Tischtennis

Von elementarer Natur

  • vonMichael Stahnke
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Die Arbeit eines Funktionärs ist nicht immer schön. Henrik Jasper ist Klassenleiter von sechs Ligen. Außerdem spielt er selbst noch – in der fünften Mannschaft des TTC Bad Nauheim/Steinfurth.

Henrik Jasper (TTC Bad Nauheim/Steinfurth) ist im vierten Jahr Klassenleiter der Tischtennis-Bezirksliga der Herren/Gruppe 4, der Bezirksklasse der Herren/Gruppe 7 und der Bezirksklasse der Herren/Gruppe 8. Außerdem hat er seit dieser Saison auch noch drei B-Schüler-Klassen im Kreis übernommen. Er ist gerne Funktionär. Durch seine Tätigkeit wird der Spielbetrieb überhaupt erst ermöglicht.

Herr Jasper, beschreiben Sie doch einmal bitte Ihre Arbeit als Klassenleiter. Zu welchen Anlässen werden Sie kontaktiert?

Jasper: Bei der Planerstellung hat man einiges an Arbeit, doch hinterher herrscht eine sehr kooperative Atmosphäre. Die meisten kennen die Regelungen inzwischen ganz gut, so dass ich nicht wegen jeder Kleinigkeit hinzugezogen werde. Wenn etwa eine Halle nicht zur Verfügung steht, müssen die Vereine eine Ersatzhalle finden. Die kann ich ihnen ja nicht beschaffen. Wenn einige Spieler krank sind, können die Vereine innerhalb der Spielwoche vorverlegen. Eine Verlegung nach hinten ist generell nicht möglich. Aber da die meisten Vereine ihre Änderungswünsche inzwischen über Click-TT eingeben, muss ich diese anschließend nur noch bestätigen. Das erleichtert die Arbeit natürlich zusätzlich. Im Jugendbereich muss ich noch mehr erklären und Informationen geben, da auch oft Eltern die Verantwortung haben, die sich im Regelwerk noch nicht so gut auskennen.

Was passiert, wenn Sie selbst eine Regelung nicht kennen?

Jasper: Das kommt natürlich auch vor. Dann muss ich selbst noch mal in der Wettspielordnung nachlesen. Dafür haben die Leute Verständnis.. Das war jetzt beim Rückzug des SSV Heilsberg so. Ich musste nachlesen, ob die Mannschaft als aufgelöst gilt oder nur als Absteiger. Nach der neuesten Regelung ist sie nur Absteiger und kann in der kommenden Saison in der Kreisliga spielen.

Wie sieht Ihr zeitlicher Aufwand während der Saison aus?

Jasper: Normalerweise ist es etwa eine Stunde Arbeit pro Woche. Wenn ein Problem auftritt, bevorzuge ich dann die direkte telefonische Kommunikation, da man sofort eine Antwort erhält. Bei reinen Informationen verschicke ich diese natürlich auch nur per E-Mail. Wenn man aber den gesamten Zeitaufwand über die Saison hinweg zusammenzählt, läppert sich das schon zusammen, da ich als Klassenleiter auch Mitglied im Bezirkssportausschuss und im Kreisvorstand bin. Und der Bezirk Mitte ist schon groß. Da kann es schon einmal sein, dass ich zwei Mal im Jahr nach Lanzingen muss. Im Kreis Wetterau gibt es etwa drei bis vier Sitzungen im Jahr. Dazu kommt natürlich die Saisonplanbesprechung mit den jeweiligen Treffen der einzelnen Klassen und der Organisation der Lokalität. Doch ohne die offiziellen Funktionäre ist ein Spielbetrieb nicht möglich, in keiner Sportart. Und deshalb versuche ich, mit meiner Tätigkeit auch den tatsächlichen Spielbetrieb zu unterstützen. Somit bin ich auch nicht über jede Regelung in der Wettspielordnng glücklich, trage sie aber selbstverständlich mit.

Zu einem anderen Thema: Wie läuft die Saison bisher für die neue Spielgemeinschaft des TTC Bad Nauheim/Steinfurth?

Jasper: Wir wussten von vorne herein, dass es eine sportlich schwere Saison für die erste Mannschaft in der Bezirksoberliga der Herren werden würde. Aber das Ziel Relegationsplatz ist für uns nach wie vor realistisch. Auch die anderen neun TTC-Mannschaften spielen im erwarteten Rahmen. Allerdings hatten wir Pech mit einigen Verletzungen, speziell in meiner fünften Mannschaft in der Kreisliga. Der Teamgeist in der ersten Mannschaft ist groß. Und der Zusammenschluss hat schon fast zu gut funktioniert.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft als Klassenleiter?

Jasper: Ich denke, dass ich noch lange weiter machen werde.

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Hut ab!

Eine Sportart funktioniert nur mit Funktionären. Natürlich sind die Sportler selbst die Botschafter und damit die Personen, die wahrgenommen werden. Doch ohne die Menschen im Hintergrund, die den ganzen Betrieb am Laufen halten, hätten die Aktiven gar keine Plattform für ihren geliebten Sport. Wenn die nicht immer ganz so spaßbringenden Tätigkeiten dann auch noch ehrenamtlich verrichtet werden, verdient diese Arbeit höchste Würdigung. Das sollte auch dann bedacht werden, wenn man Strukturen einer Sportart kritisch hinterfragt: Sind es hauptamtlich agierende Leute, die die Entscheidungen fällen, oder im Berufsleben stehende Ehrenamtler, die sich oft genug nach dem normalen Job noch die Abende um die Ohren schlagen? Dafür gibt es übrigens kleine Aufwandsentschädigungen vom Hessischen Tischtennis-Verband. Die meisten Wetterauer Kreisvorstände spenden diese wieder – zweckgebunden für ihren Kreis – an den Verband. Mehr Ehrenamt geht nicht. (cso)

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