Die Coronavirus-Krise hinterlässt auch im heimischen Amateurfußball Spuren.
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Die Coronavirus-Krise hinterlässt auch im heimischen Amateurfußball Spuren.

Kritik an Corona-Maßnahmen

Funktionäre in der Offensive: Kreisfußballwarte wehren sich gegen Kritik an Corona-Maßnahmen

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Ärger um Corona-Maßnahmen, Ehrenamtliche an der Belastungsgrenze: Die Krise trifft den Amateurfußball hart. Nun reden zwei Kreisfußballwarte Tacheles.

Am Dienstagabend hatte der Büdinger Kreisfußballwart Jörg Hinterseher genug. In einer E-Mail an seine Vereine, die eigentlich nur dazu gedacht war, mitzuteilen, dass sowohl die SG Ober-Mockstadt als auch der SV Ranstadt nach Corona-Fall und -Verdachtsfällen wieder vollumfänglich den Spiel- und Trainingsbetrieb aufnehmen können, machte sich der Mann aus Hainchen Luft: "Sehr befremdlich fand ich am Wochenende die Reaktion einer von den Spielabsetzungen betroffenen SG. Wenn das der Umgang untereinander zu diesem hochbrisanten Thema sein soll, sehe ich nicht gut in die Zukunft", schrieb er.

Büdinger Kreisfußballwart Jörg Hinterseher kontert Kritik

Was war passiert? Nach einem Corona-Fall beim Kreisoberligisten SV Ranstadt war am vergangenen Wochenende die Partie gegen den VfR Wenings ebenso wie die Begegnung der zweiten Mannschaften beider Klubs abgesetzt worden. Da ein Ranstädter Spieler mit einem Akteur der SG Ober-Mockstadt verbrüdert ist und in einem Haushalt wohnt, war auch deren Partie gegen die SG Wallernhausen/Fauerbach sowie das Spiel der SG Mockstadt/Dauernheim II gegen die SG Wallernhausen/Fauerbach II, die beide für den Samstagabend geplant waren, aus Sicherheitsgründen am Samstagnachmittag kurzfristig abgesetzt worden.

"Wir mussten einfach reagieren, denn wir wollen uns auf keinen Fall etwas nachsagen lassen", erklärt Hinterseher. Nachdem alle anderen Ranstädter Spieler in dieser Woche negativ auf das Coronavirus getestet worden sind, "wäre das im Nachhinein natürlich nicht nötig gewesen, aber wir werden immer ein paar Überschneidungen haben, wo wir einfach pro forma reagieren müssen", erklärt Hinterseher die Lage. "Wir können da kein Risiko eingehen. Ich bitte die Vereine, da ein Stück weit Vertrauen in uns zu haben, dass wir solche Entscheidungen nicht leichtfertig treffen."

Schwierige Situation für ehrenamtliche Funktionäre

Dennoch gab es Kritik vonseiten der SG Wallerhausen/Fauerbach, die Hinterseher nicht unkommentiert lassen wollte. "Bei meinen Mitstreitern und mir klingelt in diesen Tagen mehrfach pro Tag das Telefon. Wenn dann noch Entscheidungen infrage gestellt werden, kostet das nur Zeit und Energie. Dabei ist der Aufwand als Ehrenamtlicher ohnehin schon kaum noch zu stemmen", sagt er.

Immerhin: In den vergangenen Tagen und Wochen hätten er und sein Team aus Kreisfußballausschuss und Klassenleitern auch immer wieder positive Reaktionen für ihre Arbeit erreicht. "Da haben mir teilweise die Tränen in den Augen gestanden. Die Situation zehrt an uns allen." Weitere positive Nachrichten: Auch der infizierte Ranstädter Spieler habe sich nicht behandeln lassen müssen und befinde sich auf dem Weg zur Besserung, wie Hinterseher nach einem Telefonat mit diesem erklärte.

Einen positiven Sars-CoV 2-Fall gab es im Fußballkreis Friedberg bislang noch nicht - "Gott sei Dank", wie Kreisfußballwart Thorsten Bastian (Rockenberg) sagt - Verlungen aufgrund von Verdachtsfällen aber schon. Aber auch Bastian, der als Regionalbeauftragter Klassenleiter der beiden Frankfurter Gruppenligen ist, hat schon mehrfach die hohe Arbeitsbelastung für Ehrenamtliche thematisiert. "Irgendetwas ist immer. Deshalb kann ich auch verstehen, dass Jörg Hinterseher mal sagt, was Sache ist", meint er. Der Umgang in "seinem" Fußballkreis sei bislang "harmonisch" und "sehr verständnisvoll". Für ihn gilt in die diesen Tagen aber einmal mehr: "Die Gesundheit muss über allem stehen. Da tritt dann auch der Wettbewerbsgedanke im Amateurfußball in den Hintergrund."

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