Freyers Schachzug glückt

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(gae/tim). Die Gießen 46ers sorgen für eine faustdicke Überraschung: Sie schlagen die Riesen aus Ludwigsburg vor 3185 Zuschauern in der Osthalle mit 98:88 (42:38). Damit vergrößerte sich der Abstand zum Tabellenkeller - die brenzlige Lage hat sich entspannt. Wie die Gesichtszüge von Coach Freyer, der nach vier Pleiten hintereinander in der Kritik stand. Die Aussprache zwischen Trainer Ingo Freyer und seiner Mannschaft hat zur rechten Zeit die erhoffte Wirkung gezeigt.

Der Trainerfuchs kennt die Mechanismen im Abstiegskampf aus den Zeiten als Headcoach in Hagen, als er Saison für Saison mit dem ewig finanziell klammen Klub um das nackte Überleben in der Beletage kämpfen musste. Ein schelmisches Grinsen konnte er sich nicht verbergen, als er mit der Frage konfrontiert wurde, wie es ihm nach einem Abend in der Osthalle ohne Freyer-raus-Rufe gehe. "Es ist klar, dass man nach einem gewonnenen Spiel besser drauf ist. Da tut das natürlich gut", machte der aus vielen Kämpfen gestählte 48-Jährige aus seinem Herzen keine Mördergrube. Sein taktischer Schachzug, in der zweiten Hälfte überwiegend mit großen Flügelspielern zu agieren, war genial - und letztlich der Siegbringer.

Überhaupt schien ein gewaltiger Ruck durch die Mannschaft gegangen zu sein. "Wir haben einige Sachen umgestellt, vor allem in der Defense. Das hat man gegen Ludwigsburg deutlich gesehen", stellte Youngster Bjarne Kraushaar fest. Insgesamt war bei allen 46ers-Akteuren eine andere Körpersprache zu erkennen. Mehr Wille, Leidenschaft und Entschlossenheit - ganz nach dem Geschmack der Fans. Mit zunehmender Gewissheit, ein Teil des immer näher rückenden Erfolges zu sein, verwandelten die Anhänger die Osthalle in einen Hexenkessel. Der sogenannte Funke sprang von der Mannschaft auf die Fans über.

Das lag an der Performance der Protagonisten, die endlich als Kollektiv agierten. Vorneweg Matt Tiby. Der Powerforward zerriss sich förmlich auf dem Feld. Nicht, dass er mit 23 Punkten zum Topscorer anvancierte, er war überall zu finden. Bezeichnend für seinen unbändigen Willen war das 93:80 kurz vor dem Ende, als er im Fallen den Korb erzielte. "Meine Mitspieler und die Coaches haben mir die komplette Unterstützung gegeben. Es war eine tolle Arbeit von uns allen", fasste er zusammen.

Auch Luke Petrasek zeigte sein bestes Spiel im Trikot der 46ers. Herausragend seine fünf Blocks gegen die Ludwigsburger, die vor einer Woche noch Bayern München schlugen. Am Sonntag (15 Uhr) steigt gegen Bayreuth das dritte Heimspiel in Folge.

Drei Ausfälle zu viel

Quantez Robertson klatschte nach der 65:73-Niederlage noch etwas länger den mitgereisten Fans zu, die die 384 Kilometer nach Vechta auf sich genommen hatten. Der Kapitän der Frankfurt Skyliners hatte wie immer alles gegeben, stand fast 38 Minuten auf dem Parkett, war Topscorer seines Teams mit 19 Punkten, sammelte die meisten Rebounds (sechs) und verteilte die meisten Assists (sechs).

Das reichte aber nicht, um einen Sieg beim Tabellensechsten der Basketball-Bundesliga aus Niedersachsen entführen zu können. "Wir haben hart gespielt und gut gekämpft. Es hat aber nicht gereicht", sagte Robertson. Die kurze Rotation war der Hauptknackpunkt, warum es die elfte Niederlage im 16. Spiel setzte. Die Leistungsträger. Lamont Jones (Muskelbündelriss), Leon Kratzers (Rückenprobleme) und kurzfristig auch Richard Freudenberg (Schleimbeutelentzündung) fehlten in Vechta. Ohne sie fehlten den Skyliners auch 36,5 Punkte im Schnitt. Trotz über weite Strecken guter Defensive, wieder deutlich verbesserter Reboundarbeit, war das nicht aufzufangen. Außerdem foulten sich auch noch die zwei größten Spieler Shaquille Hines (sieben Punkte) und Darius Carter (sechs Punkte) mit fünf Fouls aus der Partie. Carter, der erst kürzlich aus Göttingen zum Team dazugestoßen ist, gelang das in nur 14 Minuten. Mit solchen Auftritten empfiehlt er sich nicht für einen Anschlussvertrag im Sommer.

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