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Fußball

Saisonstart auf der Kippe? So ist die Lage nach den Verboten im Main-Kinzig-Kreis

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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  • Erik Scharf
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  • Frank Schneider
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Seit knapp vier Wochen sind die Fußballer ohne Einschränkungen auf dem Platz aktiv. Doch in der Nachbarschaft ist es vorläufig schon wieder vorbei. Der Spielbetrieb steht auf der Kippe. Dabei ist die Saison noch nicht mal richtig losgegangen.

Am Dienstagvormittag trudelte eine E-Mail ins Postfach der Sportredaktionen, die zwischen den Zeilen mit einem dicken Fragezeichen versehen war. Der Hessische Fußball-Verband sah sich genötigt, eine Stellungnahme zu den steigenden Infektionen mit Covid-19 herauszubringen.

"Wir beobachten das Geschehen genau, die steigenden Infektionszahlen bereiten uns dabei große Sorgen. Selbstverständlich setzen wir alle behördlichen Vorgaben penibel um, um eine weitere Ausbreitung des Virus möglichst zu verhindern. Dabei müssen wir das Geschehen individuell pro Kreis betrachten und stehen diesbezüglich mit den jeweiligen Gesundheitsämtern in Kontakt", erklärte HFV-Präsident Stefan Reuß in der Mitteilung.

Das größte Problem stellt derzeit der Main-Kinzig-Kreis dar. Alle Teams aus Hanau, Maintal, Bruchköbel, Erlensee, Nidderau und Neuberg dürfen für die kommenden vier Wochen nicht an Wettkämpfen teilnehmen und nur kontaktfrei mit maximal zehn Personen trainieren. Dass teilte die Kreisverwaltung am Dienstag mit, da in diesen Städten in den sieben Tagen zuvor sich mehr als 20 Leute pro 100 000 Einwohner mit dem Coronavirus infiziert haben.

Aus sportlicher Sicht gleich doppelt davon betroffen ist der Wetterauer Hessenligist Türk Gücü Friedberg, der am ersten Spieltag (5. September) zum 1. Hanauer FC gemusst hätte und am fünften Spieltag (23. September) den 1. FC Erlensee zu Gast gehabt hätte. Da das Spiel bislang noch nicht offiziell abgesetzt ist, will Türk-Gücü-Trainer Carsten Weber "erstmal abwarten", dennoch geht er davon aus, dass die Partien nicht ausgetragen werden. "Es ist für uns nicht einfach, aber auch kein riesiges Drama", sagt der Oberurseler.

Angespannter ist die Stimmungslage in Hanau: "Wir sollen wir denn nach fünf Wochen ohne Spiel und ohne Zweikampftraining plötzlich von null auf hundert kommen?", sagt Michael Fink, Spielertrainer des FCH. Nach derzeitigem Stand können in der Hessenliga von 20 Teams immerhin 18 normal trainieren und auch spielen, weswegen ein Festhalten am aktuellen Spielplan - bei Absetzung der Partien des HFC und Erlensee - laut Verbandsfußballwart Jürgen Radeck keine unwahrscheinliche Variante ist. Die bis zu fünf Partien pro Verein müssten dann zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Allerdings ist der Spielplan dicht gedrängt und lässt bei vielen englischen Wochen und einer nur kurzen Winterpause nur wenig Spielraum. "Wir warten auf die Nachricht vom Klassenleiter, wie es weitergehen soll. Wenn einzelne Mannschaften wegen Coronafällen in Quarantäne müssen, fallen ja die Spiele auch wieder aus", nennt Erlensees Coach Tobias Heilmann einen weiteren Aspekt. Seine Mannschaft war jüngst betroffen, da sich ein Spieler mit dem Covid-19-Virus infizierte, der mit der ersten Mannschaft und der U19 in Kontakt stand. Positiv für den FCE: Die angeordneten Tests ergaben bei allen Spielern ein negatives Ergebnis.

Dass für Türk Gücü gleich zwei Spiele den neuen Einschränkungen zum Opfer fallen war "ein Stück weit zu erwarten gewesen, aber beim Blick auf die Infektionszahlen ist es auch nachvollziehbar", sagte Weber. "Das ist jetzt einfach so." Der Nachteil für die beiden betroffenen Vereine sei mit Blick auf die Einschränkungen im Trainingsbetrieb deutlich größer. Auch Ligakonkurrent FV Bad Vilbel hätte am 16. September in Hanau spielen müssen.

Deutlich verschärfter ist die Situation in der Gruppenliga Frankfurt Ost. Fünf Mannschaften sind vom Spielverbot betroffen, die Lage in Stadt und Kreis Offenbach ist ebenfalls angespannt. Klassenleiter und Friedbergs Kreisfußballwart Thorsten Bastian steht erneut vor turbulenten Wochen. "Das Telefon klingelt quasi pausenlos", sagt er. Nach der Fertigstellung der Spielpläne schien es, als würden die kommenden Wochen etwas ruhiger werden. Nun ist alles noch viel unübersichtlicher geworden. Am kommenden Montag will sich Bastian per Videokonferenz mit den Vereinen der Ost-Staffel zusammensetzen und über Lösungen des Spielplan-Wirrwarrs sprechen.

Bereits am gestrigen Abend saß Bastian mit den anderen hessischen Kreisfußballwarten zusammen vor dem Bildschirm, um sich über die aktuelle Situation auszutauschen und Lösungen für den Umgang mit dem Spielbetrieb zu besprechen.

Für HFV-Präsident Reuß ist klar: "Die jüngsten Zahlen haben uns deutlich vor Augen geführt, dass die Corona-Pandemie noch lange nicht der Vergangenheit angehört. Wir müssen alles dafür tun, dass wir das Infektionsgeschehen so niedrig wie möglich halten. Aber wir hoffen, dass sich das am Ende auszahlt."

Im Fußballkreis Friedberg ist die Lage noch vergleichsweise entspannt. Lediglich das Erstrundenspiel im Kreispokal zwischen der SKG Erbstadt und dem SV Bruchenbrücken am Freitag ist abgesagt. Erbstadt ist zwar ein Stadtteil von Nidderau, allerdings im Friedberger Fußball zuhause. Angesichts der Situation in der Nachbarschaft wird allerdings die Frage, ob und auf welchen Sportplatz man am Wochenende geht, derzeit zum Luxusproblem.

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