Ein Moment des Triumphes: Im vergangenen Jahr wird El Abbas El Amri aus Kilianstädten Europameister im E-Darts. Nun hofft er auf den großen Durchbruch im Steel-Darts, der deutlich lukrativeren Variante des einstigen Kneipensports. FOTO: PV
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Ein Moment des Triumphes: Im vergangenen Jahr wird El Abbas El Amri aus Kilianstädten Europameister im E-Darts. Nun hofft er auf den großen Durchbruch im Steel-Darts, der deutlich lukrativeren Variante des einstigen Kneipensports. FOTO: PV

Darts

Europameister El Abbas El Amri und sein großer Traum

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Er ist mehrfacher Meister in Deutschland geworden, hat den Europameistertitel geholt und auch in den USA sein Können gezeigt: Darts-Spieler El Abbas El Amri aus Kilianstädten fehlen für den Traum der großen Bühne trotzdem die Sponsoren - und dann kam auch noch die Coronavirus-Pandemie.

Der heutige Montag ist ein Tag zum Feiern: El Abbas El Amri, den alle nur "Ella" nennen, hat Geburtstag. Der Mitarbeiter der Gemeinde Schöneck feiert mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn - und hat vor allem einen großen Wunsch zu seinem 37.: Einmal auf der großen Bühne des Darts stehen - und damit auch ein Stück weit den Weg seines Freundes und Mannschaftskollegen Nico Kurz gehen. Der Nidderauer hatte bei der WM im Dezember als Newcomer gleich für Schlagzeilen gesorgt, als er sich bis in die dritte Runde des prestigeträchtigsten Turnier der Welt vorgekämpft hatte - und auch das Ticket für dieses Jahr ist schon gebucht.

"Einen Stück seines Weges bin ich mit Nico zusammengegangen, daher kann ich mir auch vorstellen, ihm zu folgen", sagt El Amri. Denn auch gemeinsam haben sie bereits Erfolge gefeiert. Seite an Seite sind sie mit dem DC Dartmoor Darmstadt im vergangenen Jahr deutscher Meister geworden, spielen mit dem DC Hölle in der privat organisierten Bärenliga ebenso um den Titel wie mit den Darthaien aus Nidderau-Ostheim in der E-Darts-Bundesliga und waren als Doppel beim Masters of Masters, dem höchstdotierten E-Darts-Turnier Deutschlands, im vergangenen Jahr bis ins Finale gekommen. El Amri ist darüber hinaus im vergangenen Jahr E-Darts-Europameister geworden, gewann zudem im Doppel und mit dem Team bereits den World Cup im E-Darts in Las Vegas.

Trotz aller dieser Erfolge reicht das im Darts aber noch lange nicht, um vom Sport zu leben. Denn: Geld verdient vor allem die Spitze im Steel-Dart, die in der Professional Darts Cooperation (PDC) organisiert ist, von der auch die WM ausgerichtet wird. Doch in den illustren Kreis hineinkommen ist schwer, jedes Jahr gibt es nur insgesamt 128 Plätze auf der Tour, 32 werden an die besten der Weltrangliste automatisch vergeben, der Rest in der sogenannten Q-School, Turnieren über den gesamten Globus, ausgespielt. "Inzwischen ist Darts ein riesiger Hype. E-Darts ist nicht so populär, selbst wenn mal ein Match im Internet übertragen wird. Das bringt einen nicht weiter. Da gewinnt man an einem Wochenende zwei oder drei Wettbewerbe und geht trotzdem gerade mal null auf null wieder raus", erklärt El Amri, warum er den Fokus inzwischen nur auf Steel-Darts legt. "Es ist mein Wunsch, einmal auf einer großen Bühne und vor TV-Kameras zu zeigen, was ich wirklich kann. Aber ich mache mir nichts vor: Das wird immer schwieriger."

Seine größten Erfolge feierte El Abbas El Amri im E-Darts - einer weniger populären Variante des Präzisionsports. FOTO: PV

Der Grund: Der Sport boomt in Deutschland und in einigen Teilen Europas seit Jahren, die Zahl der Teilnehmer an Turnieren wird immer großer. Sponsoren können hier den Unterschied machen: Wer kann neben dem Beruf am meisten trainieren, wer bereits einen Tag vorher anreisen oder ungeachtet der Kosten das Hotel in der Nähe des Spielorts nehmen? Für El Amri eine schwierige Angelegenheit: "Ich freue mich über jede Unterstützung, die ich kriegen kann, aber ich bin niemand, der Klinken putzt oder sich selbst in den Vordergrund stellt. Es fällt mir schwer, Leute um Geld zu bitten. Ich dachte immer, wenn die Titel kommen, kommen auch die Sponsoren", sagt er - doch so ist es nicht. Immerhin: Sein Arbeitgeber gewährt bei wichtigen Veranstaltungen Sonderurlaub.

Dennoch fehlt Kapital von 800 bis 1000 Euro im Monat, um den Sport möglichst professionell betreiben zu können. Alleine das Startgeld für die vierteilige Q-School beträgt 600 Euro. Schafft man es, winken zwei bis drei lukrative Turniere pro Monat - samt Preisgeld. "Je mehr man spielt, umso mehr Chancen hat man auch, etwas Geld zu verdienen. Dennoch muss man auf diesem Niveau weiter ganz normal arbeiten gehen", erklärt El Amri, der ein weiteres Problem hat: Aktuell fallen aufgrund der Cornavirus-Pandemie viele Veranstaltungen aus - keine Turniere bedeuten weder Geld noch eine Plattform, um sich zu zeigen. Immerhin eine Einladung zur einer Sichtung für die deutsche Nationalmannschaft unter den Augen der niederländischen Darts-Legende Roland Scholten Mitte August hat er bekommen.

El Amri bleibt bis dahin allerdings meist nur der umgebaut Keller, in dem er alleine oder mit befreudeten Spielern wie Kurz trainiert oder via Webcam online spielt. "Ich habe mich in den vergangenen Monaten zwar verbessert, aber dennoch fehlt der Turniermodus", sagt El Amri. "Es gibt einfach nichts Besseres, als direkt gegen einen anderen - im Idealfall stärkeren - Spieler zu spielen, denn acht Stunden alleine am Board ergeben einfach keinen Sinn - das kann eher nach hinten losgehen."

Immerhin: Mit den jüngsten Corona-Lockerungen werden einige kleinere Veranstaltungen wieder möglich - und damit Spielpraxis unter Wettkampfbedingungen. Nächstes großes Ziel ist die Q-School Anfang nächsten Jahres, finanziert zur Not auch aus eigenen Rücklagen. "Vielleicht habe ich ja Glück, erspiele mir eine Tour-Karte und kann dann die Turniere spielen, die ich will und auf denen auch andere sehen, was ich kann", sagt er. Es wäre der nächste Schritt auf dem Weg zu seinem Traum von der großen (Darts-)Bühne.

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