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Von Formfehlern und Spitzfindigkeiten

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(mn) Verbands-Bürokratie, die Fortsetzung - und es wird immer kurioser. Jetzt prüft man beim Eishockey-Oberligisten EC Bad Nauheim die Chancen, die beiden nicht-gewonnenen Punkte aus dem Heimspiel gegen Duisburg (3:4 n.V.) nachträglich verbuchen zu können. Der Hintergrund: Gäste-Spieler Janne Kujala soll seinen Spielerpass erst nach der Partie in der Schiedsrichter-Kabine unterschrieben haben.

Trotz Ohrenzeugen beim Besuch des finnischen Profis samt Betreuerin beim Unparteiischen, der RT-Geschäftsführer Andreas Ortwein den Zutritt in jenem Moment verweigerte, dürfte die Beweisführung schwierig werden. Im Gespräch mit dem RT-Chef bestritt der Referee anschließend diese verspätete Unterschrift und erklärte, dass er sich lediglich mit dem Spieler habe unterhalten wollen. Bei den Roten Teufeln reagiert man nach den Erfahrungen der letzten Tage eben besonders sensibel auf Ungereimtheiten in Sachen Spielgenehmigung. »Wir müssen aber weg von juristischen Spitzfindigkeiten und hin zum Sportlichen«, sagte der 32-Jährige, der diesbezüglich von weiteren Schritten wohl absehen dürfte und lieber von einem alles in allem gelungenen Heimdebüt sprechen wollte. »Wir haben gesehen, dass wir mit den Top-Klubs mithalten können.« Außerdem dürfe man die schwierige Vorbereitung nicht vergessen. Am Freitag hatten die Badestädter in Dortmund im Penaltyschießen zwei Punkte gewonnen (3:2 n.V.).

Fred Carroll sieht seine Mannschaft bei »rund 75 Prozent« ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. »Uns fehlt eben die Spielpraxis gegen höherklassige Klubs«, sagt der RT-Trainer. Selb, Erfurt und Neuwied seien da nunmal kein Maßstab. »Wir sind ja quasi noch in der Vorbereitung. Dafür hatten wir ein gutes Tempo im Spiel und die Möglichkeit, im ersten Drittel auf 3:1 zu erhöhen. Leider haben wir dann die Partie etwas aus der Hand gegeben«, bemängelte der Kanadier, der am Wochenende vergleichsweise häufig die sogenannte vierte Reihe zu bringen versuchte. »Unsere Extra-Energie. Die Jungs sollen den anderen Luft zum Durchatmen geben«, sagt Carroll - und vielleicht hat sich gerade diese Maßnahme während der kräfteraubenden Unterzahl-Situationen in Dortmund ausgezahlt.

Die obligatorische Pressekonferenz nach dem Heimspiel fand erstmals in den neuen VIP-Räumlichkeiten des Drittligisten statt, nämlich im einstigen Stadion-Restaurant.

Rund 140 Gäste - darunter Bürgermeister Bernd Witzel und zahlreiche Stadtparlamentarier - konnte die GmbH begrüßen und diese ließen zugleich erkennen, welches Marketing-Potenzial der Umzug aus dem beengten Nachwuchs-Gebäude in das geräumige Restaurant bietet. »Das ist eine riesige Chance für uns«, weiß Ortwein, der diesbezüglich deutlich mehr Lob von Werbepartnern als Kritik verärgerter Restaurant-Stammkunden zu hören bekam.

Draußen, auf dem Eis und den Tribünen, weckte das Spiel gegen den langjährigen Wegbegleiter aus der Wedaustadt trotz der Niederlage durchaus eine gewisse Vorfreude auf das nächste Heimspiel. Die RT-Mannschaft - nach starkem Auftakt durch einen Treffer aus der neutralen Zone während des schwachen zweiten Durchgangs in Rückstand geraten - steckte nicht auf und wurde schließlich mit zumindest einem Punktgewinn belohnt. In der Kurve feierten die Zuschauer derweil ihre hessische Vormachtstellung (»Die Nummer eins im Land sind wir«).

Während die Roten Teufel im Eissportzentrum Dortmund dank glänzender Unterzahl-Verteidigung zwei Zähler sichern konnten, hockte Marvin Bauscher geknickt auf der Tribüne. Selbst eineinhalb Wochen nach dem Punktabzug wegen nicht unterschriebener Anti-Doping-Vereinbarungen war dessen Spielberechtigung nicht definitiv geklärt. In diesem Fall fehlte auf dem Dokument offenbar das korrekte Datum, welches - trotz mehrerer Telefonate - erst am Freitag von der Passstelle angemahnt worden war. Die Fahrt nach Dortmund nutzte Ortwein deshalb zu einem Abstecher nach Köln, wo die Original-Unterlagen spätabends in den Briefkasten gesteckt wurden. Ein Handy-Foto zum Beweis wurde auch »geschossen« - man kann ja nie wissen.

Der Fall Bauscher steht derzeit nämlich exemplarisch für viele administrative Vorgänge, die den EC Bad Nauheim derzeit im Zusammenhang mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen beschäftigen. An erster Stelle: der Punktabzug vom Hamm-Spiel am 24. September. Mit Schreiben vom 30. September hatte der Kontrollausschuss den Klub auf dessen Verstoß und seine siebentägige Frist zur Stellungnahme hingewiesen. Am 7. Oktober abends hatte die Spielbetriebs GmbH ihre Sicht der Dinge dargelegt und bereits am nächsten Morgen - mit Datum vom Vortag (!) das Urteil zugestellt bekommen.

»Das Urteil war also schon gefällt, bevor unsere Widerspruchsfrist abgelaufen war«, wundert sich Ortwein, der gegen diesen »Formfehler« Einspruch eingelegt hat.

Eine zweite »Baustelle«: die Verlegung der Partie in Essen. Zunächst hatte der Verband die Partie ohne RT-Zustimmung abgesagt, dann war seitens der Ruhrstädter die Frist zur einvernehmlichen Terminfindung mit den Roten Teufel überschritten worden und schließlich - nachdem beide Klubs auf einen gemeinsamen Nenner gekommen waren - wurde eben jener 9. November mit Verweis auf die Länderspielpause abgelehnt. Stattdessen wurden die Hessen nun aufgefordert, einem der von Moskitos-Seite gewünschten Dienstag-Termine zuzustimmen. Auffällig: den vorangehenden Sonntag sind die Moskitos entweder spielfrei oder treffen auf die vermeintlich schwachen Konkurrenten Königsborn und Neuss. »Manches läuft schon außergewöhnlich«, musste Andreas Ortwein feststellen, zumal auch der Einsatz von Förderlizenzspielern der am letzten Sonntag spielfreien Krefeld Pinguine geplatzt war. Da muss der Fehler dann aber in den eigenen Reihen gesucht werden. Bei der Passstelle waren bezüglich dieser Zweitspielberechtigung von Krefeld die Formblätter der ESBG und nicht die des Landesverbands eingereicht worden.

Dass diese Förderlizenzspieler aber - wie schon für den DEL-Spielerpass - erneut die Anti-Doping-Bestimmungen unterschreiben müssen, weil gleichartige DEL-Formulare nicht anerkannt werden, ist dann aber sicherlich der Bürokratie geschuldet.

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