+
Der Zusammenhalt stimmt beim Karbener SV - so wie bei den A-Junioren, die in der Verbandsliga Süd aktuell auf Aufstiegskurs liegen. FOTO: NICI MERZ

Jugendfußball

So erklärt der Abteilungsleiter des Karbener SV seinen Erfolg im Jugendfußball

  • schließen

Hessenliga, Verbandsliga, Gruppenliga - egal in welcher Altersklasse, der Karbener SV ist das Aushängeschild des Fußballkreises Friedberg in Sachen Jugendfußball. Eine Spurensuche nach Erfolgsgeheimnis, Philosophie und dem Umgang mit dem Coronavirus.

Seit rund 13 Jahren ist Steffen Potter Jugend- und Abteilungsleiter beim Karbener SV. Die jüngste Bilanz der Kicker aus dem Süden der Wetterau: Die A-Jugend liegt in der Verbandsliga Süd auf Meisterschaftskurs, die B- und C-Jugend-Teams kämpfen in der Hessenliga um den Klassenerhalt und auch die D-Junioren können sich als Zweiter der Gruppenliga Frankfurt noch Hoffnungen auf die Meisterschaft machen - insgesamt 15 Mannschaften sind hinunter bis in die F-Junioren im Spielbetrieb gemeldet. Doch durch die Ausbreitung des Coronavirus ist der Spielbetrieb bis mindestens 10. April auf Eis gelegt. Wie geht der Klub damit um? Wie sind die langfristigen Perspektiven? Und was hat das alles mit dem FC Karben zu tun? Im Interview gibt Potter, der aktuell die B 2-Junioren trainiert, Antworten.

Herr Potter, fangen wir mit den Themen rund um das Coronavirus an: Wie haben Sie die Entwicklung bis zur Aussetzung von Spiel- und Trainingsbetrieb erlebt?

Bei uns war es so, dass wir bereits ein paar Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Aussetzung des Spielbetriebs damit gerechnet und dann intern bereits beschlossen hatten, auch sämtliche Trainingseinheiten abzusetzen.

Rechnen Sie damit, dass es am 11. April weitergeht?

Auf gar keinen Fall.

Was wäre eine Lösung?

Ich bin aktuell ein Anhänger davon, die Saison fertig- zuspielen - auch wenn es monatelang in die neue Saison hinein dauern sollte, da sowieso sämtliche Pläne durcheinander geworfen sind, sodass wir dann die neue Saison entsprechend anpassen könnten. Andere Lösungen dürften zu großem Chaos bei Auf- und Abstieg führen, bei denen mit Klagen zu rechnen ist.

Jugendfußball hat in puncto Bewegung, Betreuung und Miteinander auch eine soziale Bedeutung. Wie gehen Sie damit um?

Wir haben nichts zentral gesteuert, da das natürlich nach Altersstufe auch sehr unterschiedlich ist. Die meisten unserer Trainer haben aber Empfehlungen an die Spieler herausgeben, individuell etwas zu tun. Ich bin aber der Meinung, dass wir da als Sportverein auch nicht zu sehr eingreifen sollten, weil wir die Einflüsse von außen bei Einzelnen nicht beurteilen können.

Sollte es zu einer Aussetzung von Auf- und Abstieg kommen - wie würden Sie damit umgehen?

Grundsätzlich ist es natürlich bei uns schon so, dass wir so hoch wie möglich spielen wollen. Aber weder ein Auf- noch ein Abstieg erschüttert unser Fundament. Das gehört einfach zum Fußball dazu. Egal, welche Lösung gewählt werden würde, um die Saison zu beenden, wären wir mit unterschiedlichen Mannschaften positiv oder negativ betroffen, von daher treibt uns das nicht wirklich um.

Besonders in dieser Saison spielen viele A-Jugendliche auch bei den Senioren des FC Karben. Wie beurteilen Sie die Situation - auch mit Blick auf die Verpflichtung von Karl-Heinz Stete als neuen Trainer?

Die Trennung zwischen Senioren- und Jugendfußball in Karben war nie eine im Bösen. Natürlich hat es ein paar Anläufe gebraucht, bis man sich in zwei getrennten Einheiten aufeinander eingespielt hatte. Mittlerweile funktioniert es aber sehr gut. Gerade unser A-Jugend-Trainer Maik Zinnecker sorgt für eine super Zusammenarbeit im Trainings- und Spielbetrieb - und zwar unabhängig vom Trainer des FC Karben. Denn dort sehe ich, dass das kein Lippenbekenntnis ist, mit Spielern arbeiten zu wollen, die einmal in unserer Jugend gespielt haben. Das ist toll. Umso besser gefällt es uns, dass mit Karl-Heinz Stete ein Trainer gewählt wurde, der als einer gilt, der gut mit Jugendlichen arbeitet und ein Interesse daran hat, sie bei den Senioren spielen zu lassen. Da könnten zukünftig coole Dinge entstehen.

Der FC Karben ist aktuell allerdings in der Gruppenliga stark abstiegsgefährdet. Spielt das eine Rolle?

Natürlich macht es schon einen gewaltigen Unterschied, ob man Kreisoberliga oder Gruppenliga spielt. Deshalb würde ich mir auf jeden Fall wünschen, dass der FC Karben den Klassenerhalt irgendwie schafft, denn gerade mit Blick auf die Zukunft haben wir einige Jahrgänge, bei denen es echt interessant werden könnte, die Entwicklung zu beobachten, wenn sie aus der Jugend rauskommen und einigermaßen zusammenblieben.

Der Aufwand beim Karbener SV in Sachen Jugendfußball ist enorm. Wie steht das "dem Ertrag" gegenüber?

Da es bei uns nicht ums Geld geht - weder für Spieler noch für Trainer -, geht es vor allem um Spaß. Und natürlich sehen wir das alles als sinnvoll an. Wie in allen Fußballvereinen geht es um das Gemeinschaftsgefühl, den Spaß am Spiel, das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, mit dem man gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet. Und natürlich wollen wir auch eine Sozialentwicklung bei Kindern und Jugend ebenso wie eine in Sachen Leistung erreichen. Dafür ist das Umfeld in Karben sehr angenehm, was wir auch immer wieder als Rückmeldung bekommen. Das ist für alle sicher ebenfalls sehr motivierend.

Ist der Wohlfühlfaktor also der Standortfaktor, der den Karbener SV von anderen Vereinen unterscheidet?

Wir haben auch schon mal versucht, zu analysieren, wo es eigentlich herkommt, dass wir mit so vielen Mannschaften erfolgreich sind. Dieser Faktor ist in jedem Fall einer, auf den wir gekommen sind - und auf den wir uns verlassen können. Dazu kommt natürlich, dass wir viele Menschen haben, die eine hohe Eigenmotivation mitbringen, die bereit sind, etwas mehr als anderswo zu machen. Das muss man wollen, etwa indem man mehr Zeit investiert und weitere Wege in Kauf nimmt. Natürlich ist es aber auch völlig okay, wenn jemand sagt, dass er das nicht möchte. Der Fußball dort ist genauso viel wert, bei uns finden sich eben eher Leute, die schauen wollen, was sie alles erreichen können.

Bei Trainern spielen Lizenzen öfter eine Rolle. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe in all den Jahren als Jugend- und Abteilungsleiter so viele Trainer erlebt - mit und ohne Lizenz. Und die Lizenz alleine sagt noch nicht viel aus. Trotzdem möchten wir, dass Trainer Lizenzen machen, weil das eine sehr gute Grundlage bietet und eine Offenheit signalisiert sowie - was nicht zu unterschätzen ist - auch eine Form des Netzwerkens ist. Wir bezuschussen das als Verein deshalb auch.

Ist die Nähe zu Frankfurt ein Vor- oder ein Nachteil - gibt es doch dort Vereine mit mehr Ressourcen?

Es ist Segen und Fluch zugleich. Wenn man gute Spieler hat, sind die enorm umworben - gerade weil wir hier viele Nachwuchsleistungszentren auf engem Raum haben und dazu noch einige ambitionierte Vereine im Speckgürtel von Frankfurt. Wir sind aber schon überzeugt davon, dass Spieler den Weg in ein Nachwuchsleistungszentrum gehen sollen, aber wir sind auch der Meinung, dass man seine Chancen realistisch einschätzen sollte, denn dort ist die Fluktuation sehr hoch. Aber ich sage auch: Erst mit 17 oder 18 Jahren dorthin zu gehen, macht es unwahrscheinlich, noch Profi zu werden. Andererseits ist dadurch das Niveau auch höher. Das merken wir vor allem bei Turnieren, in denen wir auf Mannschaften aus bevölkerungsschwächeren Gebieten treffen.

Auf diesem Wege ist dann bestimmt der eine oder andere Spieler auch schon Profi geworden…

Natürlich haben auch wir einige Spieler, die bei uns waren und mittlerweile Profi sind. Das wirkt oft auf Eltern sehr beeindruckend. Für mich ist das aber eher nur eine mathematische Wahrscheinlichkeit: Wenn wir Jahr für Jahr eine gewisse Anzahl von Spielern ausbilden, dann wird immer mal einer im Profifußball ankommen. Wie viel das mit unserer Arbeit zu tun hat, ist allerdings nur schwer zu bemessen. Das sieht zwar toll aus, ist aber kein Maßstab für geleistete Arbeit. Wir freuen uns vor allem für unsere Ex-Spieler.

Weil Sie gerade das Thema Eltern angesprochen haben: Hier scheint eine Problematik entstanden zu sein, die zuletzt immer schlimmer geworden ist. Wie gehen Sie mit Helikoptereltern oder unangebrachtem Verhalten abseits des Platzes um?

Ich habe eher den Eindruck, dass es generell schlimmer geworden ist, sodass es allen guttun würde, die Sache etwas gelassener anzugehen. Grundsätzlich ist es kaum nachzuvollziehen, mit welchem Fanatismus Jugendspiele teilweise verfolgt werden. Ich verstehe einfach nicht, wie Eltern bei einer Sache, die zunächst einmal für ihr Kind Spiel und Spaß bedeuten soll, derart emotional werden können. Natürlich ist Fußball ein emotionaler Sport, aber das passt einfach nicht. Aus diesem Grund halte ich den Abstand der Eltern in den Fair-Play-Ligen für fantastisch, weil es gerade bei den Kleinen sonst kein gesundes Umfeld gibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare