EM-Titel schließt eine "tolle Hallensaison" ab

(mw) Feiern konnte der Friedberger Günter Eisinger den EM-Titel von Ariane Friedrich, die er bei der LG Eintracht Frankfurt trainiert, nur eingeschränkt - seine Mutter war in der Vorwoche verstorben.

"Sie hat von der Klinik aus immer mitgefiebert, war immer in Gedanken dabei. Es ist ein schwerer Schlag", sagt der Übungsleiter und Manager von Hochspringerin Friedrich, die am Sonntag im italienischen Turin Europameisterin unter dem Hallendach wurde.

Als "sehr, sehr hoch" schätzt Eisinger die Wertigkeit des Titels für sich ein - es war sein erster als Trainer in der Aktivenklasse, nachdem er als Wettkampfmanager Heike Henkel 1992 beim Olympiasieg begleitet hatte. "Die Europameisterschaft schließt eine tolle Hallensaison wunderbar ab. Sie ist als Einzige im Winter ungeschlagen geblieben, hat alle ‘Großen’ der Szene besiegt und geht damit als Nummer eins aus der Halle", freut sich Eisinger mit Friedrich, die in Turin lediglich 2,01 Meter überspringen brauchte. "Ich hatte schon gedacht, dass es reicht. Denn der Spanierin Ruth Beitia habe ich die 2,03 Meter nicht mehr zugetraut - Ariane dagegen schon".

Bereits beim Einspringen hatte die Olympia-Siebte von Peking ihrer wohl schärfsten Konkurrentin, der Kroatin Blanka Vlasic, einen psychischen Knacks verpasst. "Ariane hat über 1,95 Meter ein Haus gebaut. Blanka hat diesen Sprung gesehen und sich danach sofort mit ihrem Trainer unterhalten. Da wusste ich, dass Ariane gewinnen kann", erklärt Eisinger den "Psychotrick". Die zuvor über 40 Mal in Folge mit einem Ergebnis über zwei Meter aus dem Wettkampf gegangene Vlasic konnte bereits 1,96 Meter nicht mehr überqueren - der Weg war somit frei für Friedrich, die erst bei 1,92 Meter eingestiegen war und ihre Siegeshöhe schließlich im ersten Versuch nahm. "Die hohe Einstiegshöhe ist sicherlich nicht üblich, aber wir wollten es mal probieren", sagt Eisinger. Mit Vlasic hatte sich Friedrich drei Wochen zuvor in Karlsruhe einen tollen Wettkampf geliefert. Beide Athletinnen sprangen 2,05 Meter und setzten sich damit an die Spitze der Weltrangliste. 2,07 Meter rissen dann beide, so dass die Deutsche aufgrund von weniger Fehlversuchen im Badischen siegte. "Eine Medaille nach Hause zu bringen war das Ziel für die EM. Jetzt ist es Gold. Ich könnte vor Freude heulen", sagte Friedrich nach ihrem Triumph.

"Die wichtigste Erkenntnis für den Sommer ist nun, dass Ariane weiß, dass sie alle schlagen kann",sagt Eisinger. "Und dies auch in den entscheidenden Momenten", fügt er hinzu. Bei den Hallenweltmeisterschaften (8.) und den Olympischen Spielen (7.) war Friedrich im vergangenen Jahr bei den Höhepunkten noch nicht in der absoluten Spitze vertreten, in das WM-Jahr 2009 mit den Titelkämpfen in Berlin ist die 25-Jährige nun perfekt gestartet. Fünf Meetings in Hustopece (Tschechien), Göteborg, Arnstadt, Karlsruhe und Weinheim hat die frühere U20-Junioren-Europameisterin gewonnen, dazu kommen die Titel bei den Hessischen, Deutschen (drei knappe Fehlversuche über 2,06 Meter) und Europameisterschaften. Nicht zu vergessen ist dabei, dass Friedrich außer in Göteborg immer exakt oder über zwei Meter sprang. "Das wird in Berlin kein Automatismus. Wir müssen hart dafür arbeiten. Die gute Hallensaison gibt sicherlich Selbstvertrauen", meint Eisinger. Die nötige Form will sich Friedrich unter anderem im Trainingslager holen, im April fliegt das Duo nach Teneriffa.

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