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Mannschaften wie der SV Germania Leidhecken in der Kreisliga C Friedberg könnten ab der nächsten Saison auch mit weniger als elf Spielern auf dem Platz stehen. (Foto: Jaux)

"Norweger Modell"

Elf Freunde müsst ihr nicht mehr sein - C-Liga bekommt "Norweger Modell"

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Mit einer klaren Mehrheit haben sich die Vereine der Fußball-Kreisliga C Friedberg für die Einführung des "Norweger Modells" entschieden - allerdings in einem überarbeiteten Konzept.

"Hauptsache, der Ball rollt." Diesen Satz hört man an jeder Ecke – egal, ob bei Vereinsvertretern, Verbandsfunktionären oder Spielern. Mit der Mehrheit von 19 zu vier Stimmen haben 23 der insgesamt 29 Vereine der Fußball-Kreisliga C Friedberg bei einer schriftlichen Abstimmung des Fußballkreises für die Einführung des sogenannten "Norweger Modells" in der untersten Spielklasse ab der kommenden Saison votiert. "Es freut mich, dass wir so ein eindeutiges Ergebnis bekommen haben. Denn wirklich jeder Verein kann in die Lage kommen, nicht genügend Spieler zu haben. Auch die Beteiligung hat mich gefreut. Wir werden das nächstes Jahr gemeinsam angehen", sagte Kreisfußballwart Thorsten Bastian (Rockenberg). Die gesamte Debatte war aufgrund sinkender Mannschaftszahlen in Zusammenhang mit immer weniger Spielern im Senioren- und Jugendbereich ins Rollen gekommen, sieht das "Norweger Modell" doch vor, auch mit weniger als elf Spielern zu einem regulären Rundenspiel anzutreten.

Das "Norweger Modell" soll bereits ab der kommenden Saison eingeführt werden

Bereits im Juli bei der Vorrundenbesprechung war die mögliche Flexibilisierung des Spielbetriebs angekündigt worden, im November gab es dann eine eher schwach besuchte Informationsveranstaltung des Fußballkreises, der als Referenten den Büdinger Kreisfußballwart Jörg Hinterseher eingeladen hatte, in dessen Kreis das Modell längst Praxis ist. Nun also die schriftliche Abstimmung, nachdem sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitglieder des Kreisfußballauschusses um Bastian und Harald Wilke (Karben) sowie die Vereinsvertreter Cenk Gönül (SV Reichelsheim), Bernd Held (Spvgg. 08 Bad Nauheim) und Mirko Likar (SG Rodheim), näher mit der Konzeptionalisierung des Modells für den Fußballkreis Friedberg beschäftigt hatte.

Der Tenor dort: Man will das "Norweger Modell", allerdings nicht in seiner krassesten Form. Die exakten Durchführungsbestimmungen sollen bei einem Treffen der Arbeitsgruppe am 6. Mai im Sportheim Rodheim endgültig festgezurrt werden. Bastian wies daraufhin, dass auch hierzu sämtliche Vereinsvertreter eingeladen seien. Ist das getan, muss der Verbandsspielausschuss in seiner Sitzung am 29./30. Juni in Grünberg noch seine Zustimmung geben. "Eine Formsache", laut Bastian, der ebenfalls Mitglied dieses Gremiums ist. Am 14. Juli soll dann das festgeschriebene und genehmigte Konzept den Vereinen noch einmal bei der Vorrundenbesprechung in Groß-Karben präsentiert werden, um in der kurz darauf beginnenden Saison 2019/20 erstmals Anwendung zu finden.

Arbeitsgruppe hat sich laut Kreisfußballwart Thorsten Bastian bezahlt gemacht

"Es ist besser so, dass der Ball rollt, als wenn gar nicht mehr gespielt wird, weil die Mannschaften zurückgezogen werden oder die Vereine eine Strafe zahlen müssen, weil sie nicht antreten können", sagt Bastian. Sein Ziel sei es, den C-Ligisten auch weiterhin eine Runde mit etwa 30 Spielen anzubieten. Die Dringlichkeit dieser Flexibilisierung sehe er alleine schon dadurch, dass es in ganz Hessen in dieser Saison bis heute bereits 29 Rückzüge von Teams gegeben hätte. Dies bereite ihm im Zusammenhang mit der sinkenden Zahl an Jugendspielern aufgrund des demografischen Wandels Sorgen. "Wir müssen daher alle Mittel und Wege ausschöpfen, um unseren Vereinen einen geregelten Spielbetrieb zu bieten", sagt Bastian. "Man muss einfach mit der Zeit gehen, anstatt nur an der Vergangenheit zu hängen."

Besonders erfreulich aus seiner Sicht: Die Mühe einer Arbeitsgruppe unter Einbeziehung der Vereinsvertreter habe sich gelohnt: "Es war gut, dass sie ihre Sicht der Dinge schildern könnten. Es war ein wichtiger Input und zeigt, dass wir aus der Praxis für die Praxis arbeiten", sagte Bastian. Dem konnte der Rodheimer Spielausschussvorsitzende Mirko Likar nur beipflichten: "Wir hatten letzte Saison keine zweite Mannschaft, davor selbst in einer Spielgemeinschaft mit Petterweil schon Probleme und dieses Jahr auch nur deshalb wieder eine "Zweite", weil wir keine A-Jugend mehr haben und die Spieler dann dort spielen können. Alleine das war Grund genug, dass wir sofort gesagt haben, dass wir dort mitarbeiten. Wir wollten diesen Prozess aktiv mitgestalten." Übrigens: In den Nachbarkreisen Büdingen und Hochtaunus wird nach wie vor ein Großteil der Spiele "ganz normal", also elf-gegen-elf ausgetragen. Bastian: "Die Einführung des ›Norweger Modells‹ ist daher eine reine Unterstützungsmaßnahme für unsere Vereine."

Info

So soll das "Norweger Modell" im Kreis Friedberg aussehen

Im Fußballkreis Friedberg favorisiert man derzeit ein "Norweger Modell light". Denn anstatt, dass die Mannschaften bis auf ein Spiel sieben-gegen-sieben heruntergehen können, ist im Kreis Friedberg maximal ein neun-gegen-neun angedacht. Die Spielzeit über das Großfeld soll dann auf zweimal 35 oder zweimal 40 Minuten gesenkt werden. Die Anzahl der Auswechslungen bleibt bei drei. Die Klassenleiter müssen die verminderte Spieleranzahl mindestens zwei Tage vorher genehmigen. Mit wie vielen Spielern gespielt wird, entscheidet die Mannschaft, die das Personalproblem hat. Der Vorteil: Den Vereinen entstehen durch dieses Modell weder zusätzlicher Aufwand noch zusätzliche Kosten durch das Abstreuen des Platzes oder das Anschaffen und Aufstellen kleinerer Tore, was beim acht-gegen-acht oder sieben-gegen-sieben notwendig gewesen wäre. Um Gerechtigkeit gegenüber Vereinen herzustellen, die (fast) immer vollzählig sind, gilt außerdem die Regel, dass bei mehr als zweimaliger Anwendung des Modells das Aufstiegsrecht automatisch erlischt, gleichwohl das Team weiter regulär an der Runde teilnimmt. Das Modell findet nur Anwendung auf die unterste Spielklasse, im Falle Friedbergs also auf die Kreisligen C Friedberg, Gruppe 1 und 2.

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