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Ex-Löwen-Trainer Tim Kehler coacht aktuell die Kassel Huskies. Zum DEl2-Start kommt’s zum Derby

Eishockey

Emotionaler Auftakt für Huskies-Trainer Tim Kehler

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Er war Trainer der Löwen Frankfurt und coacht nun die Kassel Huskies: Tim Kehler spricht über Emotionen, Planungen und Perspektiven.

(gsb/mis). Hessen-Derby in der Deutschen Eishockey-Liga 2: Die Kassel Huskies empfangen zum Auftakt am Freitag die Löwen Frankfurt. Tim Kehler, Trainer der Nordhessen, trifft auf seinen Ex-Klub. Im Interview spricht der Kanadier zu Planungen, Personalien und Perspektiven.

Herr Kehler, d er Kader der Huskies war eher komplett als früher. Weil Sie die Spieler bekommen haben, die Sie haben wollten?

Tim Kehler:Ja, tatsächlich. Der einzige Vorteil unseres frühen Ausscheidens war, dass wir für uns interessante Spieler noch auf dem Eis im Wettbewerb ansehen und verpflichten konnten. Da hat wirklich alles geklappt, weil wir als Team super gearbeitet haben. Es begann mit den jungen deutschen Spielern wie Alex Karachun, aber auch bei den Imports hat es funktioniert.

In der Vergangenheit wurde oft auf vermeintliche Last-Minute-Schnäppchen gewartet. Ist der Kader nun also deutlich teurer?

Kehler:Das weiß ich nicht, vermutlich ich das auf dem alten Niveau geblieben. Manager Joe Gibbs hat mir ermöglicht, die Spieler zu holen, die ich favorisiert habe. Ich glaube, wir haben die Jungs nicht mit dem Geld überzeugt, sondern mit unserem Konzept. Wir wollen nach vorn kommen, jeden Einzelnen und somit das Team besser machen. Die Huskies haben eine gute Historie, vor allem aber haben sie eine gute Perspektive.

Warum dürfen die Fans nach zwei Enttäuschungen nun auf eine erfolgreichere Spielzeit hoffen?

Kehler:Die Kasseler Fans sind sehr begeisterungsfähig und verstehen, wie Eishockey läuft. Über viele Jahre konnten sie sehr glücklich sein mit ihren Teams. Aber im Sport gibt es nie eine Garantie für Erfolg, auch nicht von mir. Aber ich bin sicher: Wir haben talentierte und kreative Spieler bekommen, als Mannschaft werden wir nicht nur läuferisch viel besser und stärker sein, sondern auch mehr Charakter zeigen. Die Jungs wollen für jedes Tor kämpfen, für jeden Punkt und den Fans Freude bereiten. Im Tor haben wir eine tolle Mischung aus Dynamik und Erfahrung. Leon Hungerecker und Jerry Kuhn ergänzen sich perfekt und haben eine super Partnerschaft. In der Abwehr sind wir größer und beweglicher, können schneller umschalten auf Offensive. Und im Angriff wird härter gearbeitet, wo es wehtut, wir haben mehr Tempo und sollten nun mehr Tore schießen.

Weil im neuen Spielsystem mehr Einsatz nötig ist?

Kehler:Mit Sicherheit. Unser Training ist härter als die Spiele, dadurch sind die Jungs physisch fitter. Und sie müssen jetzt mehr laufen. Wir verteidigen mit fünf Mann, und wir stürmen mit fünf Mann, da gibt es keine Ausnahmen.

In der Vergangenheit waren die Huskies zu sehr abhängig vom Einsatz der Förderlizenzler aus Mannheim bzw. Wolfsburg. Sind die jungen Leute diesmal nur Ergänzungen?

Kehler:Ja. Denn wir dürfen nicht länger abhängig sein von der Situation unseres DEL-Partners. Es war der erste Schritt in unserer Personalplanung, unabhängig zu werden und auf eigenen Füßen zu stehen.

Den Huskies mangelte es an Führungsspielern. Wer sind die neuen Leader?

Kehler:Alle Spieler sollen Leader sein im besten Fall. Jeder muss nach vorn gehen. Natürlich haben die Kasseler Jungs eine wichtige Rolle im Team. Alex Heinrich als Kapitän sowie Michi Christ, Richie Mueller und jetzt auch Derek Dinger als drei Assistenten. Aber es gibt auch die Jungs ohne Amt, auf die die anderen schon jetzt blicken - Spencer Humphries, Austin Carroll, Jerry Kuhn.

Apropos Kasseler Jungs: Können Sie die zu früherer Stärke zurückführen?

Kehler:Michi Christ und Alex Heinrich wissen, dass mehr kommen muss, um ihre Plätze zu behaupten. Und sie nehmen das auch sehr positiv an. Beide können wichtige Faktoren im Team sein. Michi soll im vierten Sturm die jungen Ledlin und Spitzner führen. Alex muss härter spielen und konstanter. Aber auch Richie Mueller und alle Spieler, die geblieben sind, wissen, dass wir eine bessere Saison von ihnen erwarten.

Die Testspiele: Niederlagen gegen Crimmitschau und Karlsbad stehen fünf Siege gegenüber. Gegen Karlsbad, vor allem aber gegen Oberligisten. Was sind diese Spiele wert?

Kehler:Angesichts von zwölf neuen Spielern war es wichtiger, das neue System einzuspielen, Laufwege kennenzulernen und Selbstvertrauen zu sammeln als zu gewinnen. Da ist eine gute Entwicklung zu sehen. Ich hätte gern mehr Spiele auf hohem Niveau gehabt. Wir wissen, dass Frankfurt ein anderes Kaliber sein wird als Duisburg. Halle und Tilburg. Aber wir sind bereit für Freitag und für eine lange Saison.

Sind Sie abergläubisch? Die Huskies starten ausgerechnet am Freitag, den 13. September in die DEL2. Und das auch noch gegen ihren Ex-Klub Frankfurt.

Kehler:Nein, überhaupt nicht. Und es ist doch egal, wann wir im Lauf der Saison gegen Frankfurt spielen. Aber natürlich wird es für die Spieler wie für mich selbst eine sehr emotionale Sache, das erste Spiel in eigener Halle in einem Derby mit super Stimmung und vollen Rängen zu bestreiten.

(Foto: Chuc)

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