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Das Konzept des Deutschen Tischtennis-Bundes zum Wiedereinstieg steht auf dem Prüfstand. FOTOS: IMAGO/PV

HINTERGRUND

Vor einer Not-Saison

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Die Motivation ist groß: Zu lange schon hat der Sport pausieren müssen. Der Deutsche Tischtennis-Verband hat ein Konzept für den Wiedereinstieg unter Corona-Maßnahmen erarbeitet. Das hat seine Tücken - und die Vereine stehen damit vor großen Herausforderungen.

Still ruht der Plastikball. Bereits am 1. April haben die heimischen Tischtennisspieler ihre Saison beendet, Auf- und Abstiege geregelt und jedes Training einstellen müssen. "Turniere, Einzelmeisterschaften oder Ranglistenspiele wird es in diesem Jahr wohl nicht mehr geben", vermutet Reiner Richardt-Stock, Ressortleiter Jugendsport im Hessischen Tischtennis-Verband (HTTV). Er hofft, dass zumindest bald wieder Serienspiele möglich sind. Denn trainiert werden darf nach den Vorgaben der hessischen Landesregierung von vergangener Woche nun wieder - vorausgesetzt die Kommunen und Landkreise öffnen ihre Sporthallen.

Auch dafür hat der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) ein zweistufiges Wiedereinstiegs-konzept erarbeitet - für eine Sportart, in der sich die Spielpartner am Tisch mindestens 2,74 Meter voneinander entfernt befinden und die somit keine Kontaktsportart ist.

Das Konzept sieht für das Training vor, dass kein Doppel oder Mixed gespielt wird und sich nur wenige, fest eingeteilte Trainingspartner in der Halle aufhalten. Jeder bringt beim Aufschlag seinen eigenen Ball ins Spiel. Bevor das nächste Duo - nach zehnminütiger Durchlüftungspause - in die Halle kommt, muss der Tisch desinfiziert sein. Umkleideräume und Duschen werden nicht genutzt. Die Vereine müssen Zeitpläne erstellen, damit sich möglichst wenig Personen im Training treffen (weitere Maßnahmen siehe Kasten rechts).

"Das sollte machbar sein, wenn etwa um 19 Uhr zwei miteinander trainieren und um 20 Uhr die Nächsten", erklärt Andreas Hain. Der HTTV-Präsident sieht ein Problem darin, dass beide Akteure den Ball anfassen müssen (siehe Hintergrund). Das könnte mit markierten Bällen, die nur je ein Spieler berührt, gelöst werden: "So könnten wir sogar Verbandsspiele bestreiten."

Für die Wettkämpfe, die regulär Ende August beginnen würden, sind weitere Vorgaben zu beachten. So ist die Frage der Fahrgemeinschaften zu klären. "Der Trend geht in oberen und unteren Klassen ohnehin zu Vierer-Teams, man könnte diesen Schritt jetzt vorziehen", schlägt Richardt-Stock vor. Wobei der Wettkampfablauf (Spieler, Coaching, Mannschaftsbank, Schiedsrichter) so gestaltet werden sollte, dass Abstandsgebot und Hygieneregeln zu jeder Zeit eingehalten werden können.

Was vielen Vereinen fehlt, ist Planungssicherheit. Also ist Rantasten angesagt. "Wir stehen vor einer Not-Saison und werden die Wettspielordnung anpassen und ergänzen müssen", erwartet Richardt-Stock erst wieder 2021/22 eine "normale" Verbandsrunde.

Der Tischtennis-Ball könnte zum Zankapfel werden. Denn den müssen beide Akteure während des Spiels immer wieder in die Hand nehmen.

"Solange die Vorschriften zur Hand- und Ballhygiene beachtet werden, ist man auf der sicheren Seite", betont jedoch Dr. med. Adela Zatecky. Die südhessische Ärztin und Medizinjournalistin hat gemeinsam mit Markus Reiter, A-Lizenz-Trainer und Ressortleiter Lehrwesen des Hessischen Tischtennisverbandes, ein eigenes Neustartkonzept erarbeitet und darin diese Frage wissenschaftlich beantwortet.

Im Gegensatz zu Bakterien würden Viren kaum über Schmierinfektionen übertragen. Die Übertragung finde hauptsächlich durch Atemaerosole statt: Kleinste Flüssigkeitströpfchen, die von den Infizierten ausgehaucht und ausgehustet werden.

"Sobald dieses Aerosol austrocknet, wird auch die aus einem Fettfilm bestehende Virushülle zerstört. Damit kann das Virus nicht mehr an seine Rezeptoren auf der Atemwegsschleimhaut andocken", erklärt Dr. Zatecky.

Es sei daher nicht vorstellbar, dass sich Aerosole auf den Bällen halten, die sich mit hohen Geschwindigkeiten rotierend durch die Luft bewegen, ohne dass die Tröpfchen trocknen.

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