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Kulturprogramm - wie hier in Mailand - zählt dazu, wenn Raik Noll und seine Freunde auf Reisen gehen.

Eintracht Frankfurt

Europa League: Dieser Wetterauer fährt mit seiner Eintracht durch (fast) ganz Europa

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"Ob mit Bus oder Bahn oder Flugzeug ganz egal - Eintracht Frankfurt international!" Der gebürtige Echzeller Raik Noll lebt diesen musikalischen Ohrwurm bei seinen Reisen in der Europa League.

Nein. Damit hatte er nicht rechnen können. Nie und nimmer. Europacup-Halbfinale - und die Eintracht ist noch immer dabei. Das gab’s schließlich zuletzt 1980. Vor fast 40 Jahren. Den Mai-Urlaub mit der Familie in Ägypten hatte Raik Noll schon lange gebucht. Dass er darüber nachgedacht habe, diese Reise zu verlegen, würde er nie offen zugeben, trotz des Adlers im Herzen. Im Heimspiel gegen den Chelsea Football-Club am Donnerstag letzter Woche blieb sein Sitzplatz in Block 7 auf der Haupttribüne der Fußball-Arena in Frankfurt leer. Und auch das Rückspiel heute in London wird der Ur-Echzeller verpassen - wenn er sich nicht direkt nach der Rückkehr aus Hurghada doch noch spontan ins Auto setzt. Wer ihn kennt, schließt das nicht aus. Für die Eintracht ist Noll keine Reise zu weit, kein Weg zu unbequem. Auf Zypern, in Italien, der Ukraine und Portugal war seine kleine Reisegruppe in dieser Saison; mal zwölf Stunden im Nachtzug bummelnd, mal im 16-Betten-Lager campierend, mal mit Strand- und Sightseeing-Programm - aber immer im Rahmen eines 350 Euro-Budgets.

Eintracht Frankfurt: Unvergesslich ist bis heute die 12.000-Mann-Reise nach Bordeaux

"Diese Saison ist der reine Wahnsinn. Das nimmt man gerne mit; gerade wenn man die Zeiten der Diva noch erlebt hat sowie Zweitliga-Jahre und Abstiegskampf kennt", sagt Raik Noll. Von Kleinauf wurde er zu den Eintracht-Spielen mit den Stadtwald genommen, im Jahr 2007 zählte er zu den Gründern der "Horloff-Adler", die heute rund 100 Mitglieder zählen.

Die weiteste Reise war zugleich die günstigste

Raik Noll

Von der Europacup-Reise nach Bordeaux, als 12 000 Fans ihre Mannschaft im Jahr 2013 an die französische Küstenstadt begleitet hatten, spricht der Groß- und Außenhandelskaufmann, der inzwischen in Altenstadt lebt, noch immer mit Gänsehaut ("Das war Fan-Kultur pur. Da haben die Eintracht-Fans international ein erstes Zeichen gesetzt"), in Tel Aviv hat man die Partie mit Kulturprogramm, dem Besuch von Jerusalem, verbunden. Und auch in dieser Spielzeit sind Noll und Co. auf ganz individuellen Routen unterwegs; abseits von den sogenannten Fanfliegern. "Die Eintracht, die Städtereisen, das Erlebnis im Freundeskreis", schildert er seinen Antrieb.

Eintracht Frankfurt: Die ständige Suche nach der besten Verbindung für das 350-Euro-Budget

Gleich nach der Auslosung begann die Planung. Über welchen (Um-)Weg führt die günstigste Verbindung? Was lässt sich kombinieren. Die Partie in zyprischen Hauptstadt Nikosia wurde mit einem Zwischenstopp in Athen und einem Strandtag in Limassol verbunden. Nach Rom, ein Drei-Tage-Trip, ging’s über Bologna (per Flugzeug für 60 Euro) und Florenz (mit der Bahn 45 Euro), nach Mailand direkt mit dem Auto hin und zurück, samt Reifenpanne und Mietwagen mitten in der Nacht. Nur vor dem Spiel in der Ukraine hatte sich die Fußball-Freunde verspekuliert. Der Spielort Charkiw wurde nach Flug nach Kiew schließlich stundenlang über Bus und Bahn angesteuert. Eine echte Erlebnisreise also. "Die weiteste Reise war zugleich die günstigste", schmunzelt Noll, der sich auch schon mit Baku, dem Endspiel-Ort in Aserbaidschan, beschäftigt hat. Flüge allein sprengen das Budget, sagt er. "Als Urlaubswoche mit Hotel ist’s deutlich günstiger."

Wenn wir uns wieder für Europa qualifizieren, wäre ich hochzufrieden

Raik Noll

Als persönliches Highlight - nach Bordeaux selbstverständlich - nennt Noll Porto aus der Saison 2013/14; auch aufgrund der sportlichen Dramaturgie (Remis im Hinspiel und nach 3:1-Führung zu Hause noch ausgeschieden). Bedenken und ein mulmiges Gefühl - das räumt er ein - habe die Reise nach Rom, zum Spiel bei Lazio, ausgelöst. "Unbegründet", sagt er rückblickend. "Ich würde das wieder machen. Man muss sich ja nicht in den dunklen Ecken aufhalten." Das Erlebnis, mit Tausenden Fans auf der Piazza Venezia der italienischen Hauptstadt zu stehen, den Fan-Marsch zum Stadion - "das ist einfach irre." Einen Trip mit einem Ausflug nach Stockholm verbinden zu können, hätte er sich noch gewünscht. "Das wäre eine gute Kombination aus Erfolgschance, Fankultur und Städtereise." Vielleicht ja im nächsten Jahr; sofern die Eintracht auf der Zielgeraden der Bundesliga den europäischen Kurs halten kann. "Wenn wir uns wieder für Europa qualifizieren, wäre ich hochzufrieden. Wir haben eine sensationelle Saison gespielt. Aber die Mannschaft ist noch nicht so gefestigt, dass man dies auch für die nächste Spielzeit erwarten kann." Noll und seine Freunde wären auswärts ganz sicher wieder dabei.

Info

Im Portrait: Raik Noll

Raik Noll stammt aus Echzell und lebt in Altenstadt. Im Fußballkreis Friedberg kennt man den 43-jährigen als Spieler, Coach und Schiedsrichter. Der Familienvater war als Trainer in Echzell, Bingenheim, Leidhecken und Beienheim aktiv. Als Schiedsrichter der Vereinigung Büdingen pfeift er für den KSV Aulendiebach Spiele bis zur Gruppenliga (im Vorjahr bis zu Verbandsliga). Im Fanclub "Horloff-Adler" mit Sitz in Echzell ist er zweiter Vorsitzender.

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