninger, Jakob Drescher, Dieter Koulmann.

Ein Jahr später wurde dann in Berlin der historische Triumph gefeiert; der Grundstein all jener Erfolge, die den Klub zu dem gemacht haben, was er heute ist. "Die Fans haben das Feld gestürmt, wir sind schnell in die Kabine. Wir durften ja den Flieger nicht verpassen", lacht der frühere Mittelfeldspieler. In München warteten die Anhänger bereits auf dem Flughafen-Rollfeld, trugen ihre Aufstiegshelden auf den Schultern. "Ich weiß gar nicht, wie die alle dort hingekommen sind." Am 14. August 1965 debütierte Drescher in der Bundesliga, gegen Eintracht Braunschweig erzielte er zwei Wochen später sein erstes Tor. Drescher war inzwischen Vollprofi. Der FC Bayern beendete die Saison auf Rang drei, gewann zudem den DFB-Pokal.

Die "Drescher-Buben"

Als "Drescher-Buben" hatten sich die Brüder Michael, Hans, Jakob, Samuel, Alfred und Erwin schnell über die Region hinaus einen Namen gemacht. Gleich drei Generationen der Familie haben in der Fußball-Bundesliga gespielt. Thomas Drescher, Sohn von Erwin, bestritt 18 Spiele für den 1. FC Kaiserslautern und kam zudem in 64 Zweitliga-Partien für Wacker Burghausen zum Einsatz. Julian Dudda ist der Enkel von Alfred Drescher. Er wurde deutscher U 17-Meister, U-Nationalspieler und kommt auf einen Bundesliga-Einsatz für Eintracht Frankfurt.

Die darauffolgende Saison 66/67 war für den Wetterauer dann aber schon nach dem ersten Spieltag beendet. Eine Meniskusverletzung zwang zur Pause. Am Saisonende gewann München den Europapokal der Pokalsieger - ohne Drescher. "Das ist eben nicht zu ändern", sagt er heute. In Pirmasens, wo verletzungsbedingt das Comeback nicht mehr gelang, endete bereits im Herbst 1967 seine fußballerische Laufbahn. Drescher zog zurück nach München, arbeitete bei einem Goldschmied und später für den Freistaat Bayern. Zu Jahresbeginn wollte Drescher eigentlich die Einladung der KSG 1920 Groß-Karben zu deren 100-Jährigen annehmen. Doch musste der Festabend aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden.

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