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Friedberger Rückraum überragt beim Derbysieg

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Zwei der drei gefürchteten Friedberger: Marco Zinnel (r.) und Dennis Müller freuen sich über die zwei Punkte.
Zwei der drei gefürchteten Friedberger: Marco Zinnel (r.) und Dennis Müller freuen sich über die zwei Punkte. © Jürgen Keßler

Die TG Friedberg hat das Landesliga-Derby in Petterweil mit 28:27 (15:10) gewonnen und damit den ersten Auswärtssieg der Saison gefeiert. Während Petterweil im Tabellenmittelfeld hängen bleibt, hat sich die TG im Abstiegskampf Luft verschafft.

Artur Belz schraubte sich immer wieder »unter das Hallendach« (O-Ton Heiko Trinczek) und markierte alleine in der ersten Halbzeit sechs seiner acht Tore; Marco Zinnel erzielte sechs Treffer vornehmlich mit seinen gefährlichen Unterarmwürfen; und Dennis Müller verwandelte nur den leichtesten Ball nicht, als er das leere Tor nicht traf (57.). Mit elf Toren war er der beste Friedberger Torschütze. Dieses TG-Trio erzielte 25 der 28 Friedberger Treffer, die zum Auswärtscoup in Petterweil reichten. Die Schützlinge von Gert Eifert feierten in der Handball-Landesliga beim 28:27 (15:10) im Karbener Stadtteil den ersten Erfolg in fremder Halle, dazu bleibt auch die Derbybilanz nach dem Heimsieg gegen Griedel zuvor perfekt. Grundlage für den Erfolg der Gäste waren die drei Haupttorschützen, die aus dem Rückraum fast beliebig trafen. Gert Eifert ergänzte: »Dazu haben wir auch die Nerven behalten, als Petterweil aufgeholt hatte. Das war ein sehr wichtiger Sieg, weil wir uns endlich mal für eine gute Leistung belohnt haben«.

Die Schlussphase des Derbys war an Spannung kaum zu übertreffen. Die Gastgeber hatten erstmals nach dem 18:18 beim 26:26 wieder ausgeglichen, ehe Dennis Müller die TG 123 Sekunden vor Schluss in Führung brachte. Nach einem Peschke-Fehlpass erhöhte Müller auf zwei Tore Vorsprung (59.), TVP-Coach Heiko Trinczek reagierte mit einer Auszeit und schickte Pierre Lange als siebten Feldspieler auf die Platte. Lange verwandelte kurz darauf einen fälligen Siebenmeter gegen den nur in dieser Szene im Tor stehenden Daniel Weber zum Anschlusstreffer. Friedberg vertändelte dann 30 Sekunden vor Schluss den Ball, Pierre Lange scheiterte dann an TG-Keeper Radu Balazs. Petterweil lief die Zeit davon, doch auch ein Freiwurf nach dem Schlusspfiff brachte nichts mehr ein. Was folgte, war Riesenjubel bei den Friedbergern. »Auswärtssieg, Auswärtssieg«, skandierten Spieler und Betreuer vor den zahlreichen Friedberger Zuschauern.

Letztlich war der Erfolg der Gäste verdient, auch wenn er etwas glücklich war. Petterweil konnte kein einziges Mal in Führung gehen und schaffte in der zweiten Halbzeit mit dem 18:18 und dem 26:26 nur zwei Gleichstände. Trinczek erkannte dies an: »Wir haben den Friedberger Rückraum nicht in den Griff bekommen. Wir waren nicht engagiert und aggressiv genug. Die TG erwischte einen Sahnetag, aber das müssen wir uns zuschreiben. Auch wenn es insgesamt keine schlechte Leistung von uns war«. Von einem Sahnetag wollte Eifert nur mit leichten Abstrichen sprechen. »Artur und Dennis waren sicherlich sehr stark. Ansonsten habe ich auch Schwachpunkte erkannt. Über die Außen kam beispielsweise zu wenig«, sagte Eifert, der ergänzte: »Wir haben nur in Wettenberg kein gutes Spiel gemacht. Es war Zeit, dass wir uns mal auswärts belohnen. Das gibt uns Selbstvertrauen«.

Nach einem ausgeglichenen Beginn hatte Friedberg die Initiative ergriffen und verzeichnete zur Pause über das 14:9 eine 15:10-Führung. Marco Zinnel hatte in den ersten vier Minuten gleich dreimal getroffen, Artur Belz hämmerte sechsmal den Ball in den Kasten von Max von Borstel. Zu Beginn der zweiten Halbzeit schienen die taktischen Maßnahmen von Trinczek besser zu greifen. Der nun enger genommene Belz produzierte einige Fehlversuche, zudem war Friedberg auf der linken Defensivseite löchrig. Mit vier Toren binnen drei Minuten führte Rechtsaußen Nico Lange sein Team zum 18:18-Ausgleich (40.). Friedberg nahm eine Auszeit, Nico Lange verwarf erstmals wieder – und die TG hatte wieder Oberwasser. Dennis Müller sprang für Belz (mehr auf der Bank) und Zinnel (kam kaum in eine Wurfposition) in die Bresche und erzielte in den letzten 20 Minuten sieben Tore. Petterweil holte zwar einen Drei-Tore-Rückstand (22:25/54.) auf, doch die Kräfte schwanden schneller als bei der TG.

Zu den TVP-Langzeitverletzten hatten sich noch Scherrer (fast ausgeheilter Muskelfaserriss) und Trouvain im Laufe der Partie gesellt. Die Eifert-Sieben hatte letztlich den längeren Atem. Da hatte das Geburtstagsgeschenk von Ex-TVP-Trainer Detlef Ernst an seinen früheren und heutigen Co-Trainer Marcus Lange letztlich zu wenig geholfen. Ernst hatte das 28:28 seiner TSG Oberursel gegen Friedberg vergangene Woche filmen lassen und das Video dem nun 50-jährigen Lange zur Verfügung gestellt. Ernst hatte insbesondere vor Artur Belz und Marco Zinnel gewarnt.

TV Petterweil: Von Borstel (bis 51.), Büttner (ab 51.) – Trouvain, Timm Weiss (2), Thorsten Koch (2), Gosenheimer, Peschke (3), Koffler (1), Nico Lange (9), Dietzmann (1), Wassberg (3), Seefeldt, Pierre Lange (6/3).

TG Friedberg: Balazs, Weber (für einen Siebenmeter) – Lauzi, Zinnel (6), Jonscher (1), Belz (8), Mangels, Durchdewald, Jakobi, Schäfer (1), Müller (11/2), Lebeau (1).

Steno: Zuschauer: 400. – Strafminuten: 4/14. – Siebenmeter: 4/3 – 5/2. – Rote Karte: Lauzi (42./Friedberg, drei Zeitstrafen).

Michael Wiener

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