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Äußerungen, die nicht zu akzeptieren sind, werfen einen Schatten auf die Partie des SV Schwalheim II gegen die TSG Wölfersheim in der Fußball-Kreisliga B.

Fußball

Eklat in der B-Liga: Zuschauer beleidigen Spieler rassistisch

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In einem aufgeheizten Duell des SV Schwalheim II gegen die TSG Wölfersheim ist ein Spieler rassistisch beleidigt worden. Vor das Sportgericht kommt aber eine andere Aktion.

"Rassismus hat bei uns keinen Platz! Wir hoffen, der Spieler und der Verein akzeptieren die Entschuldigung", schrieb der SV Germania Schwalheim am Sonntagabend auf seiner Facebook-Seite. Kurz zuvor ist das Spiel der zweiten Mannschaft des SVG gegen die TSG Wölfersheim in der Kreisliga B, Gruppe 1, mit 2:2 und unschönen Szenen zu Ende gegangen. 

Wie die Punkte teilten die Vereine auch nach dem Spiel die Meinung: Dass der Wölfersheimer Spieler Andrew Iyasere von Schwalheimer Zuschauern rassistisch beleidigt worden sein soll, ist nicht tolerierbar. Es war der traurige Höhepunkt einer Partie, in der die Emotionen sich nach und nach hochschaukelten und kurz nach dem Wölfersheimer Ausgleichstreffer in der 82. Minute die Situation eskalierte. Von Rudelbildung und Handgemengen ist die Rede. Auch nach dem Spiel sollen sich die Gemüter lange nicht beruhigt haben. 

Zuschauer beleidigen Spieler rassistisch: Aufgeheizte Stimmung

Offiziell wollten sich auf Anfrage zunächst weder die beiden Vereine noch Schiedsrichter Wolf-Dieter Mitschele (SSV Heilsberg) zu den Umständen äußern. Daniel Haack, Trainer der Schwalheimer Männermannschaften, wollte der TSG den Vortritt lassen, die Geschehnisse einzuordnen. Deren Stellungnahme an den Kreisfußballausschuss folgte am Dienstagmittag. Darin kommt die aufgeheizte Atmosphäre zum Ausdruck, von der auch Augenzeugen berichteten.

Punkt eins: Zunächst soll im Anschluss an eine Abseitsentscheidung in der ersten Halbzeit der Wölfersheimer Torwart den Ball zur Freistoßposition an der Mittellinie gespielt haben. Ein Schwalheimer sei dazwischengegangen, obwohl der Freistoß noch nicht ausgeführt worden sein soll und hätte den Ball ins leere Tor geschoben, heißt es in der Stellungnahme. Schiedsrichter Mitschele habe das Tor zum Wölfersheimer Ärger dennoch zählen lassen. 

Punkt zwei: Iyasere, der vom FC Gießen II aus der Verbandsliga nach Wölfersheim gewechselt ist, soll während der gesamten Partie mehrfach grob gefoult worden sein. "Als ehemaliger Verbandsliga-Spieler ist Iyasere einfach zu schnell für die B-Klasse. Dass dann seine Gegenspieler oft einen Schritt zu spät kommen, ist leider nicht immer zu vermeiden", sagt Haack, betonte aber direkt mit Nachdruck, dass dies keine Entschuldigung für die Äußerungen vom Spielfeldrand sei. "Das ist absout inakzeptabel", sagt Haack. Die sich häufenden Foulspiele gegen Iyasere sollen die Wölfersheimer zunehmend aufgebracht haben. Laut Augenzeugen soll der Wölfersheimer Trainer, selbst ein kräftig gebauter Mann, Mühe gehabt haben, seine Spieler zurückzuhalten. Allerdings war auch zu hören, dass Iyasere mit seinem Verhalten auf dem Platz und nach dem Spiel die Stimmung weiter aufgestachelt haben soll. 

Zuschauer beleidigen Spieler rassistisch: Verdacht auf Jochbeinbruch

Fakt ist: Kurz vor Spielende kam es zu einem Handgemenge, bei dem Iyasere von einem Schwalheimer Abwehrspieler ins Gesicht geschlagen wurde. Laut Wölfersheimer Angabe habe sich Iyasere noch am Abend mit Verdacht auf Jochbeinbruch im Krankenhaus behandeln lassen müssen. Das gipfelte in Äußerungen von der Seitenlinie gegen den am Boden liegenden Iyasere, die nicht zu akzeptieren sind. Kein gutes Haar ließen beide Vereine an Schiedsrichter Mitschele. Er habe nach den Handgemengen mehrere Tätlichkeiten nicht geahndet und zuvor die Kontrolle über die Partie verloren, ist die einhellige Meinung. Dass er bis zum 2:2 acht Gelbe Karten verteilen musste, spricht für ein Spiel mit wenig fußballerischem Glanz. 

Auf Nachfrage bat Mitschele ebenfalls um Verständnis, dass er nichts sagen könne, da der Sachverhalt nun beim Kreissportgericht liege. Er habe die Vorkommnisse dem Klassenleiter Heiko Schmidt (Florstadt) gemeldet. Dieser bestätigte das, beließ es aber ebenfalls bei der Information, dass Mitschele den Vorfall zu Protokoll gebracht habe und nun das Kreissportgericht über die Konsequenzen entscheide. Der in Vertretung für das Gremium zuständige Rainer Preiß wollte nichts zum Sachstand sagen. 

Nach WZ-Informationen soll mit "der Vorfall" aber die Tätlichkeit des Schwalheimer Abwehrspielers, die auf dem Platz nicht geahndet wurde, gemeint sein und nun verhandelt werden. Von den rassistischen Beleidigungen soll im Bericht keine Rede sein. Die Wölfersheimer kündigten derweil an, die Zuschauer, die Iyasere rassistisch beleidigt haben sollen, strafrechtlich zur Anzeige zu bringen. Zwischen den Vereinen sei es bislang nicht zu einem Austausch gekommen, der SV Schwalheim hat am Donnerstag seinerseits eine Stellungnahme auf die Wölfersheimer Darstellungen angekündigt. Die Entschuldigung der Schwalheimer, die gegenüber den Wölfersheimern nach Spielschluss Konsequenzen für die ausfallenden Zuschauer ankündigten, scheint die TSG nicht wirklich überzeugt zu haben. Nun wollen beide Seiten abwarten, was das Sportgericht entscheidet – obwohl es dort wohl nicht um Rassismus gehen wird.

Kommentar von Erik Scharf

Ohne Worte 

Es wäre zu einfach gewesen, einfach mal klare Kante zu zeigen. Jenen, die andere Menschen rassistisch beleidigen, zu sagen: So nicht! Stattdessen wird rumgeeiert. Die TSG Wölfersheim richtet sich nur mit einer Stellungnahme an den Kreisfußballausschuss, statt offensiv und öffentlich ihren Spieler zu schützen. Ein Schiedsrichter, der nichts gehört haben will, obwohl alle anderen es hörten, bringt nur eine Tätlichkeit zu Protokoll, nicht aber die vermeintlichen rassistischen Beleidigungen. Und Funktionäre verstecken sich anstatt klare Kante zu zeigen, wie es ihre Verbands- und Vereinssatzungen fordern, hinter "schwebenden Verfahren" und schieben die Verantwortung weiter. Ironischerweise hat nur der SV Schwalheim sich bislang öffentlich positioniert, sich von den Entgleisungen seiner Zuschauer distanziert und zudem Konsequenzen angekündigt. Doch statt diesem Nachdruck zu verleihen, wird es von der Gegenseite als ein Versuch gewertet, größeren Schaden abzuwenden. Ohne Worte. 

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