Emotionaler Abschied von Nikolai Weber

Acht Jahre lang war Nikolai Weber ein Bestandteil der HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga. Der 32-Jährige war Leistungsträger, Kapitän und Führungsspieler – ein Mann, der sich großer Beliebtheit bei den Fans der Grün-Weißen erfreute. Nun geht diese Ära zu Ende.

"Webster", wie der Gambacher genannt wird, spielt ab der kommenden Saison für den Europapokal-Teilnehmer TSV Hannover-Burgdorf. "Es war eine tolle Zeit hier. Ich habe mich sehr wohlgefühlt und klar, es ist ein komisches Gefühl den Verein jetzt zu verlassen", sagte Weber nach der Verabschiedung in der Rittal-Arena nach dem 32:28-HSG-Sieg gegen Minden.

Kurz zuvor wurde Weber als Letzter der sechs Abgänge auf die kleine Bühne auf dem Parkett gerufen. Zu emotionaler Musik marschierte der Torhüter ein und wurde von Geschäftsführer Björn Seipp verabschiedet. "Niko hat große Verdienste hier. Wir alle freuen uns, dass er in der kommenden Saison auch international im Europapokal seine Klasse beweisen kann. Für uns ist es auch nicht verständlich, warum er noch nicht für die Nationalmannschaft gespielt hat", sagte Seipp unter großem Applaus der vielen Fans, die noch rund eine Stunde nach dem Abpfiff in der Halle auf den großen Auftritt des dienstältesten HSG-Spielers gewartet hatten. Der Keeper war angetan von den Standing-Ovations der Fans: "Ich danke euch, dass ihr alle noch so lange in der Halle geblieben seid. Das ist nicht selbstverständlich.

Es war eine Wahnsinnszeit bei der HSG. Ich vergesse sicher, mich bei einigen Leuten zu bedanken, denn es gibt Tausende, bei denen ich mich bedanken möchte. Vor allem aber Rainer Dotzauer, der mich nach Wetzlar geholt hat und in mir irgendetwas gesehen hat. Danke dafür! Ich hoffe, ich habe dich nicht enttäuscht."

Im Jahr 2000 wechselte Weber von der HSG Münzenberg/Gambach aus der Landesliga nach Dutenhofen. Hinter Axel Geerken und Waldemar Strzelec war der damals noch unerfahrene Schlussmann nur die Nummer drei. Um Spielpraxis zu sammeln spielte er zwischen 2002 und 2005 für den damaligen Zweitligisten TV Gelnhausen. Im Main-Kinzig-Kreis reifte er neben dem heutigen HSG-Co-Trainer Jasmin Camdzic heran. Die HSG erkannte dies und holte Weber, der in jungen Jahren vor allem durch bunte und verrückte Frisuren auf sich aufmerksam machte, zurück an die Lahn. "Ich möchte vor allem auch Volker Mudrow bedanken, der mich ins kalte Wasser geschmissen und mir es ermöglicht hatte, in der Bundesliga Fuß zu fassen", richtete Weber einen Gruß an den Ex-Trainer, der ihn zur Nummer eins machte.

Der 1,95 Meter große Torwart avancierte in der Folgezeit zur unumstrittenen Größe im Wetzlarer Tor und war auch ein Garant für den einen oder anderen Klassenverbleib. "Niko hat großen Anteil an der positiven Entwicklung unseres Vereins", sagte Seipp. In den letzten Jahren liebäugelte Weber aber immer wieder mit dem Abschied aus Wetzlar. Der Wunsch, auch einmal fern der Heimat zu spielen, wurde immer größer. Zudem lockte Ex-Trainer Michael Roth beim finanziell starken MT Melsungen mit einem großen Gehalt und glänzender Perspektiven. Doch der Wechsel nach Nordhessen zerschlug sich in letzter Minute. Doch jetzt sagt Nikolai Weber endgültig Tschüss. "Ich freue mich auf die neue Herausforderung in Hannover. Aber ich werde immer Wetzlar die Daumen drücken, und ich komme wieder", rief Weber den Fans entgegen. Die Fans werden den Keeper aufgrund seiner Paraden, aber auch aufgrund seiner offenen und ehrlichen Art vermissen.

Jan Martin Strasheim

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