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Unterstützung von der Tribüne. Zum EM-Turnier müssen in der Fan-Begleitung alternative Wege beschritten werden.

Fußball-EM

Fan Club Nationalmannschaft: Bad Nauheimer Agentur auf alternativen Wegen in die Euro 2020

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Kein Camp. Keine zentrale Anlaufstelle für die Fans. Kein Vor-Ort-Happening am Spieltag. Die Euro 2020 im Zeichen der Pandemie führt auch die Agentur W-com aus Bad Nauheim auf neue Wege. Aus der Wetterau heraus betreuen Oliver Wohlers und sein Team für den Deutschen Fußball-Bund den »Fan Club Nationalmannschaft«.

Was ist möglich? Was nicht? Ist noch mit Lockerungen zu rechnen? Und: Wo bestreitet die deutsche Nationalmannschaft mögliche K.-o.-Spiele? In Ungarn beispielsweise sind andere Vorgaben als in England zu beachten. »Wir sind vorbereitet und können schnell reagieren«, sagt Lukas Nesgen. Der Kreisoberliga-Kicker des VfB Friedberg ist Projektleiter bei der W-com, die seit 2007 den »Fan Club Nationalmannschaft« mit seinen rund 50.000 Mitgliedern betreut.

Fan Club Nationalmannschaft: Digitale Angebote statt Aktionen vor Ort

Digitale Angebote rücken im Sommer 2021 anstelle von realen Begegnungen, die solch ein Turnier eigentlich ausmachen. Man beschäftigte sich mehr mit Verwaltung und Einreisebestimmungen als mit der eigentlichen Interaktion mit den Fans, bedauert Nesgen im Gespräch mit unserer Redaktion. Und schnell kommen im Konferenzraum der Bad Nauheimer Agentur Erinnerungen hoch. An das erste Fan-Camp, 2008 in Österreich, an den »Fan-Walk« in Marseille als Tausende deutsche EM-Touristen gemeinsam mit französischen Fans zum Halbfinale aus der Innenstadt zum Stade Vélodrom zogen, an Fan-Matches im Schatten des Eiffelturms und natürlich den Titel bei der WM 2014 in Brasilien - Gänsehaut-Momente.

Oliver Wohlers, dessen Agentur das Feeling der Heim-WM 2006 transportieren möchte, sieht die Rolle des »Fan Club« als »Anspielfläche für unsere Fans«. Nicht immer einfach, in Zeiten von Negativ-Erlebnissen wie dem WM-Vorrunden-Aus 2018, einem 0:6 gegen Spanien und einer steten Unruhe in der DFB-Führung. Auch bei der »Fan Club«-Betreuung sei die Wucht der sozialen Medien zu spüren, sagt Wohlers.

Bad Nauheimer Agentur W-com bereitet sich auf alle Eventualitäten vor

Sein Team bietet zu den Turnieren gewöhnlich ein Rundum-Sorglos-Paket mit Flügen, Unterkunft, Transfers zu den Spielen, Entertainment und Public Viewing im Fan-Camp bis zu Sightseeing-Touren. Man wolle den Menschen »eine geile Zeit bieten«, sagt er. In diesem Jahr ist aber alles anders. Seit Monaten fahren der Agentur-Chef und seine vierköpfige Projekt-Crew vielgleisig, um flexibel auf alle Eventualitäten - auch Länder-übergreifend im Falle eines Weiterkommens - reagieren zu können.

Erst seit Freitag vergangener Woche steht nun fest: Zu den drei Gruppenspielen in München sind 14 000 Zuschauer zugelassen. Größere Gruppierungen in der Innenstadt und rund im die Arena sollen aber vermieden werden. Der »Fan Club« kann allenfalls mit Fan-Utensilien unterstützen und muss seine Aktivitäten weitgehend aus der realen in die digitale Welt verlagern. Vor, an und nach Spieltagen mit deutscher Beteiligung wird eine Talk-Show mit Rainer Calmund und Christoph Daum produziert. Unmittelbar vor den Spielen soll eine Pre-Game-Show digital einstimmen. Für »Fan-tastic Moments« wird ein Format sorgen, in dem fünf Fans für fünf Minuten virtuell fünf Nationalspieler treffen können; Speed-Dating quasi. Zu Fan Matches trifft man sich zudem an der Playstation statt auf dem Rasen.

Reisebestimmungen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie als große Unbekannte

Für den Fan ist die Organisation der paneuropäischen EM höchst anspruchsvoll. Für den Gruppen-Dritten kommen gleich vier Spielorte mit jeweils eigenen Reisebestimmungen infrage. Ein Charterflug, wie ihn der »Fan Club«gewöhnlich organisiert ist (noch) kein Thema. Der »Best Case« könnte für Fans obendrein zu einem »Worst Case« werden - ein Finale in London; mit anschließender Quarantäne allerdings. »Wir bewegen uns in einem sehr kleinen Rahmen. Und: Wir wissen nicht, ob morgen noch erlaubt ist, was gestern möglich war«, sagt Wohlers und bedauert: »Wir müssen uns mit Dingen abseits des Sport mehr beschäftigen als mit der eigentlichen Arbeit mit den Fans.«

Für das W-com-Team ist aber klar: Wenn sich im Turnierverlauf Türen öffnen, werde man umgehend reagieren. Wohlers: »Darauf hoffen wir - und wenn wir die Dinge nachts umsetzen müssten.«

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