Spaßige Variante: Die Badmintonspieler der TG Friedberg um den Abteilungsleiter Marcus Thalheim (r.) haben auf dem Vereinsgelände an der Seewiese "Air Badminton" vorgestellt. FOTO: ESA

Badminton

TG Friedberg eröffnet Außenanlage mit neuer Variante

  • Erik Scharf
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Im Kampf um die Gunst der Sportler müssen sich Sportarten abseits von den großen Playern immer wieder neu erfinden. Die Richtung geht dabei häufig zur Fun-Sportart. So auch beim Badminton. Die TG Friedberg folgt diesem Ruf.

Der Wind bläst stark über die Anlage an der Friedberger Seewiese. Es ist zwar ein herrlicher Sommertag, Sport im Freien bietet sich gerade zu an. Doch wer nun seinen Badmintonschläger auspacken will, hat eigentlich verloren. Und trotzdem schlagen ein Dutzend Menschen den Federball über das Gelände der TG Friedberg im Herzen der Kreisstadt. Und sie haben dabei sogar mächtig Spaß.

"Außenplätze habe ich mir schon länger vorgestellt. Dann wurde die neue Spielart eingeführt", sagt Marcus Thalheim, Abteilungsleiter bei der TG. AirBadminton heißt die Variante, die es möglich macht, auch unter freiem Himmel Badminton zu spielen. Im Mai 2019 stellte der Badminton-Weltverband das Projekt vor, ein gutes Jahr später ist es auch in Friedberg angekommen. Speziell entwickelte Federbälle sollen selbst bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 12 Kilometern pro Stunde gut zu spielen sein.

Also haben sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Neben den Tennisplätzen und dem Vereinsimbiss auf der Anlage fristeten eine ungenutzte Betonfläche ihr Dasein. "Die Corona-Pause haben wir genutzt, um dort drei AirBadminton-Felder und drei herkömmliche Felder entstehen zu lassen", sagt Thalheim. Aufgrund der Pandemie habe man die Gruppe der Helfer bewusst klein gehalten. "Innerhalb von vier Wochen haben fünf Personen 1,5 Kilometer Kreppband verklebt, zehn Liter Farbe verstrichen und endlos viele Kniebeugen gemacht. Da hatte jeder Muskelkater bis zum Anschlag", sagt Thalheim. Auf die Geradlinigkeit der Linien wäre jeder Abkreider auf dem Fußballplatz mächtig stolz. Ganz nebenbei haben die TGler noch ein Schnäppchen gemacht. "Die Netzständer haben wir im Rahmen einer Auflösung aus Heidelberg gesponsert bekommen, die sind normalerweise ziemlich teuer", sagt Thalheim. Überhaupt habe man das Gelände wieder in Schuss gebracht, Frühjahrsputz im Sommer quasi.

Bis zu sechs Spieler pro Spiel möglich

Die Mitglieder freut es, und offensichtlich macht ihnen die Variante auch mächtig Spaß - zumindest sind die Lacher auf den Plätzen nicht selten länger als die Ballwechsel. Zur offiziellen Eröffnung der Plätze kamen 15 Jugendliche und anschließend ebenso viele Erwachsene. Für die Mehrzahl war es die AirBadminton-Premiere. Dank des Flutlichts wurde bis in die späten Abendstunden gespielt.

Die Unterschiede zwischen herkömmlichem Badminton und der Freiluftvariante sind schnell erklärt: Der Ball ist schwerer und weniger windanfällig. Weil das vordere Drittel der eigenen Hälfte nicht betreten werden darf, spielt das Netzspiel beim AirBadminton keine große Rolle. Zudem darf man im Triple, auch das ist im Vergleich zum herkömmlichen Badminton neu, den Ball nicht zwei Mal in Folge über das Netz spielen. "Im Vordergrund steht der Fun-Faktor, aber natürlich auch, Badminton an sich bekannter zu machen", sagt Thalheim.

Für die rund 1700 TG-Mitglieder ist die Nutzung der Plätze kostenlos, externe Sportler bezahlen pro Stunde zehn Euro. "Natürlich erhoffen wir uns dadurch auch ein wenig Werbung für den Sport und unsere Abteilung", sagt Thalheim. Die Chancen dafür scheinen gut zu stehen, denn immer wieder bleiben Leute auf dem Schleichweg, der die Ockstädter Straße mit der Seewiese verbindet, stehen und schauen neugierig um die Ecke.

Und so haben die TGler ganz nebenbei etwas, was zur Zeit sehr selten ist. Zuschauer an der Sportstätte. Auch mal wieder ganz schön.

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