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Fair Play mit Füßen getreten

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Von: Redaktion

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(eri) Wenn fünf- bis achtjährige Kinder einem Fußball hinterherwuseln, soll es ihnen in erster Linie Spaß machen. Ergebnisse spielen keine Rolle. So sieht es auch der hessische Fußballverband (HFV), der 2014 die Fair-Play-Liga für G- und F-Junioren eingeführt hat. Andreas Biehl vom Traiser FC steht mit der Durchführung des Konzepts jedoch auf Kriegsfuß.

In den Durchführungsbestimmungen des HFV zur Fair-Play-Liga wird festgelegt: »Die Kinder lernen Verantwortung für sich selbst und Mitverantwortung für andere zu übernehmen. Sie lernen Entscheidungen zu treffen und zu akzeptieren.« Ein Kernpunkt ist die Tatsache, dass es keine Schiedsrichter gibt, und die Eltern weit entfernt vom Spielfeld stehen. Die erwartete positive Auswirkung auf die Entwicklung der Kinder ist auf wissenschaftliche Studien gestützt. Die Praxis kann jedoch auch anders aussehen.

Andreas Biehl, Trainer einer F-Jugend und Spielervater eines G-Junioren beim Traiser FC, kann über die Vorgabe des HFV nur den Kopf schütteln. »Kinder in diesem Alter sind noch nicht weit genug, um selber zu entscheiden. Sie brauchen Regeln, denn die Kinder wissen nicht, was Recht und Unrecht ist.« Regeln, die laut Vorgabe des Verbandes die Trainer den Kindern in den Übungseinheiten vermitteln sollen. Doch nicht immer scheinen die Vorgaben an der Basis wie gewünscht umgesetzt zu werden. In der Info-Broschüre zur Fair-Play-Liga wird explizit darauf hingewiesen, dass Bestrebungen nach unbedingtem Sieg und den damit verbundenen Problemen völlig fehl am Platz seien. Auf dem Sportplatz, so Biehl, ist aber das Gegenteil der Fall: »Die Trainer schauen häufig nur danach, die Spiele zu gewinnen«, berichtet der Jugendtrainer. Weil die Verantwortlichen an der Seitenlinie aus diesem Grund bei Regelverstößen oft nicht eingreifen, »können die Kinder die einfachsten Grundregeln im Fußball auch nicht beherrschen«, so Biehl weiter. Streit und Frust sind dabei vorprogrammiert. Die Lösung des Problems sollte laut Biehl an zwei Fronten angegriffen werden. Einerseits müsse der Verband weiterhin Schulungen anbieten, um Jugendtrainer in diesem Projekt zu schulen und auszubilden. Aus aktueller Sicht ist diese Forderung durchaus berechtigt. Der HFV bietet zurzeit eine Kurzschulung zum Thema Fair-Play-Liga an. Diese soll am 25. August 2017 in Groß-Gerau stattfinden. Noch sind 20 Plätze verfügbar für Trainer und Jugendleiter des gesamten hessischen Fußballs. Auch beim Thema Schiedsrichter, Biehls zweitem Ansatzpunkt, nimmt der 37-Jährige den Verband in die Pflicht: »Spiele von G- und F-Jugendlichen sind für junge Schiedsrichter, die ihre ersten Spiele pfeifen sollen, ein perfekter Einstieg. Warum sollten in diesen Altersklassen keine Schiedsrichter eingesetzt werden?«, fragt er. Sicher gebe es auch positive Beispiele, so Biehl. Doch dass die Fair-Play-Liga nicht nur im Kreis Friedberg die erwartete Wirkung häufig vermissen lässt, hängt auch am Verhalten einiger Eltern am Spielfeldrand. »Diese beklagen häufig verlorene Spiele, weil sie der Meinung sind, dass ihre Kinder mit einem Schiedsrichter hätten gewinnen können. Natürlich ist auch der Einfluss der Eltern von außen nicht immer positiv«, sagt Biehl. Dass dies kein hessisches Problem ist, zeigen Beispiele aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, wo Spiele in den jüngsten Altersklassen wegen Auseinandersetzungen zwischen Eltern abgebrochen wurden. Auch im hiesigen Kreis nahm Biehl bereits Notiz davon, dass einige Mannschaften gegen bestimmte Gegner nicht mehr antreten. »Wenn es so weitergeht wie bisher, wird das in Zukunft häufiger vorkommen«, ist sich Biehl sicher. Dabei wurde die Fairplay-Liga eigentlich ins Leben gerufen, um die Rahmenbedingungen zu beruhigen und Trainer sowie Eltern für die Aufgabe des Kinderfußballs zu sensibilisieren. Vordergründig geht es für die jungen Kicker um den Spaß am Sporttreiben. Deswegen sollen die Knirpse vom Traiser FC auch weiterhin an Spielen und Turnieren teilnehmen. Die Kinder wollen schließlich Fußball spielen. (Foto: Nici Merz) Die Kernpunkte der Fair-Play-Liga Eltern und Zuschauer müssen mindestens 15 Meter weg vom Spielfeld stehen. Die Eltern stehen zu weit weg, um sportlich Einfluss auf ihre Kinder zu nehmen. Die beiden Trainer stehen direkt nebeneinander und treten sozusagen als ein Trainerteam auf. Diese Regel soll ebenso bewirken, dass es viel ruhiger auf dem Feld ist. Es wird ohne Schiedsrichter gespielt.

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