Gleich fünf Mannschaften aus dem Fußballkreis Friedberg sind freiwillig um mindestens eine Liga nach unten gegangen.
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Gleich fünf Mannschaften aus dem Fußballkreis Friedberg sind freiwillig um mindestens eine Liga nach unten gegangen.

Rückzug

Freiwilliger Abstieg: So wollen fünf Mannschaften aus der Wetterau die Wende schaffen

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Fünf Teams aus dem Fußballkreis Friedberg haben für die neue Saison freiwillig in einer tieferen Liga gemeldet. Es ist ein schmaler Grat zwischen der Furcht vor dem Aus und einer neuen Hoffnung.

Eine solche Entscheidung zu treffen, schmerzt. Oft ist sie aber alternativlos. Fünf Vereine aus dem Wetteraukreis haben eine ihrer Mannschaften für die kommende Saison freiwillig in eine tiefere Liga zurückgezogen. Die Begründungen lauten überall nahezu gleich: (zu) viele Abgänge, lieber Spaß am Fußball haben, statt sich mit einer nicht konkurrenzfähigen Mannschaft regelmäßig abfertigen zu lassen, aber auch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Der eine oder andere habe festgestellt, dass Fußball in der persönlichen Prioritätenliste stark abgerutscht sei, ist häufig zu hören.

Das Positive: Alle Rückzieher gehen dennoch mit Optimismus in die neue Runde. Einerseits, weil der eine oder andere seine Töppen doch wieder vom Nagel heruntergeholt hat, andererseits, weil es ja doch irgendwie immer weitergeht. Die Zuversicht, die Saison zu überstehen - und sei es mithilfe des Norweger-Modells der C-Liga -, ist groß bei der SG Rodheim, beim TSV Ostheim, beim VfR Ilbenstadt, beim SV Blau-Weiß Espa und beim SV Schwalheim II.

SG Rodheim verzichtet freiwillig auf Startplatz in der Kreisliga A Friedberg

SG Rodheim:Vor ziemlich genau einem Jahr ließ die SG Rodheim bei der Rundenbesprechung in Groß-Karben die Bombe platzen. Eigentlich wollte die SGR auch im zweiten Jahr nach dem Aufstieg in die Kreisoberliga Friedberg die Klasse halten, doch eine unvorhergesehene Welle an Abgängen ließ keine Wahl. So startete lediglich die Reserve in der C-Liga in den Spielbetrieb. "Wir werden alles versuchen, nächstes Jahr wieder in der A-Liga an den Start zu gehen", sagte Abteilungsleiter Uwe Wies im Juli 2019. Als einziger Absteiger aus dem Friedberger Oberhaus hätte die SGR Startrecht in der Kreisliga A Friedberg gehabt. Für die kommende Saison haben die Rodheimer wieder für die C-Liga (Gruppe 2) gemeldet. "Stand jetzt bin ich vorsichtig optimistisch, dass wir genügend Spieler zusammenbekommen, um eine Mannschaft aufs Feld zu schicken", sagt Wies heute. Das Ziel sei ein Kader von 22 Spielern. Dafür brauche es aber hier und da noch etwas Überzeugungsarbeit.

TSV Ostheim hofft, irgendwie über den Winter zu kommen

TSV Ostheim:Der Rückzug aus der Kreisoberliga war ein schleichender Prozess. Während der Corona-Pause nahmen die Abgänge dann eine Größenordnung an, die ein weiteres Jahr nur schwer möglich machten. Zehn Spieler, die den TSV verließen, waren in der Summe zu viel. Allein zum Ortsnachbarn SV Nieder-Weisel wechselten mit Dominik Ruppel, Lukas Wanzke, Chris Wanzke und Can Zarifoglu gleich vier Spieler. Dazu hatte auch die Reserve in der C-Liga immer wieder Schwierigkeiten, elf Spieler aufzubieten. Also entschloss man sich beim TSV, mit Trainer Fabian Brücher zu einem Neustart in der B-Liga (Gruppe 1), seit drei Wochen wird wieder trainiert. "Derzeit sieht es gut aus, dass wir am Spieltag 13, 14 Mann zusammenbekommen. Aber es ist schwer, eine Prognose über mehrere Wochen zu treffen", sagt Brücher. Vor allem die Wintermonate bezeichnet der 30-Jährige mit Blick auf einen ausreichend gefüllten Spielbericht als entscheidend: "Dann werden wir sehen, wo wir stehen und wie sich der Kader gefestigt hat. Die Bedenken, dass wir es gar nicht so weit schaffen, sind momentan aber eher in den Hintergrund gerückt." Für eine sportliche Prognose ist in Ostheim ebenfalls noch zu viel ungewiss. Brüchers Wunsch wäre "ein einstelliger Tabellenplatz".

VfR Ilbenstadt will in der C-Liga wieder "oben mitspielen"

VfR Ilbenstadt:Beim VfR hatten sie in den vergangenen Wochen und Monaten einige Rückschläge zu verkraften. Im Februar der Rücktritt von Meistertrainer Daniel Contin, der die Mannschaft in der vergangenen Saison in der Kreisliga A etabliert hatte, dann musste man dem eigentlich schon verpflichteten Savas Yasaroglu als Nachfolger im April wieder absagen. Zu viele Spieler hatten dem Verein den Rücken gekehrt. "Und mit einem derart abgespeckten Kader hätten wir es in der A-Klasse schwer", sagte Spielausschussmitglied Rasit Celikkanat vor etwas mehr als einem Monat. Nun nimmt der VfR unter der Leitung von Christopher Wolf und Markus Fröhlich die Vorbereitung auf die kommende Saison in der Kreisliga C, Gruppe 2, auf. "Wir haben rund 20 Spieler im Kader. Zudem haben wir noch einige Leute in der Hinterhand, die wir bei Bedarf aktivieren können", sagt Celinkkanat. Die Zielsetzung: oben mitspielen. Celinkkanat: "Das sollte schon der Anspruch sein, wenn man aus der A-Liga in die C-Liga kommt."

SV Blau-Weiß Espa will mindestens bis zum Jubiläum durchhalten

SV Blau-Weiß Espa:Der kleine Verein aus dem Langgönser Ortsteil war in der Vergangenheit selten auf Rosen gebettet, was die Quantität des Spielerkaders angeht. Nun haben mehrere Abgänge dafür gesorgt, dass es "nicht möglich ist, eine konkurrenzfähige Mannschaft für den Spielbetrieb in der B-Liga in der neuen Saison zu stellen", sagt der Vereinsvorsitzende Volker Rühl. Die Spieler haben die Entscheidung, in der Kreisliga C anzutreten, mit breiter Mehrheit mitgetragen. Er hat nun alle Hände voll zu tun, den Neustart in der Kreisliga C, Gruppe 1, voranzutreiben, zumal Spielertrainer Christopher Mank aufgrund privater Verpflichtungen zukünftig nur noch Spieler sein kann. Jens Walter übernimmt. "Wir wollen Freude am Fußball haben, die Spielklasse spielt keine vordergründige Rolle", sagt Rühl. Im kommenden Jahr feiert der Verein 40. Geburtstag, "da würden wir gerne noch spielen", sagt der Vorsitzende. Zusagen von Ehemaligen, die aushelfen wollen, halten den Spielbetrieb in Espa derzeit noch am Leben. Rühl ist optimistisch: "Wir werden zu 99,9 Prozent die Saison überstehen. Und dann sehen wir weiter."

SV Schwalheim II ohne Personalprobleme zurück in die C-Liga

SV Schwalheim II:Im Gegensatz zu den restlichen Rückziehern hatten die Schwalheimer keine Welle an Abgängen für die Reserve zu verzeichnen. "Wir waren auch nach der Quotientenregelung deutlich Tabellenletzter. Uns ging es darum, den Jungs den Spaß zurückzubringen", sagt Abteilungsleiter Dennis Harsch. Das soll nun in der Kreisliga C, Gruppe 2, klappen. "Gerade gegen die Teams aus der oberen Tabellenhälfte wurde es oft sehr deutlich. Da ist es vorher auch mal schön zu wissen, dass man nicht auf die Mütze bekommt", sagt Harsch. Trainiert wird schon seit zwei Wochen wieder, wenn auch noch unter den derzeit noch geltenden Einschränkungen. Wer in der kommenden Saison an der Seitenlinie für die Schwalheimer Reserve verantwortlich ist, soll noch geklärt werden. Fest steht, dass die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden soll.

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