Frank Carnevale kommt zurück zum EC Bad Nauheim

(mn) Er personifiziert Emotionen, Motivation, ein grenzenloses Selbstvertrauen und Euphorie – und er kehrt nach Bad Nauheim zurück, "denn diese Stadt hat längst den Titel verdient." Frank Carnevale wird Trainer beim Eishockey-Oberligisten EC Bad Nauheim.

Dort hatte er von Dezember 1997 bis Februar 1999 turburlente wie sportlich erfolgreiche Monate geprägt, die im Umfeld der Roten Teufel noch heute – 13 Jahre später – geradezu glorifiziert werden. Am Freitagnachmittag unterschrieb der mittlerweile 53-jährige Italo-Kanadier einen Einjahresvertrag in der Wetterau, wo wohl nur wenige Namen in der heutigen Zeit gleichermaßen polarisieren und für Gesprächsstoff sorgen.

"Er ist für Bad Nauheim einfach die beste Option", sagt RT-Geschäftsführer Andreas Ortwein, der für diese personelle Entscheidung selbst das eigentlich propagierte Anforderungsprofil der Spielbetriebs GmbH an den künftigen Coach gänzlich über den Haufen geworfen hatte. Deutschsprachig sollte der neue Übungsleiter sein und über detailierte Kenntnisse und Kontakte auf dem nationalen Markt verfügen. Namen wie Thomas Popiesch, Manfred Wolf oder aber Axel Kammerer wurden aufgrund ihrer Referenzen als erste Ansprechpartner gehandelt, standen für ein Engagement in Bad Nauheim aber nicht zur Verfügung. "Wir haben uns in den letzten Wochen mit sehr, sehr vielen gut vernetzten Leuten unterhalten und sind in unserer Überzeugung bestätigt worden, dass Frank Carnevale für uns der Richtige ist", begründet Ortwein den Kurswechsel.

Kein anderer der potenziellen Kandidaten habe sich für die Vorgespräche anhand von Videos und persönlichen Kontakten nach Deutschland auch nur annährend intensiv und gewissenhaft mit den Roten Teufeln, deren sportlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten sowie deren Spielermaterial auseinandergesetzt. Zudem habe Carnevale von sich aus eine stark erfolgsabhängige Entlohnung ins Gespräch gebracht. "Und das zeigt, dass Ergebnisse und nicht das Geld im Vordergrund stehen."

Mit Jakob Platzer, der als damaliges Vorstandsmitglied die Trennung von Carnevale mitgetragen hatte – unter anderem waren dem Coach Kompetenzanmaßung und mangelnde Teamfähigkeit vorgeworfen worden – hatten die GmbH-Funktionäre in diesen Tagen neben sportlichen auch über charakterliche Eigenschaften des künftigen Angestellten gesprochen. Gerüchte über menschliche Schwächen Carnevales während seines ersten Engagements in der Kurstadt sind bis heute nicht verstummt. Vieles, sagt Ortwein, sei im Kern überhaupt nicht so, wie es noch immer erzählt werde. Zudem sei auch ein Frank Carnevale inzwischen 13 Jahre älter und reifer geworden. "Wir wollen einen Trainer, der uns vorantreibt, der hier etwas bewegt, der Emotionen schafft.

Und wenn’s dabei einmal raucht, dann gehört das eben auch dazu. Strukturell sind wir heute allerdings ganz anders aufgestellt. Und klare Arbeits- und Verantwortungsbereiche sind vertraglich geregelt", sagt Ortwein, der in der Entscheidungsfindung Werbepartner eingebunden und viel Zuspruch erhalten hatte.

Nach seinem überstürzten Abschied aus Bad Nauheim war es um Frank Carnevale ruhig geworden. Den Zweitligisten Freiburg hat der Italo-Kanadier später noch sportlich beraten. In den letzten Jahren hat sich Carnevale allerdings auf seine Eishockey-Schule und Trainer-Tätigkeiten in der kanadischen Nachwuchsliga OHL gekümmert und den sportlichen Werdegang seines talentierten Sohnes Tylor (spielt ab nächster Saison in einem Profi-Team, dann sind beide Carnevale-Söhne aus dem Haus) konzentriert. Im Frühjahr organsiert er eine Sommer-Liga, in der Profis die Zeit bis zur offiziellen Saisonvorbereitung überbrücken. Zuletzt fehlende Praxis im Coaching von Erwachsenen betrachtet Ortwein gelassen. "Wir wollen doch einen Coach, der mit jungen Leuten arbeiten kann."

Den direkten Draht in die Kurstadt hatte Frank Carnevale über die sozialen Internet-Netzwerke wiederhergestellt. Dem 53-Jährigen imponierte, was er da in diesem Winter zu hören und zu sehen bekam. Die Serie von 20 Siegen in Folge, das ausverkaufte Colonel-Knight-Stadion, die Duelle mit Frankfurt und Kassel und die realistische Möglichkeit auf den Titelgewinn. Immer mal wieder klingelte das Telefon auch in der WZ-Sportredaktion, erkundigte sich Carnevale nach Perspektiven und war – als die Trennung von Fred Carroll beschlossen war – wie besessen von der Idee, "Bad Nauheim die längst verdiente Meisterschaft zu schenken". "Wenn der Klub Erfolg möchte, dann sehe ich keinen Grund, mich nicht zu verpflichten", hatte Carnevale unlängst mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein gesagt. Sein erstes Engegament begann an Weihnachten 1997. Sein Auftrag, als Nachfolger von Craig Topolnisky und Zwei-Spiele-Interimstrainer Erich Kühnhackl: den EC Bad Nauheim in die eingleisige Bundesliga (zweithöchste Spielklasse) zu führen. Dies gelang mit sieben Siegen in Folge. Mit Playoff-Erfolgen gegen Essen und Iserlohn zog Bad Nauheim später doch überraschend in das Finale gegen Neuwied ein.

Unvergessen: das Playoff-Halbfinale gegen Iserlohn, als Frank Carnevale und Greg Poss als Coach der Sauerländer in der Drittelpause an den Mannschaftsbänken wild aufeinander eingeprügelt haben. An jenem siegreichen Abend verwandelte der Tod von RT-Stürmer Marc Teevens eine Stunde nach Spielende die Freude in Trauer.

Im folgende Sommer lockte Frank Carnevale Ex-DEL-Profis wie Marc West und Dino Felicetti in die Kurstadt und kannte nur ein Ziel – den Titel. Der sportliche Höhenflug war von einer wirtschaftlichen Gratwanderung begleitet. Mit der Verpflichtung von Manager Jörg Hiemer, den Carnevale im sportlichen Bereich nicht als Vorgesetzten akzeptieren wollte, waren die Tage des Coaches in Bad Nauheim gezählt. Nur eine Woche nach der Einstellung von Hiemer wurde Carnevale entlassen. Für Hiemer, einem Ex-Profi von Eintracht Frankfurt, glich das kommende Heimspiel einem Spießrutenlauf. Der Mannschaft hatte die Trennung zugesetzt. Auf Interimslösung Thomas Barczikowski folgte schließlich Miroslav Berek. Bad Nauheim erreichte in der erfolgreichsten Spielzeit seit dem Bundesliga-Rückzug 1982 das Playoff-Finale und verlor das legendäre fünfte Spiel am Westbahnhof in Essen durch einen einzigen Treffer nach Penaltyschießen.

Mit Motivator Frank Carnevale an der Bande – da waren sich Spieler wie Fans in den folgende Tagen einig – hätte Bad Nauheim den Titel geholt.

Frank Carnevale wird Mitte August in der Kurstadt erwartet. Zuvor werden die Telefondrähte zwischen Bad Nauheim und Ontario glühen, wenn es darum geht, die Mannschaft zusammenzustellen.

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