Siegerjubel: Mit den Frankfurt Pirates hat Bo Lockl (l.) den Aufstieg in die German Football League 2 geschafft. Bis es dort zur Sache geht, dauert es aber noch. FOTO: TINA TRIPPENS
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Siegerjubel: Mit den Frankfurt Pirates hat Bo Lockl (l.) den Aufstieg in die German Football League 2 geschafft. Bis es dort zur Sache geht, dauert es aber noch. FOTO: TINA TRIPPENS

Bewegungstalent

Footballer und Fußballer: So verbindet Bo Lockl beide Sportarten

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Bo Lockl ist ein Bewegungstalent. Als Fußballer und Footballer hat der 22-Jährige zuletzt den Sprung in die nächsthöhere Liga geschafft. Sein Trainingsplan wird dadurch nicht dünner - sein Ehrgeiz aber umso größer. 

Hin und wieder benutzt Bo Lockl während des Gesprächs das Wort lebensmüde. Zum Beispiel wenn er davon erzählt, dass er nicht zu jeder Trainingseinheit geht. "Das wäre ja lebensmüde", sagt er dann. Oder als er erzählt, wie er versucht hat, bei den Intervalläufen seines Bruders Per mitzuhalten, der für die U 23 des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach spielt. "Was der macht, ist lebensmüde, auf einem ganz anderen Fitness-Niveau."

Dabei ist Bo Lockl ein aufgeweckter junger Mann und alles andere als unfit. Aus sportlicher Sicht ist er sogar ziemlich erfolgreich. Mit dem SSV Heilsberg ist er "verdient", wie er sagt, in die Kreisliga A Friedberg aufgestiegen. Und mit den Frankfurt Pirates wurde der 22-Jährige Meister der Football-Regionalliga Mitte und wollte eigentlich in der kommenden Saison in der German Football League 2 an den Start gehen - dieses Vorhaben ist nach dem Verzicht der Pirates zunächst mal um ein Jahr verschoben worden.

Das ändert aber nichts daran, dass Lockl unter der Woche nur auf Achse ist. Montags, mittwochs und freitags steht Football-Training im Frankfurter Rebstockpark auf dem Plan, dienstags und donnerstags Fußball auf dem Heilsberg, obendrauf geht der angehende Kaufmann für Marketing und Kommunikation noch zum Krafttraining ins Fitnessstudio - allerdings ist er bekanntermaßen ja nicht lebensmüde, also fällt hier und da eine Einheit dem Arbeits- und Privatleben zum Opfer.

Mit Freestyle-Football fing alles an

Die Trainingspause während der Coronavirus-Pandemie war für das Bewegungstalent nicht leicht, zumal er gemerkt habe, dass er kein Dauerlauf-Typ sei. Dass ihm sein Bruder mit dessen "lebensmüden" Fitness-Niveau auch ständig davongelaufen ist, war da auch nicht hilfreich.

Fußball und Football verbinden sich meistens nur, wenn ein Fußballer mit einem kräftigen Spannschuss als Kicker engagiert wird, um das Football-Ei durch die Torstangen zu jagen. Die Geschichte von Lockl ist das komplette Gegenteil. "Beim Fußball hat mich gestört, dass man so wenig in die Zweikämpfe gehen darf", sagt er, und bei einer Körpergröße von 1,65 Meter sind das schon markige Worte.

Zunächst traf sich Lockl als 13-Jähriger mit Kumpels zu einer Art Freestyle-Football. "Wir haben uns auf dem Feld einfach über den Haufen gerannt", sagt er. Das war 2011, die Popularität des Nationalsportes aus Übersee war mit der heutigen (TV-)Präsenz nicht zu vergleichen.

Schließlich war es sein Kumpel Moritz Schmidt, Torwart beim SSV Heilsberg, der Lockl von seinem Football-Probetraining erzählte. "Zum ersten Spiel von Moritz bin ich mitgefahren und habe in der Halbzeit mit einem der Trainer ein paar Bälle geworfen. Dann wurde ich direkt zum Training eingeladen", erzählt Lockl

Mit 13 Jahren startete er also in die neue Sportart. Seine Position: Wide Receiver. Lange Zeit fing Lockl die Pässe von Kumpel Schmidt, der nun als Saftey in der Defense spielt, und trug sie in die Endzone, Gemeinsam liefen sie zwischen 2013 und 2015 für die U 17-Hessenauswahl auf.

Zwei passende Puzzleteile

Die Position des Wide Receivers erfordert viel Athletik, Koordination und Kreativität. "Tempo und Antritt sind meine Stärke", sagt Lockl. Die braucht er auch, um sich von seinem Gegenspieler zu lösen und sich so Raum für den Passempfang zu verschaffen. Dazukommt: "Als Fußballer spiele ich am liebsten im Zentrum. Schnelle Richtungswechsel sind durch meinen niedrigen Körperschwerpunkt mein Ding. Und ich habe gelernt, meinen Körper einzusetzen", sagt Lockl. Zwei passende Puzzleteile. Ihm ist aber auch klar, dass er mit seiner Statur in den Vereinigten Staaten "aufgegessen" werden würde. "Das Schöne am Football ist aber, dass man mit jedem Körpertyp etwas anfangen kann. Man muss nur wissen wie", sagt er.

Auch als Fußballer erfolgreich: Bo Lockl ist zuletzt mit dem SSV Heilsberg in die Kreisliga A Friedberg aufgestiegen. FOTO: TIX

Nun ist aber zumindest was den organisierten Spielbetrieb angeht erst mal Football-Pause. "Die Entscheidung, nicht zu spielen, war eine des gesamten Vereins. Es ist zwar schade, aber unter den gegebenen Voraussetzungen ist es die richtige Entscheidung", sagt Lockl. Seine Heilsberger Teamkollegen werden darüber nicht allzu böse sein. Denn, dass gibt Lockl offen zu: "Football ist da meine Nummer eins. Erstens geht die Saison normalerweise nur über drei Monate, zweitens sind es deutlich weniger Spiele als beim Fußball."

Und so bietet sich für Lockl eine unerwartete Gelegenheit. "Jetz kann ich mich auf eine Sportart konzentrieren. Das hatte ich auch seit fünf Jahren nicht mehr." Immer das Positive sehen, das ist ein klassischer Lockl. FOTO: JAUX

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