Mit dem Friedberger Günter Eisinger bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften

"Können Sie auch mal lachen?" Humorvoll zeigt sich Ariane Friedrich vor dem Wettkampf bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm am Samstag, als ihr Trainer Günter Eisinger, den sie freilich duzt, ernst von der zweiten Stufe der Tribüne aus auf die Hochsprunganlage blickt.

Coachen, filmen, motivieren und abklatschen

"Können Sie auch mal lachen?" Humorvoll zeigt sich Ariane Friedrich vor dem Wettkampf bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm am Samstag, als ihr Trainer Günter Eisinger, den sie freilich duzt, ernst von der zweiten Stufe der Tribüne aus auf die Hochsprunganlage blickt. Der Friedberger hatte mit seinem Schützling - der aktuell weltbesten Hochspringerin - im Donaustadion einen schwierigen Wettkampf zu bestreiten, dennoch gewann die deutsche Rekordhalterin mit 2,01 Meter locker. Mit welchen Hindernissen Friedrich zu kämpfen hatte und damit auch bei ihrem Trainer Wut auslöste, beobachtete in Ulm unser WZ-Redaktionsmitglied Michael Wiener. Drei Stunden bei einem Leichtathletik-"Einsatz" von Günter Eisinger - dem Lehrer am Burggymnasium in Friedberg, dessen Athletin heute für die WM in Berlin Mitte August nominiert wird und dort als Goldhoffnung gilt.

Das Einspringen

Günter Eisinger nimmt auf der Tribüne Platz, mit bestem Blick auf die Hochsprunganlage. Er hält einige Sprünge von Friedrich auf der Kamera fest, schaut sie sich direkt danach kurz an und analysiert schnell. "Ich gebe Ariane sofort eine Rückkoppelung, damit wir auf Fehler schnell reagieren können." Dafür kommt die 25-Jährige nach jedem Sprung zur Tribüne, unterhält sich dort kurz mit Eisinger. "Du musst in der Kurve mehr arbeiten", gibt er Friedrich mit auf dem Weg - und nimmt wieder in der zweiten Reihe Platz, links und rechts neben langjährigen Kollegen aus der Hochsprungszene. "Sie ist gut drauf", ruft er dem Autor dieses Textes zu, ehe wenig später Friedrich auf der Videoleinwand erscheint - die Teilnehmerinnen am Hochsprungfinale werden vorgestellt, die Hallen-Europameisterin leitet dies mit drei kurzen Sätzen und der Hoffnung auf einen spannenden Wettkampf ein.

Das Warten auf den ersten Versuch

Ariane Friedrich springt in Deutschland in einer eigenen Liga. Ein Großteil der Konkurrenz hat den Wettkampf schon wieder beendet, da steigt sie bei 1,90 Meter erst ein. Fast 1,5 Stunden dauert es, bis Friedrich ran darf. Während die Athletin versucht, die Spannung aufrecht zu erhalten, notiert der Trainer akribisch jeden Sprung der Konkurrenz. Friedrich muss zwischendurch auf die Toilette - auch darüber wird ihr Trainer per Handzeichen informiert.

Der erste Sprung

1,90 Meter liegen auf, nur noch vier der 13 gestarteten Athletinnen sind im Wettbewerb. Friedrich meistert die Höhe locker -bekommt aber den großen Medienrummel zu spüren. "Der eine Kameramann steht mir fast auf den Füßen", berichtet sie Eisinger. Während der Unterhaltung am Zaun macht sie zwischenzeitlich unmissverständlich deutlich, dass sie in Ruhe mit ihrem Trainer, Mentor und Manager sprechen möchte.

1,95 Meter

Bei den zwei Versuchen wird deutlich, dass es kein einfacher Wettkampf wird. Friedrich hadert zum einen mit Abstandsproblemen beim Absprung, zum anderen mit verschiedenen Störfeuern. "Erst die 3000 Meter Hindernis, dann die 5000 Meter - da ist es nicht einfach, die Lücke zum Springen zu finden. Und dann noch der Kameramann mit dem karierten Hemd", ärgert sich Eisinger, der bei allen Friedrich’schen Versuchen selbst filmt oder die Kamera weitergibt sowie auch immer wieder die Heimtrainer der Konkurrentinnen berät . "Wir sind doch eine große Hochsprung-Familie", freut er sich über das freundschaftliche Verhältnis - und insbesondere über den Sprung von Meike Kröger über die B-Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, 1,93 Meter - diese Höhe lässt die Olympia-Siebte von Peking übrigens aus. "Es wäre doch schön, wenn Ariane nicht die einzige Deutsche in Berlin im Frauen-Hochsprung ist."

2,01 Meter

Friedrich, mittlerweile alleine im Wettkampf, ist erneut zu dicht an der Latte und produziert zwei Fehlversuche. "Beim ersten zeigt sie ‚Ruhe bitte’ an, und der Sprecher hält sich als einziger nicht daran, der zweite war dann verschenkt", meint Eisinger. Zwischenzeitlich fürchtet die Präsidentin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes, Anja Wolf-Blanke, einst selbst Hochspringerin, einen Vereinswechsel von Friedrich. "Müssen wir befürchten, dass Ariane bald in Berlin trainiert, weil die LG Nord Berlin pinkfarbene Trikots hat", fragt sie Eisinger in humorvoller Anspielung auf Friedrichs immer zur Schau getragenen Lieblingsfarbe. Vor dem dritten Versuch zeigt Friedrich bei einem kurzen Blick zur Tribüne Eisinger das obligatorische Victory-Zeichen, ballt dann noch die Faust - und hakt 2,01 Meter und damit einen Zentimeter mehr als beim Vorjahressieg ab. "So will ich dich springen sehen", motiviert Eisinger - und klatscht mit seiner Athletin ab. Zu mehr sollte es allerdings nicht reichen, 2,04 Meter waren für die Weltjahresbeste am Samstag zu hoch.

Das Fazit

"Das war ein sehr guter Wettkampf. Das sind ganz andere Bedingungen als bei einem Meeting. Aufgrund der vielen Störfeuer und der langen Wartezeit vor dem ersten Versuch war die Leistung voll in Ordnung", bilanziert Eisinger, der sich heute bereits zur Universiade nach Belgrad aufmacht. Dort peilt Friedrich nach Bronze 2005 und Silber 2007 den Titel bei den Studenten-Weltmeisterschaften an. Vorher ging es allerdings noch am Abend zum Aktuellen Sportstudio nach Mainz zum ZDF, bei dem Friedrich in pinkem Kleid aufläuft. Und ihr Trainer sitzt- gut gelaunt - auf der Tribüne. Ohne Block und Kamera in der Hand. Michael Wiener

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