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Die B-Juniorinnen des SC Dortelweil gehen in der Bundesliga Süd mit folgendem Kader an den Start: (hinten, v. l.) Judith Gerigk, Sophie Lenz, Hanna Aßmann, Jule Heruday, Rialda Memovic, Josefine Link, Kyra Koulouris, Chantal Peppel, (vorn, v. l.) Kirsten Bruhns, Laura Wieder, Emilia Steppan, Sophie Reifschneider, Kim Fassbender, Antonia Wittich, Marie Kleinschmidt, Lea Gröb.

B-Juniorinnen-Bundesliga Süd

Erste Wetterauer Fußballmannschaft in der Bundesliga: Zum Auftakt kommen die Bayern nach Dortelweil

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Dieser Tag wird historisch: Als erste Mannschaft aus der Wetterau gehen die B-Juniorinnen des SC Dortelweil in der Fußball-Bundesliga an den Start. Zum Auftakt kommen gleich die Bayern.

Rüdiger Köhler und Dirk Münkel arbeiten in den letzten Wochen beinahe Tag und Nacht. Der Sportliche Leiter für Frauen- und Mädchenfußball und der Jugendleiter des SC Dortelweil tun dies, um den größten Erfolg des Vereins Wirklichkeit werden zu lassen: Die B-Juniorinnen gehen als erste Fußballmannschaft der Wetterau in der Bundesliga an den Start. Für den Aufsteiger in die Südstaffel beginnt das Abenteuer am Samstag (11 Uhr) mit einem Heimspiel gegen den großen FC Bayern München.

SC Dortelweil: Erfolgsgeschichte der MSG Bad Vilbel schreibt sich fort

"Das ist für die Region etwas Neues und für uns als Verein ein riesiger Erfolg, auf den wir stolz sind. Ich werde schon immer mal angesprochen, eine gewisse Euphorie ist zu spüren", sagt Münkel, der auf eine mittlere dreistellige Zahl an Zuschauern hofft. Damit das auch was wird, sind die acht Spiele der weiteren Mädchenmannschaften sowie die Partie der Frauenmannschaft in der Verbandsliga Süd extra verlegt worden. Das Spiel soll ein echtes Event werden. "Noch spürt man nichts von der Aufregung und auch ich selbst gehe ganz locker in das Spiel, da wir nichts zu verlieren haben. Aber ich denke, in der Nacht von Freitag auf Samstag wird es bei einigen Mädchen Klick machen. Sie sind jetzt ein kleines Aushängeschild für die Region", sagt Köhler nicht ohne Stolz in der Stimme. Schließlich hatte der heutige Co-Trainer der B-Juniorinnen vor acht Jahren gemeinsam mit seiner Frau und sieben Spielerinnen auf Kreisebene das Projekt "MSG Bad Vilbel" ins Leben gerufen.

Diese Mädchenspielgemeinschaft, bestehend aus den Vereinen SC Dortelweil, SV Gronau, FC Hessen Massenheim und SSV Heilsberg, schaffte im Sommer im dritten Anlauf den Sprung aus der Hessenliga in die höchste deutsche Spielklasse nach zwei Remis in den Aufstiegsspielen. Doch dann ging die Arbeit erst richtig los. "Wir sind Amateure, aber die Bedingungen und Auflagen seitens des DFB gehen in Richtung Profitum", sagt er. "Das ist eine Herkulesaufgabe, bei der jeder Ehrenamtliche gefragt ist. Rüdiger Köhler und ich kommen mit diesem Aufwand schon an unsere Grenzen."

SC Dortelweil: Bedingungen und Auflagen wie bei den Profis

Die Hürden sind hoch, um in der Bundesliga zu spielen. Spätestens bei der Sitzung aller Bundesligavereine am DFB-Sitz in Frankfurt sei dies deutlich geworden. Gefordert würden unter anderem ein Rasen- und ein Kunstrasenplatz mit bestimmten Abmessungen, entsprechend viele Parkplätze sowie die Umsetzung von Werberichtlinien. Außerdem ärztliche Atteste der Spielerinnen, eine große Kabine für das Schiedsrichtergespann samt Verpflegung und Betreuung durch den Gastgeber, Ballkinder - ein Job, den am ersten Spieltag die Einlaufkinder aus dem eigenen Nachwuchs übernehmen werden - sowie ein Sanitätsdienst, die Übermittlung der Trikotfarbe in der Woche vor dem Spiel, ein Live-Ticker vor Ort - und vieles mehr.

"Das ist kein Vergleich zu unserer Männermannschaft in der Gruppenliga oder den Hessenliga-Herren des FV Bad Vilbel, auf deren Rasen wir nun spielen", erklärt Münkel. Doch nachdem der SCD, der aufgrund des Verbots von Spielgemeinschaften in der Bundesliga, Namensgeber des Teams ist, alle drei Zulassungsphasen durchlaufen hat, überwiegt die Vorfreude.

SC Dortelweil: Runderneuerte Mannschaft geht als Underdog ins Spiel gegen den FC Bayern München

Die runderneuerte Mannschaft - sieben Spielerinnen sind zum Damenteam gewechselt, acht Neue dazugekommen - aus insgesamt 18 Feldspielerinnen und zwei Torfrauen hat mit bis zu vier Trainingseinheiten pro Woche, darunter eine Athletikeinheit, jeweils einem Testspiel sowie einem Trainingslager auf heimischem Platz ebenfalls ihren Teil zur Vorbereitung geleistet und ist startklar. "Natürlich sehen wir uns als Underdog, aber trotzdem wollen wir etwas Zählbares gegen Bayern holen - geschenkt kriegt hier keiner was", verspricht Köhler vor dem Duell mit dem Nachwuchs des Fußballkrösus, in dessen Reihen sich auch zwei U 17-Nationalspielerinnen befinden.

"Saisonziel ist es, so schnell wie möglich in der Liga anzukommen und den Klassenerhalt zu schaffen. Wenn wir das schaffen, wäre das definitiv ein noch größerer Erfolg als der Aufstieg", sagt Köhler, der gemeinsam mit Christian Vaubel an der Seitenlinie steht. Denn: Der Nachwuchs der Kontrahenten, in der Mehrzahl gestandene Bundesliga-Klubs, hat nicht nur eine andere Grundlagenausbildung, sondern hofft auch auf den Sprung ins Profigeschäft. "Bei uns haben die meisten Spielerinnen keine Ambitionen auf eine Karriere als Fußballerin. Sie sind Hobby-Fußballerinnen aus Leidenschaft - und werden das auch bleiben."

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