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Leon Kratzer will bei den Frankfurt Skyliners den nächsten Karriereschritt machen. Sein großes Vorbild ist der Ex-Frankfurter Danilo Barthel, der inzwischen Kapitän des deutschen Meisters FC Bayern München ist.

"Eine Schippe drauflegen"

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(tim). Wenn Leon Kratzer an sein Debüt für Basketball-Bundesligist Frankfurt Skyliners im vergangenen November zurückdenkt, beginnen seine Augen zu leuchten. "Es kommt mir vor wie gestern", sagt der Center. In Bamberg war der 2,11-Meter-Mann nicht über die Rolle des Reservisten hinausgekommen, bis auf ein paar Minuten auf dem Parkett, wenn die Spiele schon gelaufen waren, schmorte er auf der Bank. Also entschied sich Kratzer nach Frankfurt zu wechseln, zu jenem Bundesligastandort, an dem junge Spieler viel Einsatzzeit bekommen. "Ich komme also hierher, habe keine einzige Trainingseinheit absolviert und habe dann mehr gespielt als in der gesamten Saison", erzählt Kratzer von seinen Erinnerungen an die Eurocup-Partie gegen Vilnius am 21. November. 16 Minuten stand er beim 65:63-Sieg auf der Platte. "Da ist mein Herz aufgegangen. Es hat so viel Spaß gemacht, das Vertrauen vom Trainer zu spüren und zu spielen."

Mit einem großen Vertrauensvorschuss wird der 22-Jährige auch in die neue Saison gehen. Er ist fest als Starter auf der Position Fünf vorgesehen. Der ehemalige Skyliners-Trainer Gordon Herbert bezeichnete Kratzer als "Fundamentstück" für die Zukunft des Klubs. "Ich habe noch mehr Verantwortung und muss auf meine Fouls besser aufpassen", sagt Kratzer. Frühe Foulprobleme könnten in der Tat zu einem Problem werden. Aktuell haben die Skyliners nur Marco Völler als Back-up auf der Centerposition - und der ist mit seinen 1,99 Metern keiner, der die schweren Jungs auf Dauer unter dem Korb bekämpfen kann. Niklas Kiel wäre zwar eine Alternative, aber die Skyliners planen die neue Saison ohne den 2,07-Meter-Mann. "Niklas befindet sich seit seinen drei Gehirnerschütterungen in ständiger ärztlicher Untersuchung. Dabei sind einige Dinge zum Vorschein gekommen, die weitere Untersuchungen nötig machen", teilten die Skyliners am Sonntagabend mit.

Also brauchen die Skyliners mindestens noch einen, wenn nicht sogar zwei Spieler für die großen Positionen. "Wir sind auf der Suche", sagte Trainer Sebastian Gleim. Zwei Ausländer könnten die Hessen ihrem Kader noch hinzufügen - am besten einen großen Spieler, der aus der Mitteldistanz einen guten Wurf hat. Solch ein Spielertyp wäre die ideale Ergänzung für Kratzer, der seine Stärken unter dem Korb und beim Rebound hat. Vergangene Saison traf Kratzer knapp 61 Prozent seiner Versuche aus dem Zweipunktbereich, kam im Schnitt auf 8,9 Punkte. Dazu kamen 6,5 Rebounds - in dieser Statistik war er der Achtbeste in der BBL. In der Kategorie der Offensivrebounds war er mit 2,8 im Schnitt sogar zweitbester Profi hinter dem Braunschweiger Scott Eatherton und vor dem ehemaligen Teamkollegen Jonas Wohlfarth-Bottermann, der zu den Riesen Ludwigsburg gewechselt ist. Bis auf eine ärgerliche Knieverletzung, die ihn im Winter sechs Wochen außer Gefecht setzte, spielte Kratzer eine starke Saison.

Einziges Problem: die Freiwürfe. Kein Bundesligaspieler hatte bei ähnlich vielen Freiwürfen eine solch schlechte Quote. Von 27 Versuchen traf er mickrige acht, was rund 29,6 Prozent entspricht. "Im Training", sagt Kratzer, "treffe ich zwischen 70 und 80 Prozent." Deshalb versuche er, Drucksituationen zu simulieren. "Ich muss mich einfach besser konzentrieren."

Testsieg gegen Heidelberg

Den Sommer hat Kratzer nach einem kurzen Urlaub im "Hotel Mama" in seiner Geburtsstadt Bayreuth, vor allem aber im Kreis der A 2-Nationalmannschaft verbracht. Bei der Universiade in Neapel belegte die Mannschaft den fünften Rang. Mit seiner Leistung war Kratzer aber nicht wirklich zufrieden: "Ich hatte ein paar Spiele, in denen ich früh viele Fouls hatte."

Ins erste Testspiel der Skyliners ist Kratzer hingegen gut reingekommen. Gegen Zweitligist Heidelberg kam der Center am Sonntagabend auf 15 Punkte und sechs Rebounds beim 84:62 (39:38)-Sieg seiner Mannschaft. Kratzer, der einen Vertrag bis Saisonende hat, will in der neuen Saison "eine Schippe drauflegen". Der Sohn des ehemaligen Basketball-Nationalspielers Marc Suhr möchte in Zukunft auf jeden Fall Euroleague spielen und orientiert sich dabei am Ex-Frankfurter Danilo Barthel. "Ich finde es ganz toll, wie er sich entwickelt hat und was für eine konstante Rolle er als Kapitän bei Bayern München spielt", sagt Kratzer. Wenn er sich davon etwas abschaut, könnte er einer der dominierendsten Center der Liga werden.

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