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Auch für Jeanette Möcks die Oberliga-Damen der SG Rodheim scheint die Saison 2020/21 vorzeitig beendet zu sein. Trotz des anhaltenden Lockdowns aufgrund der Coronavirus-Pandemie rechnet sie nicht mit personellen Verlusten in ihrer Mannschaft. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Einhellige Meinungen

  • vonMichael Stahnke
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Der Hessische Tischtennis- Verband hat die Saison annulliert - und will nach dem Sommer neu starten. Spieler, Trainer und Vereinsvertreter aus der Wetterauer begrüßen den Entschluss, hoffen aber zumindest in punkto Training auf eine baldige Veränderung des Status quo.

Der Hessische Tischtennis-Verband (HHTV) hat in der vergangenen Woche entschieden, die Saison 2020/21 abzubrechen und zu annullieren. Damit bleiben die Klassen zur Spielzeit 2021/22 unverändert. Der Beschluss trifft - wie eine Umfrage unserer Redaktion zeigt - auf breite Zustimmung. Für die Klassen von der Oberliga bis zur 2. Bundesliga wurden die Entscheidungen zunächst vertagt, am Montagabend hatte der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) aber zu einer virtuellen Konferenz geladen und als Ergebnis alle Runden unterhalb der 1. Bundesliga abgebrochen - damit ist die Saison also auch für die Oberliga-Damen der SG Rodheim beendet.

Kreiswart erwartet keine Rückgänge

Kreiswart Henrik Jasper (TTC Bad Nauheim/Steinfurth) machte zunächst einmal klar, dass die Saison in jedem Fall bis Ende Mai hätte beendet sein müssen, da am 31. Mai der Wechseltermin ist. Dies hätte man auch mit einer Halbsaison nicht mehr sicher gewährleisten können. Alle Kreise seien »einhellig« der Meinung gewesen, die Saison deshalb zu annullieren. Somit müssten sich jetzt nur alle Mannschaften bis zum 10. Juni wieder in derselben Klasse anmelden.

Prinzipiell geht er davon aus, dass auch alle Spieler dann wieder spielen werden. Dies könne er zumindest von seinem Klub, dem TTC Bad Nauheim/Steinfurth, sagen. Allerdings stehe man vor dem Problem, dass man über ein Jahr hinweg praktisch keine neuen Spieler erhalten hätte. Auf ein gemeinsames Training unter Hygienebedingungen hoffe er natürlich aber bereits vor einem möglichen Saisonstart. Auch einen Kreistag werde es »definitiv« geben - ob digital oder in Präsenzform -, denn auch wenn keine Wahlen anstünden, müssten einige Anträge beschlossen werden.

Der ehemalige Kreisjugendwart Markus Reiter (Ober-Mockstadt), der als hauptberuflicher Tischtennis-Trainer arbeitet, hat - schon aus eigenem Interesse - Möglichkeiten geprüft, um wieder Training anbieten zu können. In der Coronavirus-Pandemie hätte sich wieder einmal gezeigt, welche Vereine sich kümmerten und welche Vereine nur jammerten. »Seit November darf man sich nur noch zu zweit treffen, sodass ich seitdem Einzeltraining in Lokalitäten wie einer Aula, einem Keller, einem Klassenraum, einer Garage oder einem Seminarraum gebe«, erzählt er. Diese Angebote gäbe es von 14 bis 22 Uhr, erklärt er, wobei er auch bis nachts Training anbieten könnte, so groß sei das Interesse.

Aus dem heimischen Kreis habe der TV Eichelsdorf unter der Federführung von Heike Wöllner ein Finanzierungsmodell für diese Form des Trainings erarbeitet. Es gebe einen Sponsorenpool sowie einen Beitrag des Vereins und der Teilnehmer. Dieses Modell sei auch beim TV Hofheim und der SG Sossenheim eingeführt worden. Die Folge: Die Mitgliederzahlen hätten sich in der Pandemie um 20 bis 30 Prozent gesteigert. Was Reiter, der auch Verbandslehrwart des HTTV ist, ausdrücklich kritisierte, ist, dass es von Verbandsseite her keinerlei Unterstützung seines oder anderer Modelle gegeben hätte, um auch bei anderen Vereinen in Hessen eine coronagerechte Form von Training aufrechterhalten zu können. Somit befürchtet er, dass sich der ohnehin vorhandene Schrumpfungsprozess im Tischtennis weiter beschleunigen werde und es selbst auf Bezirksebene durch Rückzüge turbulent werden könnte. »Der erste Lockdown war noch nicht so schlimm, da es ohnehin zum Ende der Saison war, doch der zweite Lockdown war ein noch stärkerer Schlag zu einer ungünstigeren Zeit und außerdem war er auch noch viel länger«, sagt Reiter.

Positiv sieht derweil Assenheims Mannschaftsführer Albrecht Papp die Lage. Natürlich hätten sich einige an das »Lotterleben« gewöhnt, bei dem man nicht mehr am Samstagabend spielen oder am Sonntagmorgen aufstehen müsse, doch er rechne schon damit, dass in Assenheim alle »bei der Stange bleiben« werden. Die Entscheidung der Annullierung der Saison war auch für ihn die einzig richtige, um keinen (zusätzlichen) Ärger zu erzeugen. Dann fügte er noch an: »Für diejenigen Spieler, die Leistung bringen wollen - wie etwa Lukas Stumpf -, ist die aktuelle Situation natürlich eine Katastrophe. Ich kann jetzt nur hoffen, dass wenigstens die Hallen schnellstmöglich öffnen, um auch die körperlichen Defizite wieder etwas abbauen zu können«. Bei den Meldungen für die kommende Saison erwarte er aber schon einen gewissen Aderlass, allerdings nicht extrem.

Jeanette Möcks von der SG Rodheim war bereits vor der Entscheidung des DTTB ausgegangen, dass sie »in dieser Saison noch gegen eine Gegnerin am Tisch stehen wird«. Außerdem könne »ohne Tischtennis jetzt einmal alle Wehwehchen auskuriert werden«, meint die Oberliga-Spielerin. Jetzt sei einfach die Hoffnung groß, dass im September endlich wieder eine normale Saison gespielt werden könne. Auch in Rodheim werden wohl alle Spielerinnen auch in der nächsten Spielzeit wieder am Tisch stehen.

Wetterauer Talent wechselt den Klub

Wiederum aus einer anderen Perspektive berichtete Cornelia Reckziegel-Neumann (TV Okarben/TTC Grün-Weiß Staffel), dass ihre Tochter Josephina Neumann zur kommenden Saison zum TV Langstadt in die 3. Bundesliga wechseln wird. Der einzige Grund dafür sei, dass sie dort Trainingspartnerinnen aus der 1. Bundesliga habe, was für ihre weitere Entwicklung unabdingbar sei. Die Hallenschließungen seien dennoch auch für sie nicht gut, da das Kader-Training zwar normal weiter laufe, doch durch die fehlenden Wettkämpfe könne nie wirklich geschaut werden, inwieweit auch neu Erlerntes tatsächlich umgesetzt werden könne. Jetzt hoffen alle noch darauf, dass wenigstens die Ranglistenturniere noch vor den Sommerferien gespielt werden können, denn auch die Ausfälle der internationalen Turniere schmerzen sehr.

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