Florstadts "Party-Truppe" mit Her(t)z wieder trainierbar

Man muss schon ein wenig genauer hinschauen, um den FC Nieder-Florstadt im Gesamtklassement der mit 20 Teams bestückten Fußball-Kreisoberliga Friedberg zu erspähen. Vorne, in der Spitzengruppe, sind sie nicht zu finden, und hinten, in der Abstiegszone, sucht man die Kicker aus dem Herzen der Wetterau ebenfalls vergeblich.

Trainer Torsten Hertz und seine Mannschaft rangieren irgendwo dazwischen, genauer gesagt auf Position 13. Im Niemandsland. Dort, wo alle Katzen grau sind und die Gefahr, im Fokus der Öffentlichkeit nur eine Randrolle zu spielen, riesengroß ist.

Neun Siege, zwei Unentschieden und elf Niederlagen ergaben zum Jahreswechsel summa summarum 29 Punkte. Eine Zwischenbilanz, die niemanden aus den Socken haut. Nieder-Florstadts Spielausschuss-Boss Armin Kling und Coach Hertz mit diesen Fakten zu konfrontieren, kann man sich getrost sparen - beide wissen selbst am Besten, dass auf dem Waldsportplatz Wunsch und Wirklichkeit im bisherigen Saisonverlauf nicht immer in Einklang zu bringen waren. Bleibende Schäden braucht man nach Ansicht von Armin Kling dennoch nicht zu fürchten: "Eher das Gegenteil ist der Fall. Es herrscht Aufbruchstimmung".

Als bestimmender Faktor dieser positiven Prognose sei, so Kling, die frühzeitige Vertragsverlängerung mit Torsten Hertz anzusehen: "Mag sein, dass wir unserem eigenen Anspruch, auf einstelliger Tabellenebene zu überwintern, nicht gerecht geworden sind. Aber an der Arbeit des Trainers seit Sommer vergangenen Jahres gibt es nichts zu kritisieren. Torsten genießt in Mannschaftskreisen und im Spielausschuss höchsten Respekt. Was er sagt, hat Hand und Fu?. Und eben deshalb sei es die vordringlichste Aufgabe gewesen, den 39-jährigen Übungsleiter, der einst unter Jürgen Loos beim Hessenligisten KSV Klein-Karben als Co-Trainer fungierte und zu aktiven Zeiten unter anderem in Niederursel, bei der SG Ober-Erlenbach und bei der TSG Nieder-Erlenbach zu den Leistungsträgern zählte, längerfristig an den Verein zu binden: "Das bringt Planungssicherheit".

Klingt nach neuer Qualität. Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass in den vergangenen Jahren den jeweiligen Übungsleitern gerade beim FC Nieder-Florstadt keine allzu lange Verweildauer beschieden war. Die Folge dieses Zick-Zack-Kurses: Sarkastische Zeitgenossen, die das Team des FCN als "Party-Truppe" oder "die Untrainierbaren" titulierten, waren selbst in den eigenen Reihen zu finden. Torsten Hertz kennt diese Geschichten. Ein Problem hat er damit nicht: "Das ist Schnee von gestern, mittlerweile ziehen alle an einem Strang". Jedenfalls hätten jene Cracks, die er als Leistungsträger für eminent wichtig halte, bereits für die nächste Meisterschaftsrunde zugesagt: "Wäre das nicht geschehen, hätte ich auch nicht verlängert".

Dabei sei, so Hertz, in Nieder-Florstadt beileibe nicht alles Gold, was glänzt: "Mir geht’s im Prinzip wie dem Michael Skibbe bei der Frankfurter Eintracht. Um sportlich höhere Ziele in Angriff nehmen zu können, wären qualitative Verstärkungen zwingend erforderlich. Doch die bekomme ich nicht, weil dafür das Geld fehlt".

Man müsse halt kleinere Brötchen backen, sich gedulden und versuchen, insbesondere die von August bis Dezember zu Tage getretenen Leistungsschwankungen Schritt für Schritt abzubauen: "Klappt’s bis Ende Mai mit dem Sprung unter die besten zehn KOL-Klubs, wäre das angesichts unseres vergleichsweise kleinen Kaders als beachtlicher Erfolg zu werten".

Kann sein, dass sich der Nieder-Florstädter Coach in Sachen Kader-Ausstattung ein wenig in Zurückhaltung übt, um die Konkurrenz nicht wach zu rütteln. Fakt ist: Mit Stürmer Bent Birsin (SC Dortelweil), Abwehrspieler Florian Köhler (TSG Nieder-Erlenbach) und Keeper Boris Vetter (FC Kaichen) haben sich in der Winterpause drei neue Spieler dem Klub angeschlossen - Devis Fiechter und Dominik Seim werden nach längerem Fehlen wohl wieder zum KOL-Stammpersonal zählen.

Zusammen mit den Keepern Raphael Weber, Thorsten Berka und Pascal Seidel, Libero Timo Blumenstock und seinen defensiven Mitstreitern (Daniel Buckup, Boris Weber, Christian Hilß, Benjamin Müller), den Mittelfeldspielern Stefan Meiss, Jan Dombrowsky, Sebastian Huber, Florian Schoch und Sven Höller sowie Torjäger Sascha Bingel, der bereits 18 Mal ins Schwarze getroffen hat, ergibt das eine durchaus schlagkräftige Truppe, die an guten Tagen jeden Kreisoberliga-Kontrahenten auf die Hörner nehmen kann.

Diesem Anspruch auch gerecht zu werden, ist Torsten Hertz und seinen Leuten zunächst am 21. Februar im Nachholspiel zu Hause gegen den Türkischen SV Bad Nauheim vergönnt. Derzeit laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren, Trainingsauftakt - in der Halle - war am 13. Januar. Zu Buche stehen bislang die souveräne Qualifikation für die Zwischenrunde der Hallenfußball-Kreismeisterschaft sowie am vergangenen Wochenende binnen 24 Stunden der 4:0-Sieg beim FC Hessen Massenheim und das 3:3-Remis beim SSV Heilsberg. Vier weitere Test-Partien in Ober-Erlenbach (30. Januar/14 Uhr), bei Eintracht Oberursel II (6. Februar/14 Uhr), beim SV Nieder-Wöllstadt (13. Februar/14 Uhr) sowie am 14.

Februar bei Concordia Eschersheim (14 Uhr) sollen - falls das Wetter mitspielt - die FC-Cracks auf Top-Form trimmen, um später dann die klubinterne Saison-Zielvorgabe - KOL-Platz neun oder besser - doch noch Realität werden zu lassen. Uwe Born

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare