Fußballgucken im kleinen Kreis: Der Platz im "Postwagen" in der Bad Nauheimer Innenstadt ist begrenzt, die Mitarbeiter müssen mit Mund-Nase-Schutz das Bier zapfen und die Gäste bedienen, die an den Wochenenden die Partien der wieder gestarteten Runde der Fußball-Bundesliga verfolgen. FOTO: CHUC
+
Fußballgucken im kleinen Kreis: Der Platz im "Postwagen" in der Bad Nauheimer Innenstadt ist begrenzt, die Mitarbeiter müssen mit Mund-Nase-Schutz das Bier zapfen und die Gäste bedienen, die an den Wochenenden die Partien der wieder gestarteten Runde der Fußball-Bundesliga verfolgen. FOTO: CHUC

Die Freude überwiegt

  • vonThomas Brannekämper
    schließen

Endlich wieder Bundesliga oder doch Frust, dass die kickende Millionäre etwas dürfen, was der Basis bis auf Weiteres verwehrt bleiben wird. Vor der ersten englischen Woche in den beiden höchsten deutschen Profiligen haben wir Friedberger Klubs nach ihrer Meinung gefragt - und ein recht eindeutiges Ergebnis bekommen.

Die Fußball-Bundesliga hat der Coronavirus-Pandemie zum Trotz seit zwei Wochenenden den Spielbetrieb wiederaufgenommen - mit sogenannten Geisterspielen. Der Bezahlsender Sky verbucht seitdem Rekordeinschaltquoten, die Profis gehen schon wieder in den hautnahen Zweikampf, während an der Basis das Tragen von Schutzmasken eingeübt und Hygieneauflagen für den Restart des Trainingsbetriebs umgesetzt werden. Wie all das im Fußballkreis Friedberg ankommt, etwa ob es gerecht den Amateuren gegenüber ist oder auch welche Erwartungen seitens der Vereine an die Rückkehr ins Profigeschäft geknüpft sind, haben wir in einer Umfrage herausgefunden.

Das Ergebnis: "Endlich wieder Bundesliga" - so lässt sich das Stimmungsbild quer durch die Wetterau zusammenfassen. "Auch wenn die Geisterspiele doch sehr gewöhnungsbedürftig sind, es ist besser als nichts", bringt es Walter Nebel, Spielausschuss beim Kreisoberligisten SV Nieder-Wöllstadt auf den Punkt. Das sieht auch Nils-Arne Wielpütz, Spielertrainer des B-Ligisten SV Ober-Mörlen, so. Er ist allerdings etwas zwiegespalten: "Es hat schon etwas gefehlt - sich Samstagnachmittag mit Freunden zum gemeinsamen Fußballschauen am Sportplatz zu treffen. Insofern freue ich mich schon, das wieder gespielt wird. Auch wenn durch die fehlenden Zuschauer die Attraktivität fehlt. Es fühlt sich an, als ob man ein Trainingsspiel irgendwo in der Saisonvorbereitung schaut."

Kuriositäten im Hygieneplan

"Man hat nach dem Wochenende endlich mal ein anderes Gesprächsthema als nur Corona", kann derweil Steffen Häuser, Vorsitzender des SV Nieder-Weisel dem Restart der Profiligen durchaus auch etwas Positives abgewinnen. Doch auch er ist sich, ebenso wie Markus Marburg, Jugendleiter des FC Rendel, darin einig, das es ohne Zuschauer an Atmosphäre und Stimmung fehlt.

Einigkeit herrscht auch in Sachen Hygienekonzept, das die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zum Restart vorgelegt hat. Dieses sei zwar absolut notwendig, um den Spielbetrieb zu ermöglichen, doch halte es auch einige Kuriositäten bereit. "Spieler kommen getrennt auf den Platz, um sich dann drei Minuten später bei der ersten Ecke durch den Fünfer zu schieben", findet Marburg einige Regeln schon etwas absurd. "Da sitzen die Ersatzspieler auf der Bank in ausreichend Abstand voneinander, laufen sich mit Maske warm. Dann werden diese eingewechselt und knallen sofort in den nächsten Zweikampf. Dies wirkt schon etwas befremdlich", ist auch Wielpütz nicht gänzlich überzeugt. Häuser gibt zu bedenken: "Der Fall Dresden zeigt auch hier klar, das es sicher noch einige Überraschungen geben wird, die man selbst mit diesem Konzept nicht ausschließen kann." Auch Nebel sieht hier eine nicht unerhebliche Gefahr, wagt aber einen optimistischen Ausblick: "Es wäre wünschenswert, wenn Dresden der einzige Fall dieser Art bleibt, und die Bundesligen ihre Runde zu Ende spielen können".

Dass das Hygienekonzept der Bundesligen nicht für den Amateurbereich umsetzbar ist, darin sind sich die Vereinsvertreter allesamt einig. "Wir müssen für uns das Bestmögliche aus den aktuellen Vorgaben umsetzen. Dass es auch im Amateurbereich funktioniert, zeigt die letzte Woche. Wir haben sowohl im Senioren-, als auch im Jugendbereich den Trainingsbetrieb unter den geltenden Bestimmungen wieder aufgenommen. Die Resonanz war sehr positiv, die Spieler sind einfach froh, mal wieder gegen den Ball zu treten", berichten der Nieder-Weiseler Häuser und der Ober-Mörler Wielpütz unisono. Anders sieht es in Nieder-Wöllstadt aus: Hier hat man im Vorstand entschieden, den Trainingsbetrieb noch ausgesetzt zu lassen. Laut Nebel will man hier erst die weitere Entwicklung abwarten.

Am Ende geht es doch ums Geld

Die Gefahr, dass sich der Profifußball von den Amateuren durch die Wiederaufnahme des Spielbetriebes zu sehr abgrenzt, sehen alle Wetterauer Fußballer nicht. "Das sind halt doch irgendwo Wirtschaftsunternehmen, die ihren Job wieder machen müssen, um Verträge zu erfüllen. Auch wenn es schwer ist, das anderen Sportlern im Bekanntenkreis zu vermitteln, wenn hier schon die Meisterrunden abgebrochen wurden", gibt Wielpütz zu bedenken. Häuser ergänzt: "Dass die Profis vor den Amateuren wieder spielen werden, war uns doch allen von Anfang an klar." Marburg schlägt in dieselbe Kerbe: "Natürlich mag man argumentieren, dass der Fußball keine unbedingte Notwendigkeit hat, doch letzten Endes sind die Profivereine riesige Wirtschaftsunternehmen."

Mit Spannung wird von den vier Fußballern derweil beobachtet, ob die aktuelle Krise langfristige Auswir- kungen auf das Verhalten von Vereinen und Spielern haben könnte. "Dies wird ein frommer Wunsch bleiben", ist sich Wielpütz sicher. Und auch Nebel ist pessimistisch: Die Ablösesummen werden sinken, aber sind wir ehrlich, wer glaubt schon an eine Gehaltsobergrenze?"

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare