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FSV Dorheim: Mit Software und Extra-Einheiten zum Titel in der B-Liga

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Von: Leon Alisch

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Nach dem großen Erfolg lassen es die Dorheimer krachen und feiern die Meisterschaft in der B-Liga, Gruppe 1. © pv

B-Liga-Meister FSV Dorheim setzt auf einen Fitness-Tracker und sammelte so wertvolle Erkenntnisse zum Spiel. Nur ein Faktor von vielen, der das Team von Trainer Ronny Wadewitz charakterisiert.

(lab). Am heutigen Donnerstag geht es beim FSV Dorheim wieder los: Man startet in die Vorbereitung auf die neue Fußball-Spielzeit. Und das nicht mal zwei Wochen, nachdem die letzte Saisonpartie gegen den KSV Bingenheim über die Bühne gegangen ist. Doch die Sommerpause ist kurz - nicht zuletzt, weil die zurückliegende Winterpause recht lang war. Und in Dorheim wird - für Amateurverhältnisse - professionell gearbeitet. Man trainierte während der Pandemie immer, sobald es möglich war. Man analysiert die Leistungen des Teams mit einer Software. Man feilt an Taktik und Kondition. Dafür wurde der Club nun mit dem Aufstieg in die A-Liga belohnt.

»So manch einer hat mir gesagt, sie sind ganz froh, dass wir jetzt weg sind«, sagt FSV-Trainer Ronny Wadewitz über die anderen Teams der Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1. Nur zwei von ihnen hatten es im Saisonverlauf geschafft, die Dorheimer zu bezwingen. In der Rückrunde stand lange eine tadellose Serie ohne Punktverlust - bis man zum Abschluss eine 1:3-Niederlage gegen Bingenheim kassierte. Kein Wunder, nach vier Wochen Feiern und eingedämmtem Training.

Mit dem adaptierten Song »Freddy is on fire« bejubelte die Mannschaft ihren Stürmer Frederic Bausch schon Ende Mai, als man nach einem 13:0 gegen die TSG Wölfersheim den vorzeitigen Aufstieg perfekt gemacht hatte. Bausch war mit 35 Treffern wichtigster Offensivmann des B-Liga-Meisters. Ein Stürmer für die Box, mit Abschlussstärke, Dribbelkunst und Körpereinsatz. »Er versteht es besonders gut, seinen Körper vor den Gegner zu stellen und den Ball abzuschirmen«, sagt Wadewitz - und spricht vom »wahrscheinlich besten Freddy Bausch« bisher: »Er hat von sich aus an der Fitness noch mal draufgelegt, an seinem Gewicht gearbeitet und ist schneller geworden.«

Müller hält die Abwehr zusammen

Generell wird in Dorheim viel außerhalb des Mannschaftstrainings getan. Die Spieler haben Lust - und nicht nur Bausch dient als Stütze. Die Defensive kassierte lediglich 16 Gegentore. Benedikt Müller war Dreh- und Angelpunkt der Abwehr, auch weil mit Luca Dickhardt der zweite etatmäßige Innenverteidiger lange ausfiel. Auf den Flügeln profitierte man von der Schnelligkeit der Spieler Leopold Hergesell und Marvin Jochem. Und im Mittelfeld knackten Halil Yilmaz, Jason Rebmann und Max Döpfner regelmäßig die Zwölf-Kilometer-Marke pro Spiel.

Dass es tatsächlich ein Dutzend Kilometer waren, weiß man durch »Tracktics«. Die Spieler schnallen sich einen Hüftgurt mit Tracker um. Nach der Partie sieht man auf dem Tablet Laufleistung, Sprints und Heatmap. So fand man beim FSV u. a. heraus, wenn die Formation nicht so umgesetzt wurde wie gedacht. »Es fördert auch das Verständnis für die Spieler. Die haben alle Lust, etwas dazuzulernen und wollen sich weiterbilden«, sagt Wadewitz, selbst studierter Sportwissenschaftler.

Eine andere - etwas leichtere - Rechnung ergab: Stürmer Bausch erzielte im Schnitt 1,7 Tore pro Spiel. Doch für die Torjägerkanone reichte es nicht. Auch weil die Dorheimer ganze fünf Mal kampflos zu ihren Punkten kamen. Nicht-Antritte - der neue Trend im Spieljahr 2021/22. Gerne auch, um der Klatsche gegen den Ligaprimus aus dem Weg zu gehen. »Ich fand das sehr feige von unseren Gegnern. Teutonia Staden II ist zweimal nicht gegen uns angetreten. Die haben wir letzte Saison mit 10:0 geschlagen, vielleicht hallt das noch nach«, sagt Wadewitz. »Ein solches Spiel sollte eine Herausforderung für einen Trainer sein, die Mannschaft eben so aufzustellen, dass man es dem Gegner möglichst schwer macht«.

Vor drei Jahren, als man fast in die C-Liga abgestiegen wäre, habe man mit eben diesen Mitteln gegen den damaligen Meister VfR Ilbenstadt gekämpft und war »nur« mit 0:2 unterlegen. Jetzt geht es für den FSV Dorheim selbst hoch in die A-Liga. Bisher hat man kaum Zeit gehabt, sich die neue Klasse anzuschauen. Da die Mannschaft in der Breite erhalten bleibt, plant man erneut mit eigener Reserve. Mit Jonas Heller wechselt ein vielversprechender Spieler vom FC Nieder-Florstadt zum FSV.

Der Club will seinem bisherigen Stil treu bleiben, das Spiel machen, robust auftreten. Dahinter steckt ein Prinzip, wie Wadewitz erklärt: »Wir haben von Anfang an unseren Fußball in einem Bereich angesiedelt, der nichts mit dem Abstieg zu tun hatte. So gehen wir auch in die A-Liga. Wir wollen nicht ausschließlich durch Teamgeist, sondern durch eine spielerische Idee bestehen«.

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