FCO Fauerbach: Aufstieg nach sechs Jahren Aufschwung

Der FCO Fauerbach ist in die Gruppenliga Frankfurt West aufgestiegen. Wie Berthold Vetter in sechs Jahren das Team zum Aufstieg geführt hat, lesen Sie hier:

Als Berthold Vetter im Juli 2007 sein Traineramt beim FCO Fauerbach anfing, hatten die Olympianer gerade eine schwierige Kreisoberliga-Saison auf dem 14. Platz beendet, einen Rang dahinter musste der SV Bruchenbrücken in die Relegation. Vetter startete die Pflichtspielsaison mit einem 0:4 gegen Aufsteiger SV Hoch-Weisel, die Spielzeit beendete Fauerbach auf Rang 13. Kontinuierlich ging es seitdem aufwärts, und den Gruppenliga-Traum sprach offiziell erstmals der Vorsitzende persönlich aus. Vor dieser Saison dachten viele an einen Rückschritt nach Rang drei im Vorjahr, da Vetter hochkarätige Abgänge und eine schlechte Vorbereitung zu verkraften hatte. Doch es kam anders: Fauerbach spielte ganz vorne mit, vergab nur knapp die Meisterschaft und stieg über die Relegation in die Gruppenliga auf. Und dies fast exakt 70 Monate nach dem 0:4 in Hoch-Weisel.

Der Aufschwung wurde auch nicht dadurch unterbrochen, dass Vetter im Jahr 2010 neun Monate lang kein Trainer bei den Olympianern war. Kurz vor der Rückrundenfortsetzung im März hatte Vetter nach internen Differenzen das Handtuch geworfen. Nach der Interimslösung Horst "Fize" Michel, Ali Yüceler und dem Übergangsgespann Stefan Schneider/Matthias Tietz kam der heute 46-Jährige im Dezember zurück in den Friedberger Stadtteil. Zwischenzeitlich hatte Vetter in seinem Wohnort für drei Wochen den SV Heldenbergen als Nachfolger von Dusko Krajajic gecoacht und war aus der B- in die A-Liga aufgestiegen.

Initialzündung Michael Walther

Vetter hat somit als Trainer das historische Spiel seiner Olympianer gegen Eintracht Frankfurt im Sommer 2010 verpasst. Historisch nicht nur wegen des Anlasses (die Eintracht kam zum 100-jährigen Vereinsjubiläum der Fauerbacher ein Jahr "verspätet" nach Friedberg) – sondern auch wegen eines Interviews vor laufenden Kameras des Vorsitzenden Michael Richly. Dieser sprach vom "mittelfristigen Ziel Gruppenliga" – nach den Rängen sieben und sechs aus den Vorjahren gab es zumindest keinen akuten Anlass, dies auszurufen.

Doch Vetter führte am Elachfeld den Aufschwung fort. Er drehte an kleineren Stellschrauben im Umfeld, brachte klarere Strukturen im Verein voran, bot vielfältiges Training an (Tipps holte er sich unter anderem als Spieler bei der Eintracht-Traditionself von Ex-Profis und heutigen Trainern wie Slobodan Komljenovic), verstärkte die Mannschaft gezielt, versuchte, stets nur menschlich zum Verein passende Spieler zu verpflichten und den Kern der Mannschaft nicht zu verändern. Abgänge mussten zumindest ligaintern kaum verkraftet werden. Leistungsträger wie Ferdijan Idic, Florian Müller oder auch Sascha Hartmann verließen den Verein aufgrund höherklassiger Perspektiven. Der Kern der Mannschaft blieb damit stets zusammen. Bestes Beispiel: mit Ronny Kilian, Darko Matic, Florian Richly (Neffe des Vorsitzenden), Marcel Rösinger und Maxi Oberschelp standen schon vor sechs Jahren fünf Spieler im Kader, die maßgeblichen Anteil am Aufstieg in diesem Jahr hatten.

Als Initialzündung bezeichnet Vetter den körperlich kleinen, aber technisch großartigen Fußballer Michael Walther, der vor vier Jahren aus Nieder-Florstadt kam. "Mischko lenkt unser Spiel im Mittelfeld", sagt Vetter, der Walther einst beim VfR Ilbenstadt coachte. Gemeinsam feierten sie 2006 den A-Liga-Titel.

Knackpunkte früh in der Saison

Vor der Saison drohte das Ende des Aufschwungs, nachdem die Fauerbacher Rang fünf (2010/11) und drei (11/12) hatten folgen lassen. Mit Florian Müller (nach Klein-Karben) und Sascha Hartmann (nach Usingen) hatten die beiden Top-Torjäger des Vorjahres (zusammen 49 Tore) den Verein verlassen; die Vorbereitung lief laut Vetter "desaströs". Vetter musste viel im mentalen Bereich arbeiten, denn "die Mannschaft war Erfolg gewöhnt. Ich war mir aber sicher, dass es eine schwere Saison werden würde". Spätestens nach dem glatten 0:3 zum Saisonauftakt im Derby gegen den VfB Friedberg ahnten einige Olympia-Anhänger Schlimmes. Doch es folgte die schnelle Kurskorrektur. Nur drei Tage später besiegte Fauerbach den SKV Beienheim (1:0), es folgte ein etwas glückliches 1:1 in Steinfurth. "Da habe ich gemerkt, dass die Mannschaft zusammenwächst", sagt Vetter.

Der Trend bestätigte sich umgehend, denn am heißesten Tag des Jahres 2012 startete die Siegesserie von 14 "Dreiern" mit einem grandiosen 5:1 über den SV Staden. "Richtig überzeugt, dass wir was reißen können, war ich nach dem 3:0 gegen Petterweil am 15. Spieltag", erklärt der Trainer. Kurz vor Saisonende gab es jedoch mit drei Niederlagen in Serie einen kleinen Knick. "Wir hatten viele Verletzte. Dazu war der Knackpunkt gegen Bad Vilbel ein verschossener Elfmeter von Florian Richly, das kann passieren. Da haben wir die Meisterschaft liegengelassen", blickt Vetter zurück. Wiederum ein Sieg gegen Petterweil brachte die Fauerbacher zurück in die Erfolgsspur, die auf Rang zwei führte. Mit drei Siegen setzten sich die Olympianer souverän in der Relegation durch, und für Berthold Vetter war der Ort des Aufstiegs sicherlich etwas Besonderes. Denn in Klein-Karben hatte Vetter "eine geile Zeit als Spieler", neun Jahre trug er das Trikot des ehemaligen Oberligisten.

"Kenne keinen Besseren"

Personell gesehen gab es in keinem Mannschaftsteil große Schwachpunkte. Speziell in der Relegation, aber auch in der gesamten Runde spielte Torhüter Michael Kornmesser (wechselt aus privaten Gründen nach Niederhöchstadt) überragend – "ich kenne keinen besseren in der Liga", sagt sein Trainer. In der Abwehr überzeugte Florian Weber (lebt in Mainz) trotz überschaubarem Training als umsichtiger Libero, während Jamel Atkinson ("eine brutale Verstärkung"), Darko Matic ("mit ihm hatte keiner gerechnet") und Marcel Rösinger ("so wie er Fußball spielt, kann er trotz Verletzungsproblemen nicht aufhören") die gegnerischen Stürmer verzweifeln ließen. Im Mittelfeld machten Dauerrenner Maxi Oberschelp und der frühere Sechser Florian Richly über Außen richtig Dampf, Tarik Tosunoglu erwies sich trotz einiger Verletzungen als gute Verstärkung und Nebenmann von Michael Walther. Im Sturm ergänzten sich Jannik Müller (reißt viele Lücken für seine Kollegen), der im Winter zurückgekehrte Florian Müller (steht meistens dort, wo ein Stürmer stehen sollte) und der aus Bad Vilbel gekommene Paul Wischtak (überragende Schusstechnik) glänzend.

Die Gruppenliga bezeichnet Berthold Vetter als "Herausforderung, aber wir haben das Niveau. Die Jungs haben sich das verdient". Personal für eine Viererkette habe er zur Verfügung, zumal Tarik Tosunoglus Bruder Tolga die Olympianer verstärkt. Dazu kommen Linksfuß Alexander Sarkisjan (beide Nieder-Wöllstadt), Offensivmann Nedim Berktas (Beienheim), Jacob Hues aus Schwalheim und als Kornmesser-Ersatz Dominik Roos (zuletzt Oberau, davor unter anderem Echzell). Michael Wiener

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