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Heiko Wöllner

"Etwas verrückt muss man schon sein"

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(msw). Da der bisherige Tischtennis-Kreislehrwart Bodo Fahrenbruch (Geiß-Nidda) seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, rückte mit Heiko Wöllner (Eichelsdorf) ein bisher für die meisten "unbeschriebenes Blatt" kommisarisch nach. Die meisten im Kreis kennen ihn deswegen nicht, da er ein Quereinsteiger in Sachen Tischtennis ist. Denn eigentlich kommt er aus der Musik. Er fand aber über seine zwei beim TV Eichelsdorf spielenden Kinder auch zum Sport. Und dort möchte er jetzt einiges bewegen. Kreiswart Henrik Jasper (Bad Nauheim-Steinfurth) zeigte sich bereits begeistert von ihm. Jetzt stellt Wöllner seine Ideen in einem Interview vor.

Sie sind neu im Tischtennissport und haben gleich den Posten des Kreislehrwartes übernommen. Wie kam es dazu?

Die Stelle des Kreislehrwartes war zu besetzen, und da ich in meinem neuen Verein TV Eichelsdorf bereits einiges in Sachen Nachwuchstraining organisiere, habe ich diesen Posten angenommen. Ich selbst bin Musiker und Dirigent und kann durchaus auch Parallelen sehen, wenn Kinder ein Instrument oder eben Tischtennis lernen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Nachwuchsrekrutierung in vielen Sportarten und auch im Tischtennis im Besonderen ein Problem ist. Wie wollen Sie das angehen?

Zunächst einmal scheint allen im Kreisvorstand klar zu sein, dass die Nachwuchsgewinnung die wichtigste Aufgabe darstellt. Und diese steht und fällt mit den Trainern. Somit müssen wir im Wetteraukreis einen Trainer-Nachwuchs generieren. Und dazu brauchen wir nicht unbedingt viele C-Lizenz-Trainer, sondern in erster Linie Lehrgänge für Starter. Den D-Trainer gibt es nicht mehr. Außerdem soll es möglich werden, ab 15 Jahren einen Lehrgang als Kindertrainer machen zu können. Deshalb werden wir zwei Kompaktkurse in der dritten und vierten Ferienwoche der Sommerferien anbieten, die auch als Bildungsurlaub genutzt werden können. Die Prüfungen werden dann erst am ersten Adventswochenende sein, damit die Prüflinge genügend Vorbereitungszeit haben. Zudem wird es einen Starter-Lehrgang und Vorbereitungslehrgang am 18./19. April geben. Die Lehrgänge werden in Eichelsdorf stattfinden, da wir dort Übernachtungsmöglichkeiten anbieten können und wir viele Kinder haben, die zum Training zur Verfügung stehen. Die Leitung des Trainings wird A-Lizenz-Trainer Markus Reiter übernehmen. Für Herbst plane ich, dass man einen Assistenztrainerschein ab zwölf Jahren bekommen kann. Die ersten Schritte hierfür kann der jeweilige Heimatverein anbieten.

Was ist mit den Schulen geplant?

Wir müssen weitere Kooperationen mit Schulen organisieren. Der TV Eichelsdorf hat jetzt acht Kinder aus dem zweiten und dritten Schuljahr, die ein qualifiziertes Training durch Rolf Gohle bekommen, der eine C-Trainer-Lizenz besitzt. Durch die Wiedereinführung von G 9 ist uns an den Schulen einiges an Nachmittagsangeboten weggebrochen, was wir nun wieder selbst füllen müssen.

Jetzt die Kernfrage: Wird es einen Berufstrainer geben, damit auch die Nachmittage abgedeckt werden können?

Das wäre natürlich schön, doch dann würden wir von einer Summe von etwa 36 000 Euro brutto im Jahr sprechen, die wir sicherlich nicht aufbringen können. Wir werden viele verschiedene Komponenten brauchen. Einerseits wird der Hessische Tischtennis-Verband weiter eingebunden sein, denn er hat bereits Trainer, die er zumindest für eine Übergangszeit zur Verfügung stellen kann. Was wir alleine hinbekommen müssen, ist eine Mischung aus Honorar- und ehrenamtlichen Trainern sowie eine Kooperation zwischen Schulen und Vereinen. Für diese Organisation steht auch Kreisjugendwart Holger Thösen zur Verfügung, der ja bekanntlich auch Vollzeittrainer ist. Im Kreisleistungszentrum haben wir schon einige neue Modelle ausprobiert. Wir brauchen jetzt aber erst einmal so viele aktive Trainer wie möglich. Sobald wir über ein Trainerpool für den Kreis verfügen, kann ich die Trainer in die verschiedenen Vereine schicken. Es wird aber auch einen "Mind-Change" bei den Eltern geben müssen. In der Musik zahlen die Eltern 100 Euro pro Monat, wir halten 50 Euro pro Monat als Elternbeteilung für eine realistische Zahl.

Was treibt Sie an?

Natürlich muss man schon ein bisschen verrückt sein, dies alles zu machen. Aber Tischtennis ist ein Sport, der integriert. In Eichelsdorf haben wir Spieler von acht bis 77 Jahre, die gemeinsam spielen. Bei welchem Sport gibt es so etwas sonst? Ich habe jetzt auch selbst eine Spielerlizenz. Und ich muss sagen, es macht auch einfach Spaß. FOTO: PV

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