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Erst nach 60 Minuten wird es unterhaltsam

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Erst war’s ein zerfahrener Kick mit vielen Missverständnissen und keinerlei spielerischen Höhepunkten. Dann jedoch, so etwa nach einer Stunde, bewiesen beide Mannschaften, dass sie vom Fußballspielen doch etwas verstehen, und in der Schlussphase wurde es richtig unterhaltsam:

Erst war’s ein zerfahrener Kick mit vielen Missverständnissen und keinerlei spielerischen Höhepunkten. Dann jedoch, so etwa nach einer Stunde, bewiesen beide Mannschaften, dass sie vom Fußballspielen doch etwas verstehen, und in der Schlussphase wurde es richtig unterhaltsam: Einen Sieger gab es gestern Nachmittag auf dem Nieder-Wöllstädter Sportgelände an der B3 dennoch nicht, denn das Wetterauer Gruppenliga-Derby zwischen dem gastgebenden SV Nieder-Wöllstadt und Aufsteiger SC Dortelweil endete mit einem 2:2 (0:0)-Remis. Ein Resultat, das beiden Teams alle Optionen nach vorne offen lässt, denn die Mannschaft von Nieder-Wöllstadts Trainer Andreas Pelka bleibt diese Runde nach wie vor ungeschlagen, während SCD-Spielertrainer Markus Beierle und seine Leute zum vierten Mal in Folge keine Niederlage zu quittieren brauchten.

Gleichwohl: Die Reaktionen der sportlich Verantwortlichen hätte unmittelbar nach dem Abpfiff nicht unterschiedlicher sein können. »Wir sind zufrieden, weil wir trotz erheblicher Personalsorgen mit Erfolg einem starken Kontrahenten Paroli geboten und erneut gepunktet haben«, resümierte Andreas Pelka. Markus Beierle, der als Libero fungierende Coach der Bad Vilbeler Vorstädter, sah die ganze Sache ein wenig anders: »Hakan Kilics Führungstreffer eine Minute vor dem Abpfiff hätte zum Sieg reichen müssen. Dass wir uns postwendend noch den 2:2-Ausgleich eingefangen haben, ist kaum zu fassen und erinnert an die Enkheimer Partie vor Wochenfrist«.

Halbzeit eins ließ freilich kaum erahnen, dass den rund 150 Zuschauern ein Wechselbad der Gefühle bevorstehen würde. Die Dortelweiler Gäste waren zwar bemüht, das Spiel zu machen, um vorne die Sturmspitzen Hakan Kilic und Robin Dobios in Schuss-Position zu bringen, doch Marco Will, der Nieder-Wöllstädter Keeper, brauchte seine Klasse, die er später des Öfteren zu demonstrieren verstand, kein einziges Mal abzurufen. Die für lange Zeit einzige SCD-Chance versiebte Hakan Kilic nach einem Dobios-Pass in der 24. Minute aus halblinker Position.

Nieder-Wöllstadt bevorzugte notgedrungen eine etwas andere Taktik: Hinten dicht machen, und vorne auf Konter lauern, hieß die Devise. Das Resultat: Die Abwehr hielt den spärlichen Belastungen stand, aber im Angriff, wo Moritz Heinz und Dennis Mehler kaum brauchbare Bälle serviert bekamen, herrschte absolute Funkstille.

Ein Spielchen also mit wenig Unterhaltungswert - allerdings nur bis zur 58. Minute. Fidel Zegais platzierter 18-Meter-Freistoß, den SVN-Torwart Marco Will reaktionsschnell aus dem rechten Tordreieck fischte, entpuppte sich nämlich als eine Art Startschuss für rasante 32 Minuten, die folgen sollten.

Zunächst jubelten die Platzherren: Raphael de Oliveira spielte in der 60. Minute steil, Dennis Mehler verlängerte per Querpass zu Moritz Heinz, und der Nieder-Wöllstädter Angreifer vollendete aus allerdings abseitsverdächtiger Position zur Führung der »Roten«. Dortelweil schien geschockt und hatte Glück: Raphael de Oliveira (70.) und Dominik Maruyama (72.) standen dicht vor dem zweiten SVN-Goal, trafen aber nicht. Die Antwort war ein Dortelweiler Sturmlauf mit etlichen tollen Gelegenheiten.

Marco Will rettete gegen Fidel Zegai (73./Freistoß) und Robin Dobios (74./Schuss aus sechs Metern) in höchster Not, Kilic und Zegai fanden wenig später auch nicht die entscheidende Lücke, doch nach 78 Minuten war der 1:1-Ausgleich fällig: David Beljan - acht Minuten vorher für Sebastian Bunzel eingewechselt - traf per Freistoß aus 18 Metern in die Vollen. Und die Beierle-Elf drückte weiter aufs Tempo: Dobios scheiterte zum wiederholten Mal an Marco Will (80.), Hakan Kilic traf den Pfosten und Dobios mittels Nachschuss exakt den Kopf von Nieder-Wöllstadts Innenverteidiger Rachid Odjelade (88.). Dramatik pur dann in den Schlussminuten: Zunächst mit Dortelweiler Vorteilen, denn Hakan Kilic gelang per Abstauber die erstmalige SCD-Führung (89.). Der Sieg für den Aufsteiger? Mitnichten. Moritz Heinz nutzte nämlich nach Mehlers Auflage die letzte Nieder-Wöllstädter Attacke mit seinem zweiten Tagestreffer zum 2:2-Endstand.

SV Nieder-Wöllstadt: Will - Diether, El Mojahid, Odjelade, Moritz - Wittig (86. Timo Burkert), Taugner (23. Maruyama), Weber, Raphael de Oliveira - Moritz Heinz, Mehler.

SC Dortelweil: Milicevic - Beierle - Herch (46. Erkan Uslu), Tekle - Gülenc (55. Rüther), Bunzel (70. Beljan), Sven Marscheck, Zegai, Bilen - Dobios, Hakan Kilic.

Tore: 1:0 (60.) Moritz Heinz, 1:1 (78.) Beljan, 1:2 (89.) Hakan Kilic, 2:2 (90.) Moritz Heinz.

Schiedsrichter: Jakob Depta (Schlüchtern). - Zuschauer: 150.

Uwe Born

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