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Lokalsport

Finanziell auf Sparflamme

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Ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. Die Verlängerung des Lockdowns bringen den Amateursport immer mehr in Schwierigkeiten. Vor allem mit Blick auf den Spielbetrieb. Wie gehen die Vereine mit der Situation um?

In der Fußball-Hessenliga oder auch der Handball-Oberliga erhalten Trainer und Spieler zu einem großen Teil Aufwandsentschädigungen. Was aber machen die Klubs, die nun wieder zum Nichtstun verdammt sind, zumal man auch noch nicht mal Training anbieten kann? Wir haben mit Vertretern des Fußball-Hessenligisten FSV Fernwald, des Fußball-Gruppenligisten SKV Beienheim, der Handball-Oberligisten TV Peterweil und HSG Pohlheim und den Volleyball-Abteilung des TV Waldgirmes gesprochen.

Bei Hessenligist FSV Fernwald, der sportlich gesehen als Tabellenelfter im Mittelfeld zu finden ist, läuft faktisch gesehen seit Ende Oktober nichts mehr. Der Spielbetrieb wurde unterbrochen, auch Training war nicht mehr möglich. »Die Jungs waren laufen, viel mehr war nicht machbar«, sagt Marko Semlitsch, seines Zeichens der Sportliche Leiter. Das ist die eine Seite, doch in Sachen Wegfall der Einnahmen ist man beim FSV auf der Suche nach dem Königsweg: »Natürlich fehlen die Einnahmen, obgleich es Ausgaben gibt. Wir müssen uns schon überlegen, wie wir das bündeln können«, so Semlitsch weiter. Wie man das letztlich stemmen wird, bleibt abzuwarten, aktuell gibt es noch zu viele Unwägbarkeiten. Zu denen gehört, wann die Saison überhaupt fortgesetzt werden kann. Sein letztes Punktspiel hat der FSV am 25. Oktober des Vorjahres bestritten (1:2 gegen den KSV Baunatal), weiter gehen soll es am 20. Februar, dann würde die Mannschaft von Trainer Daniyel Bulut auf den FC Eddersheim treffen. Doch Semlitsch hat so seine Zweifel, ob der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. »Ich habe nicht das Gefühl, dass man zu diesem Zeitpunkt schon weiterspielen kann. Vielleicht im April.« Der Sportliche Leiter geht auch davon aus, dass man in der Hessenliga lediglich die Vorrunde bestreiten kann. Bei 20 Mannschaften, das entspricht 38 Spieltagen, nachvollziehbar. Ständige englische Wochen wären für quasi alle Klubs, um die komplette Runde zu absolvieren, praktisch nicht machbar. »Die meisten Spieler haben ja einen Beruf, wie soll das gehen, wenn sie Woche für Woche Mittwoch und Samstag spielen sollen?«, fragt Semlitsch. Da der Klub seit Ende Oktober in der Schwebe ist, ist auch in Sachen Finanzen Flexibilität unabdingbar - auch in den kommenden Monaten.

Einfacher stellt sich die Situation beim Fußball-Gruppenligisten SKV Beienheim dar. Pressesprecher Stefan Raab erklärt: »Wir haben keine festen Verträge. Aufwandsentschädigungen entstehen dem Verein nur bei Training, Spiel und Punkten.« Dementsprechend hat man bei der Fußball-Abteilung derzeit keine Probleme, was den Spielbetrieb angeht. Raab ergänzt aber: »Aber der Verein muss Versicherungen oder Beiträge für den Verband abführen, das bleibt.« Was den weiteren Ablauf der Saison angeht, hofft er, dass »man Anfang April« wieder einsteigen kann. »Zumindest könnte man dann ohne Probleme die Hinrunde noch spielen, dann hätte man auch eine Grundlage für die sportliche Bewertung der Saison.«

Handballer in der Warteschleife

Während im Fußball-Bereich in ganz Deutschland zwischenzeitlich gespielt werden konnte, stellt sich die Situation im hessischen Handball gänzlich anders dar. Geplant war der Start der Saison 2020/2021 für Mitte Oktober 2020, aufgrund der weiteren Beschränkungen fiel dieser aber mit ganz wenigen Ausnahmen flach.

Zu den Vereinen, die noch kein Ligaspiel bestritten haben, gehört Aufsteiger TV Petterweil aus der Wetterau. Martin Peschke, in Personalunion Trainer und stellvertretender Abteilungsleiter, geht ohnehin nicht davon aus, dass die Runde überhaupt noch mal gestartet werden kann. »Wenn man tatsächlich spielen würde, dann hätte man nach Ende des Lockdowns drei Wochen Vorbereitung, um zu beginnen. Das wäre Wahnsinn. In drei Wochen Spieler fit zu bekommen, ist unmöglich. Das wäre eine Farce.« In Sachen Aufwandsentschädigung hat sich der Klub auch klar positioniert. »Unsere Spieler erhalten Aufwandsentschädigungen, aber die sind bei uns ohnehin minimal. Sponsoren und Unterstützer helfen uns da. Ich selbst aber verzichte auf meine Entschädigungen«, erklärt Peschke weiter. Ein weitreichenderes Problem sieht er aber für den Nachwuchsbereich. »Man muss einfach sehen, dass vielleicht Kinder und Jugendliche, die Sport getrieben haben, aufgrund der letzten Monate und den damit einhergehenden Maßnahmen nicht mehr kommen. Das wird dann für viele Sportarten ein Problem.«

Zu den Klubs, die ebenfalls noch kein Punktspiel in dieser Runde bestritten haben, gehört die HSG Pohlheim, die ihre sportliche Heimat auch in der Oberliga Hessen hat. Gut vorbereitet auf die Saison sah Trainer Jens Dapper seine Truppe, ehe das Zwangsaus kam. Da auch kein Training möglich war, halten Verantwortliche und Team Kontakt per Videokonferenz. »Ich gehe aber davon aus, dass Spieler, die sich in diesem Bereich bewegen, von sich aus etwas tun«, sieht Dapper die Akteure in der Pflicht, fit zu bleiben.

Hinsichtlich möglicher Aufwandsentschädigungen hat der Verein bereits Anfang November reagiert. »Wir haben ausgehandelt, dass wir keine Entschädigungen zahlen, da ja den Spielern und Trainern kein Aufwand entstanden ist - und alle haben das akzeptiert«, sagt Patrik Marsteller, seines Zeichens der erste Vorsitzende der HSG Pohlheim. Klar ist aber auch, sollte die Saison tatsächlich starten, dann werden die Aufwandsentschädigungen erstattet.

Aber in Sachen »Saisonstart« hegt HSG-Coach Jens Dapper so seine Zweifel. »Mein Eindruck ist, dass man die Runde nicht durchführen kann. Der Lockdown ist wieder verlängert worden. Sollten wir wieder trainieren dürfen, dann brauchen nicht nur wir eine circa drei Wochen lange Vorbereitung - und dann wären wir beim ersten Punktspiel schon bei Ende Februar.«

Aber das ist schon wieder hinfällig, denn der in einer Mitteilung des Hessischen Handball-Verbandes (HHV) hatte dieser am 12. Januar erklärt, dass die Aussetzung des Spielbetriebs bis zum 25. Februar verlängert wurde. Und sollte bis zum 15. März keine umfassende Wiederaufnahme des Spielbetriebes möglich sein, wird die Runde nicht gewertet. In diesem Fall wird der Spielbetrieb weiterhin nach den gültigen Spielplänen fortgesetzt; es wird aber keine Auf- und Absteiger in allen hessischen Klassen geben und die Klassenzusammensetzungen soweit wie möglich in die Saison 2021/22 übernommen.

Wer trainieren darf, erhält Vergütung

Ähnlich wie bei der HSG Pohlheim verhält es sich auch beim TV Waldgirmes, der beispielsweise in der 2. Volleyball Süd (Frauen) und der 3. Liga (Männer) vertreten ist. »Im TV Waldgirmes werden Übungsstunden nur abgerechnet, die auch stattgefunden haben. Seit Stillstand des Trainings- und Übungsbetriebes werden somit keine Übungsleitervergütungen oder Aufwandsentschädigungen gezahlt«, sagt TV-Manager Friedhelm Rücker. Anders verhält es sich jedoch bei der 2. Bundesliga und der 3. Liga: »Hier hat der Trainingsbetrieb ja mehr oder minder - mit Weihnachtspause - regelmäßig stattgefunden. Daher werden die Übungsleitervergütungen und Aufwandsentschädigungen hier weiter geleistet.«. FOTOS: HSG POHLHEIM/FROESE/ARCHIV

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