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Eislöwen-Party im Kurpark

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Die Talfahrt hält an. Durch die sechste Niederlage in Serie verliert der EC Bad Nauheim zunehmend Anschluss die Playoff-Ränge in der Deutschen Eishockey-Liga 2 und spürt nun sogar den Verfolger auf Rang zehn im Nacken.

Beim 1:3 (1:1, 0:2, 0:0) gegen die Eislöwen Dresden knüpften die Roten Teufel einen Tag nach der Beurlaubung von Trainer Frank Carnevale 40 Minuten lang an die meist tristen Vorstellungen der vergangenen Wochen an und konnten nur im Schlussabschnitt - als die zuletzt dreimal sieglosen Gäste die Führung schlicht verwalten wollten - einen Funken Hoffnung versprühen. »Die Mannschaft hatte sich wohl zu viel vorgenommen. Das hat anfangs zu Fehlern geführt. Im Schlussabschnitt hatten wir 21 Schüsse auf das Tor, haben aber nicht getroffen. Ich denke aber, dass wir darauf aufbauen können«, sagt Daniel Heinrizi, der als Sportlicher Leiter und bisheriger Assistent aktuell die Verantwortung trägt und die Mannschaft auch heute (19.30 Uhr) im Spiel bei Meister Bietigheim betreuen wird.

Das Colonel-Knight-Stadion war am Samstag mit 4445 Zuschauern (darunter etwa 600 Fans aus Dresden) offiziell ausverkauft. Rund 300 RT-Fans sowie die Blaskapelle des TV Eichelsdorf hatten den Sonderzug aus Sachsen am Bahnhof empfangen, friedlich marschierten die Anhänger beider Mannschaften in Richtung Kurpark, wo die blau-weißen Fans schnell den Ton angaben. »Das war ein sehr emotionaler Abend. Im fünften Jahr gibt’s unseren Sonderzug, und heute dürfen wir auf der Rückfahrt zum ersten Mal einen Sieg feiern«, sagte Thomas Popiesch. Der Eislöwen-Coach sprach von »40 druckvollen, guten Minuten mit vielen Chancen«. Am Ende habe man die Führung mit »Moral, einem guten Torwart und etwas Glück« über die Zeit gebracht.

Der Mannschaft der Roten Teufel, die zu Teilen die Trennung von Trainer Carnevale forciert haben soll, hatte die Spanne von kaum mehr als 26 Stunden zwischen der Beurlaubung des Italo-Kanadiers und dem Spielbeginn ganz offensichtlich nicht ausgereicht, die Verunsicherung zu nehmen und die Beklemmung zu lösen. Die von den Zuschauern erhoffte Reaktion auf die nach außen kommunizierten Gründe der Beurlaubung blieb aus.

Laufbereitschaft war den Gastgebern, sicher auch der Kulisse geschuldet, nicht abzusprechen, doch unterm Strich bot sich den Zuschauern aber das zuletzt gewohnte Bild. Ein früher Rückstand, in der eigenen Verteidigungszone zu weit weg vom Gegner, mangelnde Offensiv-Kreativität, fehlende Effizienz im Abschluss, nur ein vielversprechendes Spieldrittel.

Erste offensichtliche Maßnahme von Interimstrainer Daniel Heinrizi: Er trennte erstmals das Top-Scorer-Duo Matt Beca/Taylor Carnevale, das das Spiel der Mannschaft speziell auswärts getragen hatte, um einen Impuls zu setzen, nahm den 21-Jährigen Sohn des (Ex-)Trainers auch aus der ersten Formation des zuletzt erfolglosen Powerplays heraus. Der von Frank Carnevale in den letzten drei Partien nicht berücksichtigte Kevin Lavallee fehlte erneut, so dass die Gründe für dessen Suspendierung wohl nicht alleine im gestörten Verhältnis zwischen dem Italo-Kanadier und dem im Frühjahr als dessen Wunschkandidaten verpflichteten Rückkehrers zu finden sein dürften.

Gleich den ersten Torschuss nutzte Dresden nach nur 98 Sekunden durch Bruce Becker zum Führungstreffer. Ehe Bad Nauheim in der 17. Minute (!) durch Mitch Versteeg zum ersten Torschuss gekommen war, hatte Torwart Jan Gurcya, der wohl beste RT-Spieler an diesem Abend, einen höheren Rückstand verhindern können. Acht Sekunden vor Drittelende ließ Kyle Helms mit dem Ausgleich im Powerplay Hoffnung aufkeimen. Der Ex-DEL-Spieler bildete zusammen mit Michael Dorr, der an seinem 25. Geburtstag im neunten Spiel in Folge ohne Treffer geblieben ist, und Matt Beca die agilste RT-Formation am Samstag.

Im zweiten Abschnitt nutzte Toni Pöllänen die mehrfach vergeblichen Befreiungsversuche im RT-Verteidigungsdrittel und erzielte die erneute Gäste-Führung (24.). Als Peter Macholda in Überzahl zudem von einem Ausrutscher Harry Langes profitieren konnte und mit einem fulminanten Schuss seinen plötzlichen Freiraum zu nutzen verstand (37.), war die Punkteverteilung angesichts der jüngsten Torquote (nur vier Treffer in den drei Heimspielen zuvor) fast schon vorauszusehen.

Zum letzten Drittel kamen die Hausherren noch einmal in Fahrt, hatten durch Helms, der das leere Tor vor sich hatte, Kapitän Patrick Strauch (Torwart Kevin Nastiuk hält) oder auch Dorr (trifft das Torgestänge) den Anschluss aus dem Schläger. Sechs Minuten vor Schluss hielt Guryca, der einen Penalty von Marius Garten abwehren konnte, seine Mannschaft im Spiel, allerdings ließen die Eislöwen keinen weiteren Treffer mehr zu.

Michael Nickolaus

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