Sreto Ristic hat beim Regionalligisten Kickers Offenbach das Traineramt übernommen. FOTO: HÜBNER:
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Sreto Ristic hat beim Regionalligisten Kickers Offenbach das Traineramt übernommen. FOTO: HÜBNER:

Fragwürdige Investitionen

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(cd/jm). Nach den jüngsten Personalentscheidungen häufen sich im Umfeld des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach die Fragen. Dass der OFC einerseits mehr finanzielle Hilfe von Bund und Land fordert, sich andererseits aber als Tabellenvierter einen Trainerwechsel leistet und durch die Verpflichtung von Charles Elie Laprevotte den Kader für die Mammut-Saison auf die stattliche Anzahl von 29 Spielern aufgestockt hat, wird teilweise als Widerspruch aufgefasst. Dessen ist sich auch Joachim Wagner bewusst.

Der OFC-Präsident stellt jedoch klar, dass weder die Verpflichtung Laprevottes noch der am 30. Dezember vollzogene Trainerwechsel (Sreto Ristic und Marijan Kovacevic kamen für Angelo Barletta und Dennis Bochow) eine Mehrbelastung für die Profi GmbH des OFC darstelle. Ins Detail wollte der Aufsichtsratschef nicht gehen. Bei den Trainern habe die "vertragliche Ausgestaltung" eine kostenneutrale Lösung ermöglicht, so Wagner. Da die Kickers keine Vertragsdetails mehr kommunizieren, seit Thomas Sobotzik im November 2019 das Amt des Geschäftsführers übernommen hat, trägt die Aussage von Wagner jedoch nur bedingt zur Aufklärung des Widerspruches bei.

Unseren Informationen zufolge sind die bis Saisonende abgeschlossenen Verträge mit Barletta sowie Bochow weiterhin gültig. Ristic und Kovacevic sollen Arbeitspapiere bis 2022 erhalten haben. Eine mögliche Erklärung: Der angehende Fußballlehrer und sein Assistent, der die höchste Trainerlizenz bereits hat, werden bis zum Rundenende extern bezahlt. Wagner sagt zur wirtschaftlichen Situation lediglich: "Wir schauen sehr genau auf die Finanzen und geben das Geld nicht mit vollen Händen aus."

Fakt ist aber, dass der OFC diese Saison sehr viel investiert hat, um erfolgreich zu sein. Der große Kader soll möglicherweise weiteren Zuwachs erhalt e n - durch Leon Schneider (20). Der vom 1.FC Köln an Drittligist KFC Uerdingen verliehene Defensiv-Allrounder hat bei den Kickers bereits mittrainiert. Er wäre Spieler Nummer 30 im Kader. Zwei (Abu Bakarr Kargbo und Maurice Pluntke) werden aktuell aufgrund langer Verletzungspausen von der Berufsgenossenschaft bezahlt. Dennoch ist davon auszugehen, dass der OFC versuchen wird, Akteure abzugeben. Um hier tatsächlich Kosten einzusparen, ist Verhandlungsgeschick nötig - wie im vergangenen Winter, als zahlreiche Verträge (gegen Abfindung) aufgelöst wurden.

Auch das Team ums Team ist keineswegs klein, umfasst neben dem Chefcoach und dessen Assistenten unter anderem Scout Ramon Berndroth, Torwarttrainer Rene Keffel sowie Teammanager Bernd Winter. Hinzu kommen Honorarkräfte oder geringfügig Beschäftigte - und natürlich die Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Und: Die Kickers verzichteten bewusst auf den Gang in die Kurzarbeit, um bestmöglich auf die Fortsetzung der Saison vorbereitet zu sein. "Wir wollen in einer schwierigen Situation unbedingt die sich bietende Chance ergreifen. Und dem ordnen wir alles unter", betont Wagner, der wie alle anderen Verantwortlichen bei den Kickers fest davon überzeugt ist, dass der OFC diese Saison die realistische Möglichkeit hat, endlich aufzusteigen: "Es gibt keine Übermannschaft. Unser Kader ist auf allen Positionen topbesetzt und muss sich vor keinem Team in dieser Liga verstecken."

Wie ernst es die Kickers meinen, zeigt zudem die Tatsache, dass sie auch vor Gericht alle Mittel ausschöpfen. Mit ganz unterschiedlichem Erfolg. Gegen die Stadt Offenbach gewann der OFC, im Fall TSG Balingen hingegen nicht. Ex-Spieler Moritz Hartmann ist in die Berufung gegangen - wie Nejmeddin Daghfous, dem fristlos gekündigt worden war, weil er Luigi Campagna nach einem Disput im Training per Faust die Nase gebrochen hatte.

In erster Instanz bekamen die Kickers Recht. Nun haben sich beide Seiten auf einen Vergleich geeinigt. Die fristlose Kündigung für Daghfous (34) wird in eine einvernehmliche Trennung zum Juni 2020 umgewandelt (eigentlich wäre der Vertrag bis 2021 gelaufen). Der Topverdiener der vergangenen Saison soll bis zu diesem Zeitpunkt sein Gehalt vom OFC erhalten. Vorteil für Daghfous: Er kann sich nach Abschluss des Verfahrens einen neuen Verein suchen. Ein Engagement im Sommer bei Ligarivale FC Gießen war aufgrund des schwebenden Verfahrens gescheitert.

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