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Der Funke springt über

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Der Ausgleich der Löwen Frankfurt liegt in der Luft: Marc Kohl klärt für den bereits geschlagenen Mikko Rämö,
Der Ausgleich der Löwen Frankfurt liegt in der Luft: Marc Kohl klärt für den bereits geschlagenen Mikko Rämö, © Andreas Chuc

(mn) Thomas Korff war von seinem Sitzplatz in Block D hinunter in den Kabinengang geeilt. Der Gesellschafter der Spielbetriebs GmbH herzte begeistert jeden, der ihm da über den Weg lief, während Andreas Ortwein, der Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim, im Rhythmus der Fans in die Hände klatschte.

»Gänsehaut«, nannte Korff seine Empfindungen, als Torwart Mikko Rämö die Mannschaft zur Ehrenrunde auf das Eis führte. »Was er alles gehalten hat: Brutal!« Von »Hessens wahrer Liebe« und ihrer rot-weißen Leidenschaft »ein Leben lang« sangen die Zuschauer im Colonel-Knight-Stadion euphorisiert und im Überschwang. »Die Leute sind fantastisch. Ich habe schon in vielen Stadien gespielt, aber eine solche Stimmung findet man nicht oft«, versicherte Dusan Frosch, der Schütze des 1:0-Siegtreffers gegen die Löwen Frankfurt, während auch Henri Laurila, erst in der Vorwoche verpflichtet, an seinem ersten Heimspiel merklich gefallen gefunden hatte. »In Finnland kommen vielleicht mehr Leute - aber hier ist definitiv mehr Stimmung«, sagte der Verteidiger, der am Freitag in Kaufbeuren, nach nur einer gemeinsamen Trainingseinheit mit der Mannschaft, beim 2:3 nach Verlängerung seinen Einstand gegeben hatte.

Ruhe und Erfahrung habe der Neue eingebracht, sagt Petri Kujala. Den statistisch unglücklichen Einstand im Allgäu - Laurila hatte bei allen drei Gegentreffern auf dem Eis gestanden und das entscheidende Tor gar eingeleitet - wollte der Trainer nicht überbewerten. »Henri hat defensiv sehr gut gespielt und seine offensiven Fähigkeiten überhaupt noch nicht einbringen können. Man darf nicht vergessen, dass er seit März kein Spiel mehr bestritten hat.«

Kujala ist mit der Entwicklung sehr zufrieden. »Die Mannschaft hat gerade am Sonntag alles umgesetzt. Da wurde es auf der Bank fast langweilig, weil ich nicht eingreifen musste«, sagt er mit einem Augenzwinkern. »Nach einem Derby ist immer alles gut und schön. Aber mehr als drei Punkte bekommen wir auch nicht dafür.« Dennoch: Die Mannschaft spüre den Erfolg ihres Zusammenhalts. »Natürlich nimmt man aus Derbysiegen etwas mit.«

Eine Einheit stehe in diesem Jahr auf dem Eis, berichtet Gesellschafter Korff aus der Zuschauerperspektive. »Es ist beeindruckend, zu sehen, wie die Jungs arbeiten und sich selbstlos den Pucks entgegenwerfen. Und mit den Neuzugängen hatte der Coach durchweg ein gutes Händchen.« Gleichwohl stellt sich der Gesellschafter die Frage, wo denn all diese Eishockey-Interessierten seien, wenn es gegen Kaufbeuren oder Heilbronn gehe. »Das Derby hat den Funken überspringen lassen. Ich hoffe, die Fans kommen nun auch in anderen Partien.«

Taktisch hatte Kujala ein glückliches Händchen bewiesen. Dominik Lascheit, vom Förderlizenzeinsatz mit Neuwied in Leipzig mit einem Torerfolg zurückgekehrt, schien bei seinem Debüt in der dritten Reihe beflügelt, zudem waren die Roten Teufel in den Reihen drei und vier ausgeglichener besetzt. Dass Leon Niederberger zur Verfügung stehen würde, hatte sich erst am Samstagabend entschieden.

»In jedem Spiel dabei«

Mit Ausnahme von Vorjahres-Finalist Bremerhaven, am Freitag nächster Gegner, haben die Roten Teufel nach zwölf Spielen gegen jeden Konkurrenten einmal gespielt. Auffällig: In neun der zwölf Partien hat die Mannschaft von Petri Kujala gepunktet, nicht ein einziges Spiel wurde durch mehr als zwei Treffer Unterschied entschieden. »Das zeigt, dass wir in jedem Spiel immer dabei sind«, nennt Harry Lange seine Erkenntnis aus dem ersten Viertel der Hauptrunde. Seine Reihe, die diesmal die Löwen-Topreihe mit Nick Mazzolini, Richie Mueller und Nils Liesegang ausbremsen konnte, läuft offensiv aber der eigenen Erwartungshaltung hinterher. Gerade Vitalij Aab scheint ein regelrechtes Trauma zu entwickeln, ist nach zwölf Spielen noch immer ohne Treffer aus dem normalen Spielverlauf heraus. Am Sonntag hatte der Ex-Nationalspieler die Chance zum beruhigenden 2:0 auf dem Schläger; verzog jedoch. »Die Reihe hatte zwei, drei gute Möglichkeiten. Da ist auch viel Pech dabei«, sagt Kujala, der nach außen hin die schützende Hand über den 35-Jährigen hält. »Wir punkten konstant. Aktuell ist das also zu verkraften«, sagt der Trainer, weiß aber auch: »Wenn wir 0:1 verloren hätten, würde ich vielleicht anders denken.«

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